Pool Kids - Easier said than done
Epitaph / Indigo
VÖ: 15.08.2025
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 6/10
Hayley gefällt das
Eigentlich kann nicht mehr so viel schiefgehen, wenn Hayley Williams höchstpersönlich einen auf der Party an der Hand nimmt, Leuten vorstellt und dabei so etwas sagt wie: "Merkt euch die, die haben's drauf." Gut, im Fall von Pool Kids war die Party eine Instagram-Story und die Leute, denen Williams die Band vorgestellt hat, ihre Follower*innen. Nichtsdestotrotz darf man nicht unterschätzen, welchen Einfluss dieser digitale Ritterschlag für die US-amerikanische Math-Rock-Band hatte. Mit ihrem dritten Album "Easier said than done" gehen darum mittlerweile auch ein paar Erwartungen einher. Und denen wird das Quartett gerecht.
Denn für die neue Platte steckt die Band ihre Schnauze wieder in mehrere Töpfe, um das Süßeste auszuschlecken. Da sind elegante Rhythmuswechsel, aber auch emotionale Gesangsausbrüche, die auf zarte Harmonien folgen und eine Gitarre, die nie müde wird. Diese mühelose Verquickung verschiedener Genres führt dazu, dass "Easier said than done" bei verschiedenen Menschen aus sehr unterschiedlichen Gründen die richtigen Knöpfe drücken dürfte. Nehmen wir den noch relativ zahmen Opener und Titelsong: Sängerin Christine Goodwyne eröffnet a cappella, nur mit Stimmeffekten unterlegt. "I know you're bad for me / But sometimes you're the only one I want / I'm sure I'll learn eventually / But lately I just take it as it comes." Das ist inhaltlich nicht ganz weit weg vom Herzschmerz einer Olivia Rodrigo, nur ohne deren kalkulierte Grandeur. Und hinten heraus wird sogar eher ein 90er-Rock-Song draus. Man tut sich schwer mit dem Einordnen. Darauf folgt das großartige "Tinted windows", das Gitarrenmelodien miteinander konkurrieren und doch harmonieren lässt und andeutet, dass Goodwyne auch ausbrechen könnte, nur um dann auf einem absoluten stimmlichen Wohlklang zu enden. "Leona Street", das sich von einer alten Freundschaft verabschiedet, läuft die Erinnerungsroute dann komplett runter und könnte als gradliniger 90s-Retro so auch in einer RomCom mit Freddie Prinze Jr. laufen.
Langweilig wird es auf "Easier said than done" nie, dafür sind die Drums zu aktiv und konzentriert, Goodwynes Stimme zu angenehm und die Texte zu greifbar. "Sorry not sorry" greift ein bekanntes Thema auf: "You never call me when you're sober / You only call me when it's half past midnight." Und klingt dabei überraschend sortiert. Das anschließende "Not too late" platzt dann plötzlich mit neu gewonnener Energie und Hoffnung in den Raum und überschlägt sich in den Strophen fast, so schnell purzeln die Worte aus dem Mund. Kein Wunder, dass sich "Dani" etwas später einerseits sehr erschöpft dahinschleppt, andererseits aber mit schnellen Hi-Hats versucht, dagegen anzukämpfen. Pool Kids haben ein gutes Gespür für Dramaturgie und Spannungskurven. Und im Mittelteil verdienen sie sich in einem aufregenden Instrumentalpart auch die Math-Rock-Sporen, wenn sich das Stück wieder aufbäumt. Kurz denkt man, dass es das nun war, nur damit "Perfect view" mit seiner strikt durchgezogenen Gitarrenmelodie als sture Ballade mit verlässlicher Gesangsmelodie vielleicht nicht vom Hocker reißt, aber musikalisch Boygenius ganz nah kommt. Eine schöne Rampe, die zum finalen "Exit plan" führt, welches das Gras auf der anderen Seite grüner sieht, dafür mit hagelnden Drums und Emo-Pop noch mal alles gibt und fast Medley-artig an die diversen Qualitäten von Pool Kids erinnert. Dass Hayley Williams das gefällt, ergibt absolut Sinn.
Highlights
- Tinted windows
- Bad bruise
- Exit plan
Tracklist
- Easier said than done
- Tinted windows
- Bad bruise
- Leona Street
- Last word
- Sorry not sorry
- Not too late
- Which is worse
- Dani
- Perfect view
- Exit plan
Gesamtspielzeit: 37:50 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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MickHead Postings: 10865 Registriert seit 21.01.2024 |
2025-09-02 10:56:35 Uhr
Jetzt komplett bei Bandcamp:https://poolkidsband.bandcamp.com/album/easier-said-than-done Metascore: 79 Visions 8/12 |
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zeckezichter Postings: 802 Registriert seit 07.11.2021 |
2025-08-17 13:09:49 Uhr
Habe es jetzt einmal ganz am Stück gehört. Ihr letztes Album fand ich ziemlich gut und es hatte mich eine ganze Zeit lang begleitet. Hier fällt beim ersten Hören auf, dass alles nochmal ein wenig glatter und zugänglicher wirkt als bisher. Weniger Math und Ausbrüche, mehr Pop, was aber eigentlich ganz gut funktioniert. Ich werde dran bleiben. |
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 30449 Registriert seit 08.01.2012 |
2025-08-14 21:13:09 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert. Meinungen? |
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Referenzen
Equipment; Carly Cosgrove; Anxious; Foxing; Tiny Moving Parts; Sweet Pill; Ben Quad; Origami Angel; Oso Oso; Hot Mulligan; Future Teens; Spanish Love Songs; Gulfer; Joyce Manor; Stay Inside; Wakelee; Kerosene Hights; Carpool; Charmer; Saturdays At Your Place; Heart To Gold; Worlds Greatest Dad; Retirement Party; The World Is A Beautiful Place & I Am No Longer Afraid To Die; Chastity; Paramore; Hayley Williams; Thank You, I’m Sorry; Gulfer; Boygenius; Julien Baker; Phoebe Bridgers; Weakened Friends; Tiny Voices
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- Pool Kids - Easier said than done (3 Beiträge / Letzter am 02.09.2025 - 10:56 Uhr)



