Iris - Disconnect

Iris- Disconnect

SPV
VÖ: 07.02.2000

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Synthpop aus der Diaspora

Mit "Annie, would I lie to you?" legten Forgiving Iris 1995 eine Single hin, die sich bald zum Clubhit mauserte und gespannt auf das erste Album dieser Band aus Austin/Texas warten ließ. Widrige Umstände legten das Projekt jedoch für drei Jahre auf Eis. Durch ihre Homepage hielten sich die beiden Amerikaner in dieser Zeit im Bewußtsein und stellten ihre Demos zum Download bereit. Diese Demos genossen hohes Ansehen in den eingeweihten Kreisen und sorgten schließlich für einen Vertrag mit A Different Drum. Flugs wurde der Name in Iris verkürzt und mit neuem Schwung am neuen und alten Material gearbeitet. Ungefähr ein halbes Jahr nach dem US-Release und einiger Vorabsingles ist nun das Debütalbum endlich auch in Deutschland erhältlich.

Das "Disconnect" betitelte Werk stellt eine Zusammenstellung von Songs dar, die zwischen 1994 und 1999 aufgenommen wurden, aber dennoch über eine gewisse Zeitlosigkeit verfügen. Im Vordergrund stehen einschmeichelnde Melodien und ausgefeilte Arrangements, die von einer sich niemals an schnellebigen Trends orientierenden Produktion unterfüttert werden. Alle Songs erweisen sich als sehr tanzbar, aber niemals als platt. Textlich spiegelt sich eine melancholische Ungewißheit wieder, die sich in Zeilen wie "Lately when I go outside / The skies cry that the worst is over" ("Endless") oder "Somebody filled my hands with enough illusion" ("Annie, would I lie to you?") niederschlägt. Stets haben die Melodien, so sehr sie auch zum Mitsingen verleiten, diesen gewissen bittersüßen Geschmack, der sich vom in den Charts vorherrschenden Bubblegum deutlich abgrenzt.

Daß manche Songs des Albums schon fast sechs Jahre auf dem Buckel haben, hört man ihnen in ihrer Verspieltheit kaum an. Während andere versuchten, sich an den modernsten verfügbaren Beats entlang in die Charts zu hangeln, feilten Iris lieber an ihren Songs und Arrangements. Gerade dies macht diese Platte schon fast zeitlos. Der Track "The picture" jedoch atmet deutlich spürbar die Luft der Achtziger. Kein Wunder, handelt es sich doch um eine englische Coverversion des Songs "Wenn der Mond die Sonne berührt" von Hubert Kah. Hier gelingt Iris die Umarmung zweier Jahrzehnte, ohne daß sie dabei angestrengt klängen.

Spielerisch verweben Iris scheinbar aggressive Gitarrenklänge mit weichen Synthesizern und schaffen es, das Wort Pop so zu betonen, wie kaum eine andere Synthband in den letzten Jahren. Dies mag an der abgeschotteten Lage in der Synthpop-Diaspora der USA liegen. Während sich die europäischen Protagonisten vermehrt der dunklen Seite der Sonne zuwenden, wissen Iris immer noch um die Stärke der Melodieverliebtheit. Andere mögen der Zeit hinterher rennen, Iris jedoch zeigen nicht nur mit der Single "Saving time", daß sie sich ihre Zeit für die Gegenwart aufgespart haben.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Lose in wanting
  • Saving time
  • Twilight

Tracklist

  1. Lose in wanting
  2. Saving time
  3. Endless
  4. Twilight
  5. The way I live my life
  6. Annie,would I lie to you?
  7. Danger is the shame
  8. Waves crash in
  9. Loom
  10. The picture

Gesamtspielzeit: 49:50 min.

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