100 Kilo Herz - Hallo, Startblock
Bakraufarfita / Broken Silence
VÖ: 15.08.2025
Unsere Bewertung: 6/10
Eure Ø-Bewertung: 3/10
Per Köpper in eine neue Ära
In seiner Rezension zum 2021 erschienenen "Zurück nach Hause" beschrieb Plattentests.de-Kollege Eric die damalige Weltlage: Die erste Regierung Trump war noch nicht verdaut, der Überfall Russlands auf die Ukraine relativ frisch, und rechte Menschenfänger verpesteten die Stimmung in Deutschland. Zwei Jahre später sieht es nicht besser aus: Trump ist zurück und macht America great again, der russische Angriffskrieg und der Siegeszug der AfD dauern an. Alles beim Alten also oder gefühlt noch schlimmer. Bei der Punkrockband 100 Kilo Herz ist dafür einiges neu. Bereits 2021 trennte sich die Band nach einer Kontroverse von ihrem Gitarristen Clemens. 2023 gingen sein Nachfolger Basti sowie Leadsänger und Gründungsmitglied Rodi. "Hallo, Startblock" ist das erste Album mit dem neuen Sänger Steffen, und somit ist der Name Programm: Alles auf Start und kopfüber in eine neue Ära der Bandgeschichte.
Gleich zu Beginn kraulen die sechs Musiker hochmotiviert los und peilen mit den ersten drei Tracks die Bronzemedaille an. Die Bläserfraktion macht beim Opener "Eh ok" mächtig Dampf, die Riffs klingen nach Rise Against, und der Refrain ist ein fieser Ohrwurm. Für eingängige Hooks haben die Leipziger ein besonders gutes Händchen, was sie auch bei "Im selben Boot" und insbesondere "Der letzte Tag" unter Beweis stellen. Steffen – auch beim neuesten Bandmitglied ziehen 100 Kilo Herz die Sache mit dem Vornamen durch – hat eine angenehme Stimme. Kein Vergleich mit der Reibeisenstimme seines Vorgängers Rodi und dadurch durchweg gut anzuhören, aber auch weniger besonders. Nach dem fulminanten Auftakt geht der Truppe ein bisschen die Puste aus. "Komm mit uns" ist inhaltlich ziemlich schwach und stellenweise ungelenk getextet: "Keine Zeit mehr für Versteckspiele / Wir zeigen uns, wir sind viele." Gegen Ende nimmt der Song jedoch Fahrt auf und öffnet mit einem Zwischenpart den Moshpit. "3:00" erzählt derweil von einer ziellosen, zerstörten Person im Taumel einer versoffenen Nacht. Das Storytelling berührt emotional so gar nicht, da helfen auch keine Geigen oder das Neo-Klassik-Klaviergeklimper. Immerhin schreit Steffen hier mal, was seiner Stimme direkt mehr Farbe verleiht.
Politisch lässt sich die Brass-Punk-Band weiterhin im linken Spektrum verorten. Wer das neue Album im Bundle bestellt, erhält ein schönes Badetuch mit Antifa-Flagge. Richtig konkret werden die Sachsen in ihren Texten auf "Hallo, Startblock" aber kaum. 100 Kilo Herz spielen eine Art freundlichen Protestpunk, der keinem so richtig auf die Füße tritt. Beim knackigen Skatepunksong "Leben und sterben lassen" kritisiert Steffen Lobbyismus und Rheinmetall. "Dazugehören" beschreibt Nationalist*innen, die sonntags in die Kirche gehen und über Stefan Raab lachen. Ein bisschen mehr Ross und Reiter kann man sich von einer politischen Band schon wünschen.
Auf der zweiten Albumhälfte zieht die Band noch mal das Tempo an und sorgt für Partystimmung mit dem nostalgischen "Allez" und dem hymnischen "Wir sind hier nicht in Seattle". Für den Abgesang auf die Provinz lassen sich die Männer aus der achtgrößten Stadt Deutschlands von der Punkband Jack Pott aus dem beschaulichen Bad Schwartau unterstützen. Am Ende landen die Leipziger zwar nicht auf dem Siegertreppchen, aber schwimmen ins obere Mittelfeld des deutschsprachigen Punkrocks. Der (Neu-)Anfang ist gemacht.
Highlights
- Eh ok
- Der letzte Tag (feat. Ell)
- Im selben Boot
Tracklist
- Eh ok
- Der letzte Tag (feat. Ell)
- Im selben Boot
- Komm mit uns
- Leben und sterben lassen
- Dazugehören
- Mit Dir
- Wir sind hier nicht in Seattle (feat. Jack Pott)
- 3:00
- Muss man wissen
- Allez
- Dem Untergang geweiht
Gesamtspielzeit: 36:21 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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diggo Postings: 201 Registriert seit 02.09.2016 |
2025-08-15 22:09:58 Uhr
Ich mag den neuen Sänger. Wurde mit der Band bisher nie richtig warm. Nun weiss ich immerhin, woran es lag ;-) Tolles Album, wohl das bisher beste deutschsprachige Punk-Album 2025. |
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 30437 Registriert seit 08.01.2012 |
2025-08-07 21:01:02 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert. Meinungen? |
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Huhnmeister Postings: 4557 Registriert seit 22.08.2022 |
2025-06-13 16:03:55 Uhr
100 Kilo Herz entsprechen fast aufs Gramm genau 8 Eimer Hühnerherzen. Zufall oder System? |
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 30437 Registriert seit 08.01.2012 |
2025-06-13 14:55:28 Uhr - Newsbeitrag
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 30437 Registriert seit 08.01.2012 |
2025-05-02 18:31:06 Uhr - Newsbeitrag
Ein leiser Moment nach der letzten lauten Nacht Mit ihrer neuen Single 3:00 zeigen 100 KILO HERZ eine ungewohnte, nachdenkliche Seite. Ein ruhiger Song, der die Schattenseiten einer durchzechten Nacht beleuchtet – das leise Einsetzen der Realität, wenn der letzte Drink getrunken, die Musik verklungen und die Gedanken lauter als jedes Konzert geworden sind. Zwischen flimmernden Erinnerungen und bohrenden Fragen schwebt eine zentrale: „Habe ich ein Problem oder ist das normal?“. 3:00 fängt genau diesen Moment ein – nicht mit der gewohnten Wucht der Bläser und der treibenden Punkrock-Energie, sondern mit einer stillen Ehrlichkeit. Ein Song für alle, die das Gefühl kennen, wenn die Nacht endet und die Realität anklopft. Das Album Hallo, Startblock erscheint am 15.08.2025. Eine Band im Stillstand ist eine tote Band. Wenn diese alte Weisheit des Musikjournalismus stimmt, dann sprudelt die Lebensenergie aus 100 Kilo Herz nur so heraus. Die Brass-Punk-Band aus Leipzig hat in den letzten Jahren alles andere als stillgestanden – und das hört man! Mit ihrem neuen Album Hallo, Startblock katapultieren sie sich in die nächste Runde und beweisen erneut, warum sie eine feste Größe in der deutschsprachigen Musikszene sind. Die Energie und Leidenschaft, die 100 Kilo Herz seit jeher auszeichnet, pulsiert durch jeden Song ihres neuen Werks. Fans der ersten Stunde werden die unverkennbare Handschrift der Band sofort erkennen, doch zwischen den Zeilen gibt es jede Menge Neues zu entdecken. Hallo, Startblock vereint alles, wofür 100 Kilo Herz steht: eingängige Bläsersätze, mitreißende Texte und eine geballte Ladung Punkrock-Attitüde. Dass sie auf der Bühne eine echte Naturgewalt sind, bewiesen 100 Kilo Herz zuletzt bei Auftritten auf namhaften Festivals wie Rock am Ring, dem Southside Festival und dem Open Flair. Hier präsentierten sie ihre ungebrochene Explosivität und Dynamik, die nicht nur eingefleischte Fans, sondern auch neugierige Festivalbesucher in ihren Bann zog. 100 Kilo Herz sind eine Band, die sich nicht auf ihren Lorbeeren ausruht, sondern immer weitergeht – voller Energie, Leidenschaft und der klaren Botschaft: Stillstand ist keine Option. Mit Hallo, Startblock bringen sie diese Haltung direkt in die Herzen ihrer Zuhörer*innen. |
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Referenzen
ZSK; WIZO; Feine Sahne Fischfilet; Sondaschule; Rogers; Radio Havanna; Madsen; Rantanplan; Pascow; KMPFSPRT; Schmutzki; Antilopen Gang; Adam Angst; Shirley Holmes; Blond; Lygo; Die Toten Hosen; Jack Pott; Heisskalt; Planlos; Oma Hans; Massendefekt; Betontod; Ignite; Broilers; Kaput Krauts; Donots; Kraftklub; Jupiter Jones; Muff Potter; Terrorgruppe; 4 Promille; Dropkick Murphys; The Mighty Mighty Bosstones; Itchy; Authority Zero; Good Charlotte; Rise Against
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