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Lord Huron - The cosmic selector vol. 1

Lord Huron- The cosmic selector vol. 1

Mercury / Republic / Universal
VÖ: 18.07.2025

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Auf den Plattenrillen des Schicksals

Ambitionierte Konzepte gehörten bereits seit den frühesten Anfangstagen zu Lord Huron. Immerhin dachte sich Band-Kopf Ben Schneider eine komplette Reihe fiktiver Western-Romane aus, welche die Backstory des 2012er-Debüts "Lonesome dreams" unterfütterten. Dass der kalifornische Vierer in den Folgejahren vor allem durch den Drei-Milliarden-Streams-Mega-Erfolg von "The night we met" enorm an Popularität gewann, sorgte in dieser Hinsicht keineswegs für ein Umdenken. Nachdem "Long lost" das bandeigene Whispering-Pines-Studio mit Geistern bevölkerte, steht im Zentrum von "The cosmic selector vol. 1" eine magische Jukebox, die mittels ihrer Songauswahl das Schicksal armer Seelen lenkt. Im Gegensatz zum Vorgänger verliert sich das Album allerdings nicht in Skizzen und viertelstündigen Ambient-Stücken, sondern konzentriert sich musikalisch auf das Wesentliche: auf sehnsuchtsvollen Americana-Pop, dessen Emotionen sich unmittelbar ohne Kenntnisse irgendwelcher Konzeptgeschichten greifen lassen.

Schon ein Blick auf die Tracklist verrät, dass es dabei zu weiten Teilen um Vergangenheitsbewältigung geht und die Frage, was eigentlich wann genau schiefgelaufen ist. Zu zwingend gezupften Saiten blickt der Opener "Looking back" einer sich plötzlich abgekehrten geliebten Person hinterher und zeigt wenig Hoffnung für die Zukunft: "Something tells me you and I will never meet again." Der Country-Schleicher "Digging up the past" wird dahingegen kryptischer, lässt sich von einer körperlosen Präsenz in einen Wald locken, in dem womöglich wie auf dem Covermotiv schon die Jukebox wartet. Die hier dominante Mundharmonika verziert auch "Bag of bones", einen energetischen Folk-Rocker mit staubigem Groove und einem lebendigen Zusammenspiel von akustischer und elektrischer Gitarre. Im Fokus steht ein Vertrauensbruch mit Folgen, die Aussichten sind wieder alles andere als rosig: "I'm stoned and broke and drunk again / No one laughs in nothing's face / I'm just floating on through my aimless days." Als würde es die Stimmung retten wollen, sprudelt "Nothing I need" im Anschluss mit munterem Banjo los, verbirgt darunter aber nur einen weiteren von vergangenen Geistern geplagten Erzähler.

Rein textlich ist "The cosmic selector vol. 1" eine trostlose Angelegenheit. Das besonders ergreifende "Is there anybody out there" zeichnet ein eindrückliches Porträt der Einsamkeit, die nicht einmal das Übernatürliche auffangen kann: "Glimpsed a ghost in the darkness / It was only my own face faintly mirrored in memory and moonlight." Doch wenn sonst nichts anderes hilft, findet sich Auflockerung immer in der Absurdität. So liefert Kristen Stewart of all people einen Spoken-Word-Vortrag für den unheimlichen Roadtrip "Who laughs last", durchzogen von statischem Rauschen, unterlegt von einem verzerrten Bass und unterbrochen von Schneiders hochexplosiven Refrains. Es ist der klar kraftvollste Song der Platte – wenn an anderer Stelle "Watch me go" oder "Used to know" etwas mehr Tempo machen, landen Lord Huron eher bei luftigem West-Coast-Pop. Den Großteil der Laufzeit über bleiben Schneider und Co. aber ohnehin im Balladesken, was die Gleichförmigkeit des Vorgänger-Albums ein Stück weit fortsetzt, wenn auch in deutlich weniger problematischer Form.

Denn Lord Huron bemühen sich mit Erfolg darum, die ruhigen Stücke inhaltlich wie musikalisch stets vielschichtig zu gestalten. Die Bar-Piano-Ballade "The comedian" fingiert einen abgehalfterten Star, der keinen Frieden mit seiner aktuellen Situation findet: "I wanna feel like I did back then / I wanna see my name in the lights again / I don't know how I ended up like this / I had the whole wide world at my fingertips." "It all comes back" fährt ein wundervolles Streicher-Arrangement auf, während das fidele "Fire eternal" mit Blonde-Redhead-Frontfrau Kazu Makino harmoniert. Alle Schicksalsfäden laufen im Grande Finale "Life is strange" zusammen, das wacklige Drums, Harfenklänge und Orchester-Gesten zu einer kosmischen Einheit verschmilzt und Schneider ein letztes großes Versprechen abringt: "I'll stay forever right here if you want me to." Ganz so lang muss es nicht sein, wir müssen ja auch mal das Haus verlassen. Hey, wo kommt diese Jukebox plötzlich her?

(Marvin Tyczkowski)

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Highlights

  • Bag of bones
  • Is there anybody out there
  • Who laughs last (feat. Kristen Stewart)
  • It all comes back

Tracklist

  1. Looking back
  2. Bag of bones
  3. Nothing I need
  4. Is there anybody out there
  5. Who laughs last (feat. Kristen Stewart)
  6. The comedian
  7. Watch me go
  8. Fire eternal (feat. Kazu Makino)
  9. It all comes back
  10. Used to know
  11. Digging up the past
  12. Life is strange

Gesamtspielzeit: 49:07 min.

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User Beitrag

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 30576

Registriert seit 08.01.2012

2025-08-07 21:02:59 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

MickHead

Postings: 11427

Registriert seit 21.01.2024

2025-07-18 18:36:28 Uhr
Komplette Playlist bei YouTube:

https://youtube.com/playlist?list=OLAK5uy_mUPND5MGEqDVH_RMyDJUkvoCw0MtUCC9Y&si=cdkZdPxvIuDgcnvV

MickHead

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Registriert seit 21.01.2024

2025-06-27 20:53:16 Uhr
4. Song "Bag Of Bones"

https://youtu.be/59wcc2Ml-yk?si=RUq1xT_zxxsxfmj-

MickHead

Postings: 11427

Registriert seit 21.01.2024

2025-05-09 19:55:25 Uhr
Die amerikanische Indie-Rock/Folk Band "Lord Huron" aus Los Angeles, California, kündigt für den 18.07. das 5. Studioalbum "The Cosmic Selector Vol. 1" an. Es folgt auf "Long Lost" von 2021.

3 Songs bisher geteilt:

"Looking Back"

https://www.youtube.com/watch?v=osBnfGP-8aY

"Nothing I Need"

https://www.youtube.com/watch?v=FwOPwPg3eYs

"Who Laughs Last (Feat. Kristen Stewart)"

https://www.youtube.com/watch?v=1828lQRbK5o

Tracklist:

01 “Looking Back”
02 “Bag Of Bones”
03 “Nothing I Need”
04 “Is There Anybody Out There”
05 “Who Laughs Last” (feat. Kristen Stewart)
06 “The Comedian”
07 “Watch Me Go”
08 “Fire Eternal” (feat. Kazu Makino)
09 “It All Comes Back”
10 “Used To Know”
11 “Digging Up The Past”
12 “Life Is Strange”

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