Kerala Dust - An echo of love
PIAS / Rough Trade
VÖ: 22.08.2025
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
There is a crack in everything ...
... that's "how the light gets in." Ein Echo der Liebe schicken Kerala Dust mit ihrem "An echo of love" durch den Äther – direkt hin zu Leonard Cohen, dem am 7. November 2016 verstorbenen Großmeister des tiefsinnigen Songwritings. Schon der zweite Track, "How the light gets in", trägt das ikonische Cohen-Zitat nicht nur im Titel, sondern atmet auch seinen Geist. Und überhaupt: Zuneigungsbekundungen an musikalische und poetische Ahnen durchziehen das Album wie feine Haarrisse, durch die gelegentlich Licht einfällt – mal als ästhetisches Zitat, mal als augenzwinkernde Reverenz. In "The orb, TX" etwa schwingt eine verrauschte Erinnerungszeile an Nancy Sinatras "Bang bang" mit, während "Love in the underground" mit charmant ironischem Seitenblick an Rihannas "We found love" erinnert – und dabei als der absolute Clubtrack des Albums zündet.
"An echo of love" ist kein Bruch mit der Vergangenheit der Band, sondern eine subtile Erweiterung. Die LP folgt auf das 2023 erschienene Album "Violet Drive", geprägt von den Eindrücken und Erfahrungen einer intensiven Tour. Laut Band steht dieses neue Werk dabei deutlich stärker im Zeichen von Liebe und Beziehungen im Wandel. Edmund Kenny beschreibt es als "Zustand des Geistes, wie man ihn direkt nach dem Ende einer Beziehung erlebt – ein Sich-Zerlegen, ein Überdenken, ein Raum, der mehr emotional als geografisch definiert ist." Diese Innenschau soll nicht distanzieren, sondern im Gegenteil eine größere Nähe zwischen Kunstschaffenden und Publikum herstellen.
Das liegt nicht zuletzt an der neuen Besetzung: Tim Gardner (Keyboard) und Pascal Karier (Drums) ergänzen nun Edmund Kenny (Vocals, Electronics) und Lawrence Howarth (Gitarre). Die Neuzugänge verleihen dem Sound mehr organische Tiefe und eine auffälligere Betonung des Desert-Feelings, das bislang eher als Ahnung in der Ferne lag. Trotzdem bleibt die Songstruktur elektronisch geprägt – Beats und Loops bestimmen den Puls, Wiederholungen bauen sich auf, das repetitive Element als Kernstück jedes Tracks. Der Sound bleibt dabei warm und groovend – eine Mischung aus kontinentaleuropäischer Elektronik und der staubigen Weite schnurgerader US-Highways unter flirrendem Wüstenhimmel.
Kein Wunder also, dass die Entstehungsgeschichte ebenso weitläufig ist wie der Klang des Albums selbst: geschrieben und aufgenommen in der Toskana, in Austin, Zürich und Rom – ein transkontinentaler Schmelztiegel, der sich mühelos in jedem Ton widerspiegelt. Und dann wäre da noch der Name: Kerala Dust – eine Anspielung auf den südindischen Bundesstaat Kerala, während die Band selbst in London gegründet wurde. So klingt "An echo of love" ein wenig, als hätte man einen kleinen Berliner Underground-Club in die weiten Wüstennächte Nevadas gebracht – und erschafft damit klanglich ein wundervoll luftiges Gewebe, das erst bei näherem Hinsehen inhaltlich tiefere Schichten offenbart. Echos aus Groove, Staub und Erinnerungen, durchbrochen von Licht.
Highlights
- The orb, TX
- Love in the underground
- I remember you a dancer
Tracklist
- Echoes of grace
- How the light gets in
- Bell
- The orb, TX
- Eden to Eden
- Love in the underground
- Beyond the pale
- I remember you a dancer
- Down with the night (Pt. II)
- The bay
Gesamtspielzeit: 41:32 min.
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