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Ron Sexsmith - Hangover terrace

Ron Sexsmith- Hangover terrace

Cooking Vinyl / Indigo
VÖ: 29.08.2025

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Karlsson vom Fach

In dieser Rezension wollen wir uns ausnahmsweise mal nicht über Rons Nachnamen lustig machen, man kann ja auch mal einen neuen Gag versuchen, denn: Sexsmith sieht von Jahr zu Jahr dem merkwürdigen Karlsson vom Dach in der schwedischen Verfilmung aus dem Jahr 1974 immer ähnlicher. Anders jedoch als die Astrid-Lindgren-Figur zeigt sich Ron Sexsmith eben nicht als parasitärer Tunichtgut, der in erster Linie Personen- und Sachschäden produziert, sondern vielmehr als das exakte Gegenteil: Der Output des kanadischen Sängers ist nicht nur mengenmäßig beeindruckend – wenn wir richtig gezählt haben, ist "Hangover terrace" das 18. Studioalbum –, sondern auch durchweg von einer konstant hohen textlichen wie musikalischen Qualität: Allein hier bei Plattentests.de hat er, von einer Ausnahme abgesehen, stets mindestens eine 7/10 abräumen können – kein schlechter Track Record bei immerhin neun rezensierten Alben.

Genug der Statistiken, wie macht sich denn nun der 2025er Jahrgang? Wie es zu erwarten war: ausgezeichnet. Der Opener "Don't lose sight" lässt sich schön viel Zeit für einen stringenten Songaufbau: Schön schluffig-relaxtes Intro, und dann kommt auch schon nach wenigen Takten diese stets sympathische, leicht melancholische Stimme ans Mikrofon – und zack, ist man drin im Kosmos dieses Manns, der mit einfachen, aber klug eingesetzten Mitteln das Herz erwärmt und einen auf die eine oder andere Introspektion mitnimmt, der man gerne folgt. Mag diese erste Nummer vielleicht auch ein wenig schunkelig daherkommen, so ist sie doch in keinem Moment langweilig, denn erstens gibt's ein paar überraschende Changes – und der sparsam eingesetzte weibliche Background-Chor macht die Sache angenehm rund. Sehr hübsch ist auch "Dawn well please" – das beginnt zwar erst etwas abschreckend mit einem allzu billig anmutenden Synthesizer-Lick, entwickelt sich über die folgenden knapp drei Minuten aber zu einer saugut gelaunten und auch durchaus schmissigen Musik, mit der man am Lagerfeuer wohl bestens aufgehoben wäre.

Die stärkste Nummer ist "Camelot towers", das durchweg eine geheimnisvoll-nächtliche Stimmung heraufbeschwört: Im Intro fast an die ausgeruhten Dire Straits aus frühen Tagen gemahnend, changiert der Song später zwischen vielen weiteren Klangfarben; mal klingt Paul Young an, mal das Songwriting von Bill Callahan zu einer Zeit, in der er sich noch nicht zwischen allzu spillerig-zerfaserten Miniaturen verlor. Ja, diesen Vier-Minuten-Track könnte man auch locker auf die doppelte Zeit dehnen – so schön entspannt und harmonisch, aber trotzdem mit dem einen oder anderen harmonischen Widerhaken ausgestattet ist der Song. In "It's been a while" wiederum meint man fast, Morrissey als Inspiration herauszuhören, wenn auch in einer eher amerikanisierten Art und Weise. Und der Rausschmeißer "Must be something wrong with her" zeigt sich zunächst als simpel anmutende Ballade, schwingt sich aber peu à peu mit Streicherarrangements, elegischen Gitarrenzwischenspielen und traumschönen Backing-Vocals zu einer richtiggehend orchestralen Nummer auf.

Okay, man könnte dem Album vielleicht vorwerfen, dass es insgesamt nicht sehr viel wagt. Hier gibt es keine Experimente, keinen "Great leap forward", keinen Quantensprung, keine echten Überraschungen – sondern eher ein inkrementelles Wachstum, ein organisches, langsam reifendes, damit aber auch ungemein glaubwürdiges Weiterdrehen des Erfolgsrezepts, das Sexsmith für sich gefunden hat. Und vielleicht ist das ja gar keine so schlechte Leistung: den Stiefel, den man sich bereits vor 30 Jahren angezogen hat, schlicht und einfach mit Würde tragen, anstatt sich einen neuen bei Amazon zu bestellen, weil es geht. Ja, es scheint, als würde dieser noch lange nicht auseinanderfallen, sondern locker über weitere Jahre tragen. So ist es halt, wenn man Songwriting-Fachmann ist und niemandem etwas beweisen muss.

(Jochen Reinecke)

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Highlights

  • Don't lose sight
  • Dawn well please
  • Camelot towers
  • Must be something wrong with her

Tracklist

  1. Don't lose sight
  2. Cigarette and cocktail
  3. Dawn well please
  4. Easy for you to say
  5. Camelot towers
  6. It's been a while
  7. House of love
  8. Rose town
  9. Please don't tell me why
  10. Outside looking in
  11. Angel on my shoulder
  12. When will the morning come
  13. Burgoyne woods
  14. Must be something wrong with her

Gesamtspielzeit: 43:45 min.

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User Beitrag

MickHead

Postings: 8945

Registriert seit 21.01.2024

2025-08-29 10:19:21 Uhr
Komplette Playlist bei YouTube:

https://www.youtube.com/playlist?list=OLAK5uy_lrvnoMwysN0N2irat_w-IYvkpgB_8ldl4

Rolling Stone 4/5

https://www.rollingstone.de/reviews/ron-sexsmith-hangover-terrace/

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 29794

Registriert seit 08.01.2012

2025-08-24 09:02:42 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

MickHead

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Registriert seit 21.01.2024

2025-08-11 10:28:29 Uhr
2 weitere Songs geteilt:

"When Will The Morning Come"

https://www.youtube.com/watch?v=t-jvy2Mfpuc

"Cigarette And Cocktail"

https://www.youtube.com/watch?v=kOER_NiYZoY

MickHead

Postings: 8945

Registriert seit 21.01.2024

2025-06-05 11:40:48 Uhr
Der kanadische Singer-Songwriter und Pop/Folk Musiker "Ron Sexsmith" aus St. Catharines, Ontario, kündigt für den 19.08. das 18. Studioalbum "Hangover Terrace" an. Es folgt auf "The Vivian Line" von 2023.

Erster Song "Don't Lose Sight"

https://www.youtube.com/watch?v=G7nqzg811Cs

Tracklist:

1 . Don't Lose Sight
2 . Cigarette and Cocktail
3 . Damn Well Please
4 . Easy For You To Say
5 . Camelot Towers
6 . It's Been A While
7 . House of Love
8 . Rose Town
9 . Please Don't Tell Me Why
10 . Outside Looking In
11 . Angel On My Shoulder
12 . When Will The Morning Come
13 . Burgoyne Woods
14 . Must Be Something Wrong With Her
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