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Pony Club - Family business

Pony Club- Family business

Setanta / Rough Trade
VÖ: 22.03.2004

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Heimarbeit

Aus einer beliebigen Musikerbiographie: nach London gezogen, in sieben Jahren zwei Major-Deals vergeigt, die Freunde interessieren sich nur noch für Drogen, dafür findet sich ein neuer Feind, das Finanzamt. Was macht man da am besten? Vielleicht doch was Solides? Den musikalischen Kompaß anders eichen? In jeglicher Hinsicht zum Sozialfall werden? Am besten was verändern, das ist klar. Aus der Biographie von Mark Cullen, der auch gerne unter dem Namen Pony Club firmiert: Er änderte was. Zog wieder zurück in seine irische Heimat. In einen Vorort von Dublin. In sein Elternhaus. In sein Jugendzimmer, das er sich jahrelang mit seinen Brüdern geteilt hatte. Schon übel genug, aber es kommt noch besser: In diesem einen Zimmer bei Mum und Dad wohnte er nämlich nicht alleine, sondern außer ihm noch ein homerecordingfähiger Computer, etliche Instrumente und seine frisch angetraute Ehefrau, sowie deren Streß mit der Frau Schwiegermutter. Er nahm tagsüber auf, sie beschwerte sich abends bei ihm über seine Mutter und umgekehrt. Stutenbissigkeit im Pony Club muß nicht immer schlecht, sondern kann auch inspirierend sein. Nach einem halben Jahr war "Family business" fertig.

Gleich zu Anfang des ersten Songs wird deutlich, daß Ironie hier von essentieller Relevanz ist: "There's just smiling couples and happy homes." Cullen klingt wie Conor Oberst, der seine Wochenration Optimismus und Fröhlichkeit in ein knapp vierminütiges Liedchen gepackt hat. Immer ein bißchen niedergeschlagen, aber auch immer ein bißchen locker-lächelnd. Und das geht auch gar nicht anders bei diesen Melodien, die ohne Umwege direkt ins Ohr finden und ebenso naheliegend sind wie die Chance, sich auf engem Raum mit der Zeit gehörig zu nerven. Aber das hat ja auch wieder sein Gutes, denn so wurde beschlossen, nach der Hälfte der Aufnahmen ein paar Konzerte zu spielen. Eines davon in einer Dubliner Kleinstlocation namens "Sugar Club". Und an dieser Stelle wurde eine nicht sonderlich ruhmreiche Karriere (auch wenn das 2002er Debüt "Home truths" vereinzelt gelobt wurde) zum wahren Märchen: Morrissey war ausgerechnet an besagtem Abend auch da. Und lud Pony Club als Support für seine US- und Europa-Tour ein. Krönender Abschluß: die eintägige Rückkehr des Musikers ins verhaßte London – auf die Bühne der Royal Albert Hall.

Wieder zurück in Dublin wurde das zweite Pony Club-Album fertiggestellt. Zwölf vorstädtische Kleinode, die sich stets um den häuslichen Konflikt oder die Flucht aus eben jenem ranken. Im Easy-Listening-Gewand erzählt Cullen, daß es in Spanien sogar nachts sonnig ist. Und in Dublin zuweilen wohl tagsüber dunkel, wenn es mal wieder Streit mit der Liebsten gibt, weil das gemeinsame Glück nicht so ganz funktionieren will: Kleinlaut wird in "Forecourt flowers" zunächst eingestanden "It's my fault", um dann bittersüß nachzusetzen: "And yours, too." Trotz aller Querelen gelingt mit "Miles of homes" äußerst netter, gediegener Westcoast-Pop, wie ihn die Thrills eventuell in zehn Jahren machen werden. Ob sich dann noch jemand an Pony Clubs "Family business" erinnern wird? Gute Frage. Aber ein empfehlenswerter Soundtrack für die Gegenwart ist es allemal

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • Dorset Street
  • Miles of homes
  • Forecourt flowers

Tracklist

  1. Dorset Street
  2. Knees
  3. Miles of homes
  4. Forecourt flowers
  5. Spain is sunny
  6. Thinking of you
  7. One of a million
  8. Run
  9. Bed to work
  10. Deserve
  11. Buried in the suburbs
  12. Shocks

Gesamtspielzeit: 48:05 min.

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