Feuerschwanz - Knightclub
Napalm / SPV
VÖ: 22.08.2025
Unsere Bewertung: 3/10
Eure Ø-Bewertung: 4/10
Du willst hier nicht rein
Die erste Regel lautet: Man spricht nicht über den "Knightclub". Die zweite Regel lautet: Man spricht nicht über den "Knightclub"! Zumindest gilt das für all diejenigen, die mit hedonistischem Pogo-Mittelalter-Pop-Metal nicht ganz so viel anfangen können. Für alle Interessierten ohne V.I.P.-Pass oder Gästeliste werden wir nun doch ein paar Worte verlieren. Real talk: Im 2025er ESC-Vorentscheid haben die Franken von Feuerschwanz mit dem Titeltrack ja auch ein bisschen für die gerade im spaßbefreiten Deutschland dringend notwendige Trash-Komponente gesorgt. Den kleinen Eklat um ein unerwartetes Abstimmungsprinzip, um stattdessen doch Abor & Tynna den Weg nach Basel zu ebnen, hat das hocherfolgreiche Kollektiv sowieso schnell verdaut. Jetzt liefert es mit stolz geschwellter Kriegerbrust den sehnsüchtig erwarteten Longplayer zur Single nach.
Exkurs: Feuerschwanz sind fest in der Mittelalterszene verankert, man denke an Kumpanen wie Schandmaul oder Saltatio Mortis. Viele dieser Bands eint, dass an mehr oder minder authentischen Instrumenten wie Harfe und Laute, Dudelsack, Schalmei oder Fidel oft ausgewiesene Könner*innen am Werk sind. Verwässert wird diese unleugbare Musikalität leider genauso oft durch generische Brachial-Riffs, damit die Musik einem zahlungskräftigen Rocker*innenpublikum, das sonst auch NDH geil findet, hart genug ist. Feuerschwanz haben den gleichen Modus Operandi, wollen ihren Folk-Power-Metal aber zusätzlich noch partytauglicher gestalten: Den ohnehin geschmacklich fragwürdigen K-Pop-Gassenhauer "Gangnam style" pumpen sie also durch schwere Gitarren auf und bleiben ansonsten eins zu eins beim Original. Das hat weder Mehrwert noch Sinn, noch dazu bekommt das Stück irgendwie unangenehme Scooter-Vibes. Die der eigenen Feder entsprungene Saufhymne "Drunken dragon" ist da sympathischer, natürlich klischeebeladen wie Met aus dem Trinkhorn oder lederne Armbänder, geht aber wenigstens ab wie die eiserne Luzie.
Bei "Name der Rose" ist es für ungeübte Ohren schwer zu sagen, ob jetzt Feuerschwanz oder In Extremo aus den Boxen berserkern. Eine gewisse Ohrwurmtauglichkeit lässt sich dem Song zwar kaum absprechen, in anderer musikalischer Rüstung wäre es halt hundertprozentiger Schlager. Damit man ihre Kompositionen wenigstens inhaltlich auseinanderhalten kann, borgen Feuerschwanz sich zahlreiche Referenzen quer aus Popkultur und Literaturkanon zusammen: Ob es nun der olle Götz von Berlichingen in "Eisenfaust" ist, "Tanz der Teufel" zumindest den Titel von Sam Raimis Horrorklassiker klaut oder sich die Mitte des Albums, inklusive professionell vorgetragenem Spoken-Word-Kapitel, gänzlich Tolkiens treudoof-heldenhaftem Hobbit-Freund Sam Wise widmet – die Inspirationen sind wohlbekannt. "Valhalla" gibt sich mit seinem übergeordneten Wikingerthema weniger spezifisch und auch epischer, Heavy-Metal-Königin Doro Pesch veredelt durch ihr Feature sogar den Quatschtext über Zusammenhalt und Ehre ein wenig. Recht nett. Den meisten Kompositionen auf "Knightclub" fehlt aber irgendein prägendes Motiv oder eine denkwürdige musikalische Stelle. So bleiben schlichtweg cheesy Stadion-Refrains mit Fantasy-Lyrics auf fachmännisch-bombastischem Gebolze übrig. Tut absolut niemandem weh. Ist außerhalb der eingeschworenen Szenegemeinschaft aber wohl auch ziemlich egal.
Highlights
- Valhalla (feat. Doro)
Tracklist
- Knightclub (feat. Dag von SDP)
- Valhalla (feat. Doro)
- Gangnam style
- Name der Rose
- Testament
- The tale of Sam
- Sam the brave
- Drunken dragon
- Eisenfaust
- Avalon
- Tanz der Teufel
- Lords of fyre (feat. Lord Of The Lost)
Gesamtspielzeit: 40:03 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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Christopher Plattentests.de-Mitarbeiter Postings: 4369 Registriert seit 12.12.2013 |
2025-08-19 17:34:53 Uhr
Der Einstieg der Rezi ist grandios. |
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Immermusik Postings: 1816 Registriert seit 04.11.2021 |
2025-08-19 17:25:13 Uhr
Mindestens eine 8, aber auf der Schmerzskala. Unerträglicher Schmerz. |
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VelvetCell Postings: 9925 Registriert seit 14.06.2013 |
2025-08-18 16:14:57 Uhr
Ui – habe gerade mal das Video zu Knightclub angemacht. Das tut weh. Sehr sogar. Schlimme, schlimme "Musik". |
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Der Wanderjunge Fridolin Postings: 4920 Registriert seit 15.06.2013 |
2025-08-18 15:17:12 Uhr
"Tut absolut niemandem weh."Sicher? |
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Honigmelonenmond Postings: 32 Registriert seit 27.11.2024 |
2025-08-18 15:01:21 Uhr
@AliBlaBla: Danke für die Info :-) Dann werde ich mir ein "Reinhören" ersparen ;-) |
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Referenzen
Alestorm; In Extremo; Lord Of The Lost; Electric Callboy; Unheilig; Callejon; Saltatio Mortis; Eisbrecher; Subway To Sally; Fiddler's Green; Letzte Instanz; Corvus Corax; Tanzwut; Oomph!; Schandmaul; Versengold; DArtagnan; Vogelfrey; Ignis Fatuu; Megaherz; Blind Guardian; Käärijä; Baby Lasagna; Korpiklaani; Santiano; Haudegen; Joachim Witt; Within Temptation; Eluveitie; Knorkator; J.B.O.; Rammstein; Manowar; Powerwolf; Rage; Volbeat; Nu Pagadi
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