Twice - This is for
Interscope / Universal
VÖ: 11.07.2025
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 5/10
Zuckerschock
Während das Schreiberlein an dieser Stelle in die Tasten haut, steckt die Pop-Welt des Jahres 2025 in der Sinnkrise. Zwischen Eras-Tour-Allgegenwärtigkeit, "Brat"-Summer und "Espresso"-Shots waren die heißen Monate der Post-Corona-Jahre zuletzt bestens befeuert. Und nun? Gähnende Leere am Überhit-Himmel, nichts will so richtig reinknallen. Vielleicht hilft da ja ein Blick über den üblichen Tellerrand hinaus, wenn man sich nur traut: Denn vom allgemeinen Hype-Zyklus vergleichsweise unbeachtet hat die koreanische Girlgroup Twice mit ihrem inzwischen vierten Studioalbum "This is for" ein luftig-leichtes Sammelsurium von insgesamt 14 Songs vorgelegt, das ganz und gar prächtig als Beilage zum Dolce Vita der warmen Jahreszeit passt. Am schönsten saust man eben mit einer leichten, angenehmen Brise durch den Sonnenuntergang.
Nun ist es nicht so, dass Twice als unbekannter Geheimtipp durchgehen oder das Rad neu erfinden. Ganz im Gegenteil: Die neunköpfige Gruppe füllt weltweit Stadien, steht hinsichtlich internationalem Erfolg den Speerspitzen Blackpink und BTS in kaum etwas nach und liefert K-Pop in Reinkultur: catchy ohne Ende, inhaltlich genauso luftig wie ein fluffiges Vanilleeis, perfekt aalglatt durchproduziert. Das kann man natürlich gut und gerne ganz beschissen finden – wenn man einen Blick wagt, bekommt man mit "This is for" aber ein herrlich rundes, unaufgeregtes und ansteckendes Pop-Album geboten. Da wäre zum einen die namensgebende Empowerment-Hymne "This is for", die ihr knackiges Arrangement mit plakativen Shoutouts wie "This is for all my ladies / Who don't get hyped enough / If you've been done wrong / This is your song / So turn it up" und gänzlich schmerzbefreiten, dadurch aber auch charmanten "Beep beep beep"-Zwischenrufen versieht. Und dann eben doch im Kopf hängen bleibt. Das mediterrane "Peach gelato" schickt sich mit sausenden Akustikgitarren und Balearen-Kitsch-Overkill derweil zur klebrig-süßen, niveaubefreiten Untermalung der maritimen Strand-Session an. Eigentlich dürfte das kaum funktionieren – tut es hier aber, weil dem Ganzen eine angenehme Ruhe innewohnt.
Überhaupt zeigt "This is for", dass Twice in der K-Pop-Welt schon Veteraninnenstatus haben und sich dementsprechend gelassen geben. Das tolle "Mars" beispielsweise ist eine voranpreschende, aber trotzdem unaufgeregte Synthpop-Hymne, deren exzellente Produktion und starke Performances insbesondere von Lead-Sängerin Nayeon ein frühes Highlight auf der Tracklist markieren. Auch "Right hand girl" glänzt durch eine vielschichtige Produktion und durchaus cleveres Songwriting, das auch mal ohne die ganz große Geste oder den heftigen Drop auskommt. Überraschenderweise geht "This is for" die Puste auch auf der zweiten Albumhälfte nicht so deutlich aus, wie man das hätte befürchten können – insbesondere "Let love go" setzt hier mit seinem Nineties-Akustikpop-Ansatz noch eine Spitze und gibt sich als entspannte Roadtrip-Nummer. Und klar: Dazwischen finden sich selbstredend auch ein paar Momente, die dann doch etwas übers Ziel hinausschießen – etwa das leicht banale "Hi hello" oder die beiden etwas zu pumpigen "Dat aa dat ooh" und "Battitude". Aber seis drum: Die Sonne scheint, die Hits ballern. Und ganz ungeniert schleichen sich auf "This is for" ein paar Pop-Highlights mit ein. All inclusive, sozusagen.
Highlights
- This is for
- Mars
- Right hand girl
- Let love go
Tracklist
- Four
- This is for
- Options
- Mars
- Right hand girl
- Peach gelato
- Hi hello
- Battitude
- Dat ahh dat ooh
- Let love go
- G.O.A.T.
- Talk
- Seesaw
- Heartbreak avenue
Gesamtspielzeit: 36:14 min.
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