Listen




Banner, 120 x 600, mit Claim


MGK - Lost Americana

MGK- Lost Americana

EST 19XX / Interscope / Universal
VÖ: 08.08.2025

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Er will doch nur spielen

Colson Baker hat es eigentlich gar nicht mehr nötig, irgendjemandem etwas zu erzählen. Als Machine Gun Kelly baute er sich binnen weniger Jahre eine ansehnliche Rap-Karriere auf, um sie nach allgemeiner Lesart von niemand geringerem als Eminem vernichten zu lassen. Anstatt sich in Selbstmitleid zu suhlen, folgt kurz darauf die Wiederauferstehung als Popmusiker und mit "Tickets to my downfall" ein durchaus passables "Debüt", welches sehr leicht hätte peinlich werden können. Jahr für Jahr erspielt sich MGK, wie er sich inzwischen nennt, somit erneut eine stetig wachsende Fanbase. Zur selbigen gehört auch, man höre und staune, Bob Dylan (Ja, DER Bob Dylan!), der einem Albumteaser vor Release von "Lost Americana" sogar seine Stimme leiht.

Gesegnet von "His Bobness" lässt sich das neue MGK-Album zunächst relativ sauber in vier etwa gleich große Anteile gliedern: Skatepunk, Softrock, Rap und Popballaden. Insbesondere die Rapstücke machen dabei eine durchaus brauchbare Figur, wobei man sich aber auch bei den anderen Titeln nicht unbedingt über schlechtes Handwerk beschweren kann. Das sind alles Produktionen auf Formatradio-Standard, sie betonen, am besten exemplarisch zu Beginn des Chorus von "Goddamn" zu hören, die große Stärke von Bakers Gesangsstimme: klare, halbhohe Töne einen Halbton zu tief absinken zu lassen, ohne dass es schief klingt. Könnte man One Trick Pony nennen, muss man so aber auch erstmal hinbekommen. Ansonsten regelt Autotune den Rest.

Unabhängig von solchen technischen Details bleibt mit dem Blick auf das große Ganze jedoch unklar, was diese "Lost Americana" denn nun eigentlich darstellt. Egal, welche popkulturelle Referenz Ihr so im Kopf habt, sie ist in diesem Album mit hoher Sicherheit verwurstet oder mindestens erwähnt worden. James Dean, Coca Cola, Lord Of The Rings, Rolling Stones, et cetera. Man verspürt fast den Drang, bei dieser dichten Aufzählungsmenge "We didn't start the fire" anzustimmen. Ergo: So ganz verblichen ist das US-Kulturgut also offenkundig nicht. Wiederum als Beschwerde, dass man mit seinem Werk doch gefälligst zu diesem dazugehören sollte, taugt das Album aber auch nicht, weil dafür zu wenig Wut stattfindet. Vielleicht erbarmen sich ja ein paar (angehende) Kulturwissenschaftler*innen an dieser Frage.

Ohnehin sollte man dieses Album weniger als einen großen Zusammenhang, sondern eher als eine lose Ansammlung interpretieren. Ein wirklicher Spannungsbogen findet zumindest nicht statt, worin auch die einzelnen Titel für sich selbst deutliche Mangelerscheinungen haben. Und so lässt einen die Erfahrung, die man mit "Lost Americana" macht, ein wenig ratlos zurück. Wofür ist der Aufwand denn nun? Alles in allem ist der Genre-Mix kurzweilig und man kann Baker nicht absprechen, ein kompetenter Sänger und Rapper zu sein. Wahrscheinlich liegt die Crux darin, dass die sprachlichen Bilder und Chord Progressions nur selten wirklich originell arrangiert und damit unpersönlich wirken. Quasi ein Déjà-vu für die Ohren. Die eine Ausnahme hiervon bildet der Schlusstrack "Orpheus", welchen MGK zusammen mit seiner Ex-Verlobten Megan Fox (Ja, DIE Megan Fox!) geschrieben hat und trotz ihrer Trennung viel gegenseitige Zuneigung und Dankbarkeit für ihre gemeinsame Tochter erkennen lässt. Angesichts der großen Harmonie auf allen Titeln zuvor wäre ein Rosenkrieg hier aber auch enorm atypisch. "Lost Americana" positioniert sich somit angenehm klar und verzichtet radikal auf jeglichen doppelten Boden oder sonstige Ambivalenzen. Jede einzelne Zeile ist exakt so gemeint, wie sie gesungen wird und damit ist das Album im Grunde so authentisch wie ein Besuch im Disneyland. Das hier gegebene Versprechen ist weder Erlösung, noch Entwicklung – sondern Unterhaltung. Nicht mehr, nicht weniger. Und es gibt Tage, an denen das auch einfach reicht.

(Gerrit Phil Abel)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen bei Amazon / JPC

Highlights

  • Vampire diaries
  • Indigo

Tracklist

  1. Outlaw overture
  2. Cliché
  3. Run rebel run
  4. Goddamn
  5. Vampire diaries
  6. Miss sunshine
  7. Sweet coraline
  8. Indigo
  9. Starman
  10. Tell me what's up
  11. Can't stay here
  12. Treading water
  13. Orpheus

Gesamtspielzeit: 45:19 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread

Um Nachrichten zu posten, musst Du Dich hier einloggen.

Du bist noch nicht registriert? Das kannst Du hier schnell erledigen. Oder noch einfacher:

Du kannst auch hier eine Nachricht erfassen und erhältst dann in einem weiteren Schritt direkt die Möglichkeit, Dich zu registrieren.
Benutzername:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

MickHead

Postings: 8616

Registriert seit 21.01.2024

2025-09-18 19:28:51 Uhr
Tour 2026

FEBRUARY 2026
17 – Munich, DE – Olympiahalle*
24 – Berlin, DE – Uber Arena*
25 – Hamburg, DE – Barclays Arena*

MARCH 2025
2 – Cologne, DE – LANXESS arena*

*With support from Julia Wolf

Francois

Postings: 1477

Registriert seit 26.11.2019

2025-08-28 00:49:05 Uhr
Macht mehr Sinn :D

Kontermutter

Plattentests.de-Mitarbeiter (Gerrit Phil Abel)

Postings: 639

Registriert seit 04.03.2023

2025-08-27 16:37:47 Uhr
Oh. Sollte "geskillt" werden. :D

Francois

Postings: 1477

Registriert seit 26.11.2019

2025-08-27 16:29:32 Uhr
Kontermutter: Wie meinst du „ist gekillt“?

@Arne: geht mir auch so. Ziemlich gutes und unterhaltsames Album! Live hat es mir auch gefallen. Tief im Inneren bin ich aber immer noch ein Skate-Punk-Teenager :)

Arne Anderson

Postings: 214

Registriert seit 26.01.2022

2025-08-26 16:49:21 Uhr
Tickets To My Downfall mag ich immer noch ganz gern. Und nicht als Guilty Pleasure. Irgendwie hatte das was. Das Aktuelle und das davor habe ich auch gehört, da blieb bei mir nicht viel hängen.
Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum Du diesen Post melden möchtest.

Bestellen bei Amazon

Anhören bei Spotify