Superchunk - Songs in the key of yikes
Merge / Cargo
VÖ: 22.08.2025
Unsere Bewertung: 8/10
Eure Ø-Bewertung: 6/10
Leuchtende Batzen (in düsteren Zeiten)
Die Bedeutung von Superchunk im Leben zahlloser Indieschluffis kann kaum überbewertet werden. Denn der Reiz der Band beschränkt sich nicht nur auf die Musik. Bassistin Laura Ballance war ein früher Leuchtturm im dunklen Zeitalter eines männerdominierten Musikbusiness und Merge Records ist seit den Anfangstagen ein Label, das Integrität lebt, ohne sich diese plakativ ans Revers zu heften. Aber man gewöhnt sich eben an Vieles und so wie ein Küchenabfluss vielleicht erstmal verstopfen muss, um wertgeschätzt zu werden, mussten Superchunk von 2001 bis 2009 live weitestgehend verstummen, damit deutlich wurde, was man an ihnen hat.
Majesty shredding" war eine triumphale Rückkehr, und seitdem sind Superchunk hin und wieder sogar besser, oft ein bisschen anders, aber nie schlechter geworden. "Songs in the key of yikes", das 13. Album, markiert insofern eine Zäsur, als dass Bob-Mould-Sidekick und Scherzkeks Jon Wurster den Schlagzeughocker geräumt hat. Da musste man erstmal schlucken, klar. Aber Neuzugang Laura King ist mehr als Ersatz, ihr etwas geradlinigerer Stil passt hervorragend zu den neuen Songs und macht "Songs in the key of yikes" zu einem Highlight der Banddiskografie. Es sind leuchtende Batzen in düsteren Zeiten, und konziser denn je, was das duale Gitarrengegniedel, Melodieführung und Arrangements anbelangt. Mac McCaughans Disney-Stimme klingt so quirlig wie immer, aber thematisch werden die Katakomben des Vergnügungsparks ausgelotet, wovon die Songtitel beredt zeugen: "No hope", "Care less", "Everybody dies", "Stuck in a dream". Heieiei. Aber wer sich in die Ecke gedrängt fühlt, hat sogar zwei Wände zum Anlehnen. In Ermangelung pauschaler Lösungsansätze wird individuelle Resilienz propagiert. Vergänglichkeit lässt sich eben nicht wegdiskutieren. Und dass die Welt schon mal in einem besseren Zustand war, werden gerade Indieschluffis nicht in Abrede stellen wollen.
Während die jungen Slacker von anno dunnemals mit Alben wie "Indoor living", "Come pick me up" und "Here's to shutting up" ihren Sound behutsam expandierten, um – das wird man ja retrospektiv noch sagen dürfen – erwachsener zu wirken, scheinen die Superchunk der letzten Handvoll Jahre das Gegenteil anzustreben. Weil zwischen juvenil und infantil ab einer bestimmten Alterskohorte kaum noch ein Blatt passt, hätte das jederzeit schiefgehen können. Ist es aber nie. Props.
Ein Batzen, den es neben dem Refrain von "Train on fire" – der so hymnisch ist, dass er tatsächlich nur einmal serviert wird – hervorzuheben gilt, ist "Cue", das in seiner zurückgenommenen Diffusität an Seam erinnert, auf deren Erstlingswerk McCaughan damals die Stöcke schwang. "You wake me up / Usher in the light like a friend", wird da geraunt und man ahnt Trost. Was bleibt uns auch anderes übrig, als sich in düsteren Zeiten um vereinzeltes Leuchten zu scharren wie Motten. Superchunk verströmen mit "Songs in the key of yikes" Licht und Wärme, verpackt in überschwängliche Melodien und lyrische Zwischenzeiligkeiten. Das ist, für sich genommen und solange der Abfluss noch gluckert, schon Einiges. In Zeiten schwindenden Lichts allerdings …
Highlights
- Cue
- Everybody dies
- Train on fire
Tracklist
- Is it making you feel something
- Bruised lung
- No hope
- Care less
- Climb the walls
- Cue
- Everybody dies
- Stuck in a dream
- Train on fire
- Some green
Gesamtspielzeit: 38:28 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
| User | Beitrag |
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fakeboy Postings: 6683 Registriert seit 21.08.2019 |
2025-12-20 12:26:31 Uhr
Das Album hat sich ziemlich genau so entwickelt wie erwartet: nicht ganz der Knaller wie What A Time To Be Alive, weniger gewachsen wie Wild Loneliness. Aber einfach ein sicherer Wert, quasi ne 8/10 in Superchunk-Songs gegossen. Hoffe sehr, dass es die Band nächstes Jahr wieder mal nach Europa schafft! |
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MickHead Postings: 11331 Registriert seit 21.01.2024 |
2025-08-22 18:46:13 Uhr
Jetzt komplett bei Bandcamp:https://superchunk.bandcamp.com/album/songs-in-the-key-of-yikes |
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fakeboy Postings: 6683 Registriert seit 21.08.2019 |
2025-08-22 08:10:33 Uhr
Erster Eindruck deckt sich mit meiner Erwartung. Dadurch - und vielleicht auch weil bereits 5 der 10 Songs bekannt waren - bin ich ausnahmsweise mal etwas underwhelmed von einem neuen Superchunk-Album. Bin gespannt wie sich mein Urteil entwickeln wird. |
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fakeboy Postings: 6683 Registriert seit 21.08.2019 |
2025-08-16 12:42:01 Uhr
Liest sich gut! Nachdem Superchunk hier - für meinen Superfan-Geschmack - immer 1-2 Punkte zu wenig erhalten haben, ist die 8 erfreulich und nährt meine Vorfreude. Aufgrund der vorab veröffentlichten Songs rechne ich mit einem Album, das mich nicht ganz so weghaut wie What A Time To Be Alive und auch nicht so überrascht wie Wild Loneliness, sondern eher wie eine der vielen Singles-Compilations daherkommt, die Superchunk im Verlauf ihrer Karriere veröffentlicht haben. Es klingt weniger nach einem Konzept oder einem geschlossenen Albumm, sondern einfach nach einer Sammlung von neuen Superchunk-Songs - und darauf hab ich immer sehr viel Bock. Freu mich sehr auf kommenden Freitag. |
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 30541 Registriert seit 08.01.2012 |
2025-08-14 21:13:39 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert. Meinungen? |
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Referenzen
Teenage Fanclub; The Mayflies USA; Maritime; Bob Mould; The Lemonheads; Archers Of Loaf; Built To Spill; Buffalo Tom; Sebadoh; Yo La Tengo; Pavement; Guided By Voices; Chris Walla; Death Cab For Cutie; Preston School Of Industry; Seam; Midway Still; The Decemberists; The Shins; The Rentals; Dinosaur Jr.; Doughboys; The Promise Ring; Silkworm; The Mountain Goats; Stephen Malkmus & The Jicks
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