The Armed - The future is here and everything needs to be destroyed
Sargent House / Cargo
VÖ: 01.08.2025
Unsere Bewertung: 8/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
Wissen macht Krach
The Armed legen großen Wert auf das körperliche und geistige Wohlbefinden ihres Publikums. So haben sie in der Vergangenheit nicht nur Fitnessroutinen veröffentlicht, sie reichern auch ihre Tracklists regelmäßig mit Wissenshappen an. Bei "Perfect saviors" lernte Kollege Verkamp bereits etwas über die Unterscheidung von "Sport of measure" und "Sport of form", auf – tief Luft holen – "The future is here and everything needs to be destroyed" geht es nun gleich zu Beginn ins Theater des 19. Jahrhunderts. Ein "well-made play" bezeichnet eine Plot-fokussierte, geradlinig erzählte Untergattung des Dramas, in der es um moralische Klarheit ohne komplexe Figurenzeichnung oder Gesellschaftskommentar geht. Ob diese Struktur zur kompromisslos vorwärtstreibenden Härte von The Armed passt oder eher das Gegenteil der personellen und stilistischen Diffusität der Band bildet, ist Auslegungssache. Klar ist, dass nach einer erneuten guten halben Stunde synapsenverknotenden Geballers sowieso wenig Hirnmasse für derartige Denkprozesse übrigbleibt.
Jenes "Well made play" besteht nämlich im Grunde aus einem einzigen Noise-Totalkollaps und scheint seine Schreie direkt aus der Hölle abzuschöpfen. Nach vorne sprinten können viele, dabei die komplette Rennbahn hinter sich einzureißen, bleibt The Armed vorbehalten. Die zweite Single "Kingbreaker" setzt zumindest teilweise auf Klargesang und einen nachvollziehbareren Groove, legt aber ein weiteres Zeugnis von eindrucksvoller klanggewordener Brutalität ab. Es passt zum Humor dieses noch immer mysteriösen Kollektivs, als erstes die zwei härtesten Tracks zu veröffentlichen, in denen vom für die Vorgänger so essenziellen Pop kaum eine Spur zu hören ist – aufs gesamte Album bezogen eine falsche Fährte, aber eine, die Spaß macht. Ebenfalls präsent ist das Saxofon von Jazzmusiker Patrick Shiroishi, das in den genannten Songs atonal irrlichtert und das späte Schlüsselstück "Heathen" veredelt. Mehrstimmiger Heilgesang deutet einen Ruhepol zwischen Elektro- und Dreampop an, bevor der Track unter Shiroishis Gebläse immer mehr Intensität gewinnt und zu einer raumfüllenden Post-Rock-Klimax anwächst.
Wie immer bei The Armed ist die Gästeliste prall gefüllt und wie immer bei The Armed ist es unheimlich schwer auszumachen, wer wo genau beteiligt war. Zumindest lässt sich verifizieren, dass am Geräusch-Core von "Broken mirror" die in Szene-Kreisen gehypete Band Prostitute mitwirkte, immerhin hat sie eine Feature-Nennung ergattert. Bei "Grace obscure" ist es wahrscheinlich die auf "Ultrapop" als Cara Drolshagen ausgewiesene Schreihälsin – bezüglich Namen sollte man bei The Armed niemandem über den Weg trauen –, die diese grandiose Prügelmaschine von Song zusammenkeift. Im Grunde ist die exakte Besetzung aber auch völlig Latte, wenn einem das mathig verschlungene "Gave up" eine solche über den Latz haut – oder wenn das von gläsernem Klimpern durchzogene "Purity drag" wie Fucked Up klingt, wenn sie besonders schlecht geschlafen haben.
In Abwesenheit von Alan Moulder weist "The future is here and everything needs to be destroyed" eine schroffere Textur als "Perfect saviors" auf, fängt seine Hardcore-Zerstörungswut aber weiterhin mit einigen softeren Momenten ab. Dazu zählt der kompakte Indie-Rocker "I steal what I want" ebenso wie die lieblich gesungenen Strophen von "Sharp teeth", auch wenn diese eher als Betäubungsmittel vor den Frontalattacken im Refrain fungieren. Auch "Local millionaire" beweist mit eingängiger Hook und dissonantem Saitenrauschen, dass Melodie und musikalische Mordlust am besten zusammen funktionieren. Das Abschlussmassaker "A more perfect design" hat für erstere allerdings nicht mehr viel übrig, wenn es alle Instrumente gleichzeitig in den Schredder schmeißt und nach angetäuschtem Ende das Ding in die Luft jagt. Wie erfüllend es sein kann, mit mehreren Wagenladungen Krach zugeschüttet zu werden, ist und bleibt die wertvollste Lektion aus dem Lehrbuch von The Armed.
Highlights
- Kingbreaker
- Grace obscure
- Heathen
- A more perfect design
Tracklist
- Well made play
- Purity drag
- Kingbreaker
- Grace obscure
- Broken mirror (feat. Prostitute)
- Sharp teeth
- I steal what I want
- Local millionaire
- Gave up
- Heathen
- A more perfect design
Gesamtspielzeit: 32:22 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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headup Postings: 145 Registriert seit 09.09.2017 |
2025-08-08 16:14:39 Uhr
Das ist wirklich eine sehr besondere Band, wie ich finde...noch nicht ganz durchgestiegen durchs neue aber was ich höre ist min. ne 8/10 |
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Arne L. Postings: 2973 Registriert seit 27.09.2021 |
2025-08-07 09:06:57 Uhr
Boah, was ein Brecher von einem Album! 8/10 höre ich auch beim ersten Durchlauf. |
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MickHead Postings: 10782 Registriert seit 21.01.2024 |
2025-08-01 10:02:15 Uhr
Jetzt komplett bei Bandcamp:https://thearmed.bandcamp.com/album/the-future-is-here-and-everything-needs-to-be-destroyed |
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Curry Postings: 3 Registriert seit 27.08.2023 |
2025-07-31 19:21:57 Uhr
Jetzt schon "Album des Jahres" |
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Rote Arme Fraktion Postings: 4546 Registriert seit 13.06.2013 |
2025-07-29 17:51:55 Uhr
Nachdem mich die neue von The Dirty Nil nicht so kickt, höre ich hier rein. |
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Referenzen
Fucked Up; Metz; KEN Mode; Unsane; No Age; Daughters; The Chariot; The Blood Brothers; Deaf Kids; The Dillinger Escape Plan; Botch; Converge; Coilguns; Code Orange; Frontierer; Cult Leader; Pupil Slicer; Oathbreaker; Rolo Tomassi; Brutus; Gouge Away; Genghis Tron; Soul Glo; Chat Pile; Show Me The Body; Pissed Jeans; These Arms Are Snakes; Deafheaven; Car Bomb; Meshuggah; The Callous Daoboys; This Heat; John Zorn; Idles; Protomartyr
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