We Lost The Sea - A single flower
We Lost The Sea
VÖ: 04.07.2025
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 6/10
Gute Freunde kann niemand trennen
Manchmal sind Alben kulturelle Großereignisse, die Generationen prägen. Meistens sind sie einfach nur eine Sammlung von Musikstücken. Aber nur, weil ein Album es nie in die Schlagzeilen schaffen wird, heißt das nicht automatisch, dass es irrelevant ist. Musik ist letzten Endes eine zutiefst persönliche Angelegenheit. Auch deshalb lässt sich über Geschmack so trefflich streiten. Was das alles mit dieser Rezension zu "A single flower", dem neuen Werk von We Lost The Sea, zu tun hat? Verdammt viel. Denn We Lost The Sea gehören einer aussterbenden Spezies Band an: Das australische Sextett hat sich dem Post-Rock verschrieben. Ja, das ist dieses Genre mit den Crescendi, welches vor ungefähr 15 Jahren eine kurze Hochzeit erlebte. Seitdem haben sich die meisten bekannten Bands entweder aufgelöst oder sich mit dem Dasein in der Nische abgefunden. Genau dort findet man auch We Lost The Sea vor. Den Zeitgeist ignorierend, ganz bei sich.
Die Songs auf "A single flower" folgen dementsprechend dem klassischen Schema: Auf ausufernde, zarte Intros folgt eine dynamische Steigerung, die sich schließlich in einem furiosen Finale entlädt. Hierbei reicht ein Blick auf die Tracklist, um zu verstehen, wo der Hase den Hund begraben hat: Einzig das Interlude "The gloaming" kommt unter der Fünf-Minuten-Marke ins Ziel. Der Rest? Dauert zwischen acht und satten 27 Minuten. Der Sound fällt dabei grandios aus. Immer wieder überraschen produktionstechnische Spielereien, die aus recht konventionellen außergewöhnliche Kompositionen machen. So fährt einem der Beginn von "Bloom" direkt in alle Glieder, so mächtig und gigantisch ist er. Danach ebbt der Track zunächst ab, ehe er nach mehreren Hakenschlägen seinen Weg in die Euphorie findet.
Auch melodisch zaubern We Lost The Sea so manches Ass aus dem Kapuzenpulli: "If they had hearts", der Opener, begeistert etwa mit einem Motiv, das sich durch den gesamten Song zieht und frappierend an Mono erinnert. Freilich hat man das alles schon einmal so oder so ähnlich gehört, aber deswegen wird die Musik nicht schlechter. Oder hat sich schon jemals jemand ernsthaft darüber beschwert, dass Motörhead immer gleich klangen? Eben. Zudem stimmt das nicht einmal. Nicht minder beeindruckend gerät "A dance with death", ein über zehnminütiges Epos, das ohne Worte eine mitreißende Geschichte erzählt. Ähnlich wie bei einem Stummfilm braucht es keine Sprache, um eine emotionale Reaktion hervorzurufen.
Das zentrale Stück des Albums ist aber sicherlich "Blood will have blood". Wie bereits angedeutet, dauert es über 27 Minuten. Man muss also eine gewisse Bereitschaft, sich auf das Dargebotene vollends einzulassen, mitbringen. Wenn dies der Fall ist, wird man reichhaltig belohnt. Die Band nimmt sich ganz bewusst alle Zeit der Welt. Fast zärtlich zu Beginn, danach sukzessive eskalierend. Das gute, alte Crescendo eben. Ein bisschen ist das so, als würde man nach vielen Jahren alte Freunde wiedertreffen. Das Leben, das in der Zwischenzeit stattfand, spielt keine große Rolle, es geht vielmehr um das Wissen, nun in der Gegenwart geliebter Menschen zu sein. Dass Menschen einander finden, ist einerseits alltäglich, andererseits aber auch immer ein kleines Wunder. Insofern haben We Lost The Sea alles richtig gemacht: Sie haben sich dazu entschieden, nicht loszulassen. Ein Schuster muss keine Eulen nach Athen tragen.
Highlights
- If they had hearts
- Blood will have blood
Tracklist
- If they had hearts
- A dance with death
- Everything here is black and blinding
- Bloom (Murmurations at first light)
- The gloaming
- Blood will have blood
Gesamtspielzeit: 70:02 min.
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MickHead Postings: 10726 Registriert seit 21.01.2024 |
2025-07-08 18:51:50 Uhr
Am 04.07. wurde das 5. Studioalbum "A Single Flower" veröffentlicht. Nachfolger von "Triumph & Disaster" von 2019."A Single Flower" bei Bandcamp: https://welostthesea.bandcamp.com/album/a-single-flower Triumph & Disaster (2019) bei Bandcamp: https://welostthesea.bandcamp.com/album/triumph-disaster |
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Referenzen
Teeth Of The Sea; Red Sparowes; Envy; Mono; Godspeed You! Black Emperor; God Is An Astronaut; Russian Circles; Explosions In The Sky; Long Distance Calling; Mogwai; Pelican; Yndi Halda; Isis; Neurosis; This Will Destroy You; Wang Wen; Pelican; Crippled Black Phoenix; Syberia; The Pirate Ship Quintet; Sleepmakeswaves; Oh Hiroshima; I Hear Sirens; Endless Dive; Spurv; Carved Into The Sun; The End Of The Ocean; Tides From Nebula; Collapse Under The Empire; Meniscus; Caspian; Exxasens; Darkfield; Ef; Maybeshewill; Astralia; Daturah
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