Listen




Banner, 120 x 600, mit Claim


Her Tree - Shape shift

Her Tree- Shape shift

Her Tree / RecordJet
VÖ: 11.07.2025

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Im Wald, da sind die Träume

Schon während der Interviews zu ihrem ersten Album als Her Tree erzählte die bayerische Musikerin Alex Cumfe in schönstem Dialekt vom Woid als Inspirations- und Klangquelle für ihre Musik. Aus Field Recordings der Flora und Fauna formte sie elektronische Klänge und Rhythmen und "Don't try, be beautiful" wurde das erste Sammelwerk für die so entstandenen Songs. Für das zweite Album legt Cumfe noch einen drauf: In Begleitung einer Primatologin und eines indigenen Führers stapfte sie durch den peruanischen Dschungel und sammelte dort neue Sounds und Einflüsse. Bei manchen mögen da die Artsy-Fartsy-Alarmsignale losheulen, aber die Musik von Her Tree ist alles andere als sperrig. "Shape shift" ist eines der schönsten Pop-Alben des Jahres.

Denn aus rumdrucksenden Riesenottern und knarzenden Bäumen werden in der Hand von Cumfe Loops und Synthies und die Grenzen zwischen Natur und Technik verwischen wie Ölfarben. Das beste Beispiel ist der große Pop von "Same moon", der sich erst wie ein Balztanz verführerisch hin- und herbewegt, um dann im Refrain seine Federn aufzustellen. Oder das bassig-brummende "Heyya", in dem eine Art Schnipsgeräusch den Takt angibt. "Wildlife" macht den Urwald gar mit Clubbeat zur Tanzfläche, auf der alle Spezies willkommen sind und Pfeifen und Zwitschern Magie versprühen. Alle Geräusche bis auf Variationen von Cumfes Stimme sind ursprünglich aus Tieren und Bäumen hervorgegangen und transformiert worden – die titelgebende Formveränderung. Wer braucht schon eine Band, wenn man mit der Natur zusammenspielt?

Aber es gibt auch ruhige Momente wie in "Fulltime lover", das sich auf dem akustischen Balkon im Mondlicht bzw. in der Hängematte auf dem Hochstand mit schmelzend zarter Stimme sehnt: "I just want someone who can love me back / Is it too much to ask? / I want a fulltime lover who is my friend / Someone who loves me and I can love back." Her Tree ist nicht nur musikalisch interessant, sondern beeindruckt auch mit stimmlichen Finessen wie dem mehrstimmigen Gesang in "Summerstorm" und mit textlichen Feinheiten wie im mahnenden "Jungle" aus der Perspektive der Tiere: "If they kill us they kill themselves." Das abrupte Ende kann als Statement verstanden werden.

An anderer Stelle transformiert Cumfe etwas, das nach einer Eule klingt, zum Instrument in einem zeitgenössischen R'n'B-Song namens "Will you" im Stile einer FKA Twigs oder Sevdaliza. Aufnahmen von Wasser und Eis gehen in Trip-Hop auf, der nicht weit von Namen wie Portishead oder Björk entfernt ist. Eine andere Person ist auf "Shape shift" doch noch zu hören. Für das bereits erwähnte, vibige "Wildfire" fragte Cumfe ihren peruanischen Wanderführer, ob er "Die Natur ist schön" auf Machiguenga sagen könne – einer Sprache, die nur von knapp 10.000 Menschen gesprochen wird. Her Tree zelebriert die Vielfalt und das Schöne, das es zu bewahren gilt. Heraus kommt Musik, zu der man die Augen schließen und die Welt atmen hören kann.

(Arne Lehrke)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen bei Amazon / JPC

Highlights

  • Move on
  • Same moon
  • Heyya
  • Wildfire

Tracklist

  1. Intro
  2. Move on
  3. Same moon
  4. Howl
  5. On the run
  6. River
  7. Heyya
  8. Summerstorm
  9. Secretly I fall
  10. Wildfire
  11. Fulltime lover
  12. Will you
  13. Shape shift
  14. Jungle

Gesamtspielzeit: 32:58 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread

Um Nachrichten zu posten, musst Du Dich hier einloggen.

Du bist noch nicht registriert? Das kannst Du hier schnell erledigen. Oder noch einfacher:

Du kannst auch hier eine Nachricht erfassen und erhältst dann in einem weiteren Schritt direkt die Möglichkeit, Dich zu registrieren.
Benutzername:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

manfredson

Postings: 480

Registriert seit 14.06.2013

2025-08-21 10:58:57 Uhr
Wirklich schönes Album. Sie scheint viel Cosmo Sheldrake gehört haben, den ich auch sehr schätze. Vielleicht finden die sich mal für eine Zusammenarbeit, das wäre toll.

chillblue

Postings: 15

Registriert seit 22.08.2019

2025-08-11 20:14:25 Uhr
Ich fand Alex Cumfes Projekt HER TREE ja von Anfang an äußerst spannend. Das Konzept, die in der Natur mittels Field Recordings gewonnenen Geräusche in elektronische Klänge, Beats etc. zu transformieren, fand ich sehr faszinierend.

Wie schon beim Erstling begeistert mich auch bei Album Nr. 2 "Shape Shift" die musikalische Umsetzung dieses Konzepts. Viel Dschungel-Feeling, oft ruhig/minimalistisch, aber auch immer wieder mit eingängigen flotteren Songs (wie zB Same Moon). Insgesamt ein sehr abwechslungsreiches und raffiniert komponiertes/produziertes Album! Und daher hat es sich die 8/10 Bewertung m.E. auch verdient!

Vive

Postings: 1460

Registriert seit 26.11.2019

2025-08-10 09:19:41 Uhr
finde den minimalismus cool. insgesamt ist mir die produktion wahrscheinlich etwas zu slick, bisschen mehr seeds and stems wären schön gewesen. erinnert mich auch an paper bird bzw squalloscope von der farbenfrohen herangehensweise her. stimme erinnert mich an seven little numbers - boy.

Gelöschter User (14.08.2025)

Postings: 1

Registriert seit 09.08.2025

2025-08-09 19:07:39 Uhr
So aufregend und abwechslungsreich. Wie ein sanft-wilder Dschungel-Tanz. Ich liebs, danke für die Entdeckung!

Alf

Postings: 1

Registriert seit 09.08.2025

2025-08-09 18:13:27 Uhr
Also ich kommentiere ja äußerst selten. Dafür hab ich mich extra registriert. Sehr schönes Album! Werd ich sicher öfters hören!
Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum Du diesen Post melden möchtest.

Bestellen bei Amazon

Threads im Plattentests.de-Forum

Anhören bei Spotify