Lord Of The Lost - Opvs noir Vol. 1
Napalm / SPV
VÖ: 08.08.2025
Unsere Bewertung: 2/10
Eure Ø-Bewertung: 4/10
The Horror, the horror
Es gibt Alben, die wie ein gut geführter Dolch in die Brust des Hörers oder der Hörerin gleiten – scharf, gezielt, tödlich schön. Und dann gibt es "Opvs noir Vol. 1", das eher wie ein stumpfer, mit Pathos beschmierter Holzlöffel daherkommt: groß angekündigt, schwer im Klang – und dabei so tiefgründig wie eine Instagram-Bio in lateinischer Sprache. Was sich Lord Of The Lost hier als musikalische "Rückreise ins dunkle Innere" zusammenspintisieren, ist nichts weiter als die dritte Ableitung überkandidelten Bombasts, dem jede Glaubwürdigkeit abhandengekommen ist. Das erste Drittel ihrer geplanten Albumtrilogie will Monument sein – wird aber eher zur pathetischen Ruine einer Selbstüberschätzung, die sich nur noch im eigenen Glanz suhlt. Man kann sich kaum vorstellen, dass dieselbe Band, die "Blood & glitter" für den ESC, ja nun, erzeugt hat, jetzt glaubt, die Planstelle "Messias der Dunkelromantik" anzutreten – aber genau das passiert hier. Laut, langatmig, leidenschaftlich daneben.
Der Einstieg fühlt sich an, als wolle man den Hörer mit der Wucht eines Donnerschlags beeindrucken – doch der Schlag geht mit Karacho ins Leere. Alles dröhnt, alles klingt wichtig, aber nichts bleibt hängen. Statt Atmosphäre gibt es Hochglanzbombast mit dem Charme eines schlecht gerenderten Gothic-Rollenspiels. Chris Harms, der sich hier wieder als Produzent und selbsternannter Dunkel-Messias inszeniert, verwechselt Tiefgang mit theatralischem Overacting; dagegen erscheinen selbst Dieter Bohlen und Wayne Hussey (The Mission) nachgerade nobelpreiswürdig. Jeder Track wirkt wie ein überproduzierter Trailer für einen Film, den man schon nach der Hälfte verlässt, weil selbst das Popcorn eingeschlafen ist. Die Liste der Gastmusiker liest sich wie der Wikipedia-Eintrag einer Gothic-Metal-Casting-Show: Sharon den Adel (Within Temptation) darf ihre Stimme opfern für den kitschgetränkten Duett-Unfall "Light can only shine in the darkness" – ein Songtitel, so vertrackt wie der ZDF-Fernsehgarten. Whiplasher Bernadotte (Deathstars) darf "Damage" industrialisieren, was aber letztlich nur bedeutet, dass der Song klingt wie Rammstein ohne alles. Und über "Lords of fyre" mit Feuerschwanz legen wir besser ein großes Tuch des Schweigens – ein musikalischer Schandfleck, der in einem fernen Paralleluniversum vielleicht noch auf Mittelalterfesten funktioniert, aber sicher nicht einen "dunkelbunten Ballsaal" illuminiert, wie der PR-Text vollmundig unter der Verwendung eines windschiefen Oxymorons verspricht.
Jeder Song ist eine Wand aus Klischees, jeder Refrain trieft vor Kalkül. Es geht nicht um Ausdruck, sondern bestenfalls um Eindruck. Nicht um Kunst, sondern um Kulisse. Die Produktion ist makellos (deshalb gibt es auch zwei Punkte, weil es wenigstens nicht noch nach Proberaum klingt) – aber wie ein steriler Operationssaal: klinisch, kalt, freudlos. Es gibt hier kein Risiko, keinen Bruch, keine Wunde, die blutet. Stattdessen biedert sich "Opvs noir Vol. 1" an eine Ästhetik an, die glücklicherweise längst in den schweißtropfenden Katakomben des Kommerzgoth verdämmert. Das ist kein Dark Wave Metal – das ist Mummenschanz mit Studioglanz. Schade, dass die Band nicht verstanden hat, dass musikalische Entwicklung mehr ist als das Hinzufügen weiterer Musiker und das Erhöhen der Songanzahl auf Trilogiegröße, denn es soll noch weitere Sequels geben. Was als mutige künstlerische Erkundung angekündigt wird, entpuppt sich als kalkulierter Egotrip, der alles wagt – außer echte Emotionen. Am Ende bleibt ein Album, das klingt, als hätte ein KI-Bot ein Manowar-Poster gefrühstückt, einen HIM-Sampler als Nachtisch verspeist und das Ganze auf TikTok vertont. Und das über elf geschlagene Songs hinweg. Wer hier nicht irgendwann fluchtartig das Weite sucht, hat sich entweder in den Untiefen der Darkwave-Nostalgie verirrt – oder braucht dringend eine Pause vom Bombastirrsinn dieser dementen Dunkeltruppe. Kurz: Das hier hätte nicht mal Joseph Conrad für den Soundtrack zu seinem Roman "Herz der Finsternis" zugelassen. Heiliger Bimbam!
Highlights
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Tracklist
- Bazaar bizarre
- My sanctuary
- Light can only shine in the darkness (feat. Within Temptation)
- I will die in it
- Moonstruck (feat. Stimmgewalt)
- Damage (feat. Whiplasher Bernadotte)
- Ghosts (feat. Tina Guo)
- Lords of fyre (feat. Feuerschwanz)
- The things we do for love
- The sadness in everything (feat. Anna Maria Rose)
- Dreams are never alone
Gesamtspielzeit: 37:53 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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Hierkannmanparken Postings: 3126 Registriert seit 22.10.2021 |
2025-08-07 23:46:41 Uhr
"(feat. Whiplasher Bernadotte)"Wen auch sonst :D |
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zolk Postings: 2866 Registriert seit 15.01.2024 |
2025-08-07 21:32:03 Uhr
Für mich liest sich das, als wäre da jemand gekommen, um Joachim Witt auf Augenhöhe Konkurrenz zu machen. Ich werde wohl nie raus finden, ob an der Sache was dran ist. |
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Mr Oh so Postings: 3686 Registriert seit 13.06.2013 |
2025-08-07 21:06:16 Uhr
Die Songtitel sind schonmal herrlich. |
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 30692 Registriert seit 08.01.2012 |
2025-08-07 21:03:15 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert. Meinungen? |
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Referenzen
Eisbrecher; Unheilig; Oomph!; Unzucht; Witt; Marilyn Manson; HIM; Mono Inc.; Hell Boulevard; Scarlet Dorn; Dero Goi; Deathstars; The 69 Eyes; ASP; Darkhaus; Letzte Instanz; Charon; Megaherz; Beseech; Entwine; Darkseed; Mantus; To/Die/For; Crematory; Sirenia; Eisheilig; Lacuna Coil; Lacrimas Profundere; Gothminister; Emigrate; Florian Grey; Rammstein
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