Lizzo - My face hurts from smiling
Nice Life / Atlantic / Warner
VÖ: 27.06.2025
Unsere Bewertung: 3/10
Eure Ø-Bewertung: 2/10
Gekommen, um zu streiten
Wenn man die Magie eines Jahrgangstreffens auf den Punkt bringen möchte, dann ist es doch eigentlich der Moment, in dem man feststellt, dass der verblödete Klassenkamerad mit dem rostigen Mofa, der früher als Freizeitgestaltung gerne Mülltonnen angezündet hat, genauso ein biederer Familienvater geworden ist und auch irgendwas studiert hat. Die Zeit als großer Gleichmacher. Im Falle von Lizzos mittlerweile drittem Mixtape – nach mehrjähriger Pause – ist das eigentlich genauso, bloß andersherum. Nach einem Karrierestart irgendwo zwischen "Next big thing" und angehender Ikone der Body Positivity macht Mrs. Jefferson eher mit laufenden Verfahren gegen ihre Person und/oder Produktionsfirma von sich reden. Da diese größtenteils noch laufen oder in etwaiger Berufung sind, sollen diese allerdings hier keinen weiteren Raum einnehmen. Schließlich spart Lizzo dieses Thema auf ihrem Mixtape, abseits des Introstücks, auch überwiegend aus. No regrets.
Lizzo hat zum Klassentreffen dennoch etwas mitgebracht – und es ist leider nicht Bass, Bass, Bass, sondern eher einige Southern Rap Beats auf erweiterter Konservendosenbasis. Und das hat leider auch nichts mit dem "Raw and gritty"-Charme eines Tapes zu tun. Man reibt sich schlicht verwundert die Ohren, ob das hier tatsächlich dieselbe Interpretin von Alben wie "Special" oder "Big GRRRL Small World" sein soll. So textlich uninspiriert und musikalisch beinahe schon kapitulierende Töne waren bisher nicht aus Detroit zu vernehmen. Als wäre das einzige Ziel hier die möglichst billige Provokation, verbunden mit der Hoffnung, aus der fiesen Reaktion darauf eine Art Martyrium zu machen.
Man würde so gerne einzelne Tracks besprechen und genretypisch über die Performance der Features von beispielsweise Doja Cat philosophieren, aber das grundsätzliche Problem dieses Tapes ist damit nicht zu lösen: Man kriegt so unfassbar häufig von "Big Lizz" erzählt, wie unglaublich geil sie doch sei, dass man dabei vergessen soll, dass die Frage nach dem Warum nie beantwortet wird. Gerade im Kontrast zu der vielleicht etwas monothematischen, aber dafür wenigstens nah- und fühlbaren Künstlerin früherer Alben, ist die hier aufgestellte Fassade so durchsichtig und instabil wie ein Moskitonetz.
Wohlwollend könnte man diese offensive Selbstverherrlichung als ein gewolltes Statement sehen: "So wie Du bist, bist Du genug" oder so ähnlich. Warum man daraus dann aber 13 Mal den quasi identischen Song machen muss, anstatt es bei einem Instagram-Posting zu belassen, bleibt ein offenes Mysterium. Und auch wenn die große Pose natürlich fest zum Hip-Hop gehört - mit Zeilen wie "At least I'm through / Fucking with you / But now I'm cool / And I can go and make some new mistakes" ist man wahrscheinlich nicht einmal im eigenen Häuserblock die beste Rapperin. Gemessen am bekannten Potenzial kommt das schmerzende Lächeln also wohl eher von der Kreissäge, in die es läuft.
"My face hurts from smiling" ist somit ein guter Anlass, wieder Lizzos frühere Werke nochmal aus dem Regal zu ziehen und sich an der Mischung aus souveräner Attitude, klarem Songwriting und tatsächlich sehr feinem Humor zu erfreuen, die selbige prägen. Und hoffen, dass sich diese Qualitäten in ihrem nächsten "tatsächlichen" Albenrelease wiederfinden. Wärmen wir uns also, wie es einem Klassentreffen gebührt, am Lagerfeuer unserer Nostalgie auf und gucken hoffentlich irgendwann gnädig auf "diese Phase" zurück. Zunder dafür haben wir ja nun.
Highlights
- Just 4 fun
Tracklist
- Crashout
- Yitty on yo tittys (Freestyle)
- Just 4 fun
- Gotcho bitch
- Still can't fuh (feat. Doha Cat)
- New mistakes
- Bend it ova
- Left right
- Droppin on it
- Summa shit
- IRL (feat. SZA)
- Cut em off
- Ditto
Gesamtspielzeit: 34:31 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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Kontermutter Plattentests.de-Mitarbeiter (Gerrit Phil Abel) Postings: 789 Registriert seit 04.03.2023 |
2025-09-05 13:46:52 Uhr
Ja, was zur Hölle.Einfach heute, knapp zwei Monate später, ein anderes komplettes Mixtape als Shadowdrop und das ist gleich auf Anhieb drei Stufen besser. Was ist das denn für eine Release Policy? Always so extra... |
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Kontermutter Plattentests.de-Mitarbeiter (Gerrit Phil Abel) Postings: 789 Registriert seit 04.03.2023 |
2025-08-18 17:32:40 Uhr
Es hätte mich warnen sollen, ja. Aber man muss Spaß ja auch etwas dosieren können. |
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edegeiler Postings: 3274 Registriert seit 02.04.2014 |
2025-08-18 16:19:08 Uhr
Junge das Cover ist ja mal todesgruselig. |
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 30698 Registriert seit 08.01.2012 |
2025-08-14 21:12:50 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert. Meinungen? |
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Referenzen
Megan Thee Stallion; SZA; Doja Cat; Nicki Minaj; Kesha; Cardi B; Missy Elliott; Kelis; Ciara; 6lack; Kehlani; Sweetie; Mary J. Blige; Brandy; Normani; Azealia Banks; Solange; Beyoncé; Sevdaliza; Juicy J; Gunnar; Kash Doll; Lil' Kim; Ms. Dynamite; Ashnikko; ; Rihanna; Chloe x Halle; Jessie Reyez; Janelle Monáe; Tinashe; Iggy Azalea; Fergie; Saweetie; Lauryn Hill; Ariana Grande
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