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Alex G - Headlights

Alex G- Headlights

RCA
VÖ: 18.07.2025

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Scheine und Sein

Zwischen slackeriger Gleichgültigkeit und der Auseinandersetzung mit metaphysischen Themen hat Alex Giannascoli seine eigene Nische gefunden. Dass sich der als Alex G bekannte Musiker nicht vor großen existenzialistischen Fragen scheut, unterstrich besonders sein neuntes Album "God save the animals", das die Gottesanrufung bereits im Titel trägt. Auch das Cover des Nachfolgers "Headlights" blickt in den Himmel, wenn auch in der verspielteren Form eines Kindes, das sein Schwert entweder triumphal nach oben reckt oder dem Mond damit den Krieg erklärt. Der Titel bezieht sich auf eine obskure Buchpassage, in der ein Schamane die Autolichter als Augen des Todes umdeutet – oder auch nicht, wie Giannascoli in einem kürzlichen "Pitchfork"-Interview erklärte: Im Grunde habe er nur eine Melodie um das Wort "Headlights" herum gebaut, die Platte so benannt, und erst später sei ihm besagte Referenz eingefallen. Diese Anekdote passt zu Giannascolis eigenständiger, faszinierender Musik zwischen Americana und Indie-Pop, die einige Tiefenschichten verbergen mag, die sich aber auch ganz ohne Nachbohrungen und Kopfzerbrechen genießen lässt.

Prägend für den Diskurs zu "Headlights" ist der Umstand, dass der US-Amerikaner zu einem Major-Label gewechselt ist, was er in "Beam me up" direkt zu adressieren scheint: "Some things I do for love / Some things I do for money / It ain't like I don't want it / It ain't like I'm above it", singt er da nach einem perlenden Saiten-Intro, das in seiner Schwermut gar an The Cure erinnert. Dass das Album dennoch weit von einer seelenlosen Auftragsarbeit entfernt ist, bewiesen schon die Singles. Der von Akustikgitarre und Hand-Percussion angetriebene Opener "June guitar" lässt seinen wundervollen Refrain von einem Akkordeon verschlucken, während es sich "Oranges" ohne jede Aufregung auf der Veranda bequem macht. Der kleine Mandolinen-Hit "Afterlife" gehört mit Sicherheit zu den poppigsten Tracks in Giannascolis Repertoire, nutzt die aufpolierte Produktion aber schlicht als Verstärker für seine melodischen Trademarks.

Auf Albumlänge zeigt sich die weiterhin stark ausgeprägte Abenteuerlust vor allem in den Songs, in denen der 32-Jährige mit seiner Stimme experimentiert. Im hooklos mäandernden "Louisiana" schickt er sein Organ durch einen Vocoder, wenn es von den mächtig verzerrten Shoegaze-Gitarren sowieso nicht gerade verschluckt wird. "Bounce boy", die Alex-G-Version von Hyperpop, setzt auf Entfremdung durch Höhenverschiebung, bevor ein echter Kinderchor das emotional undurchsichtige Pianostück "Is it still you in there?" übernimmt. Ein besonderes, aber auch seltsam einnehmendes Kuriosum bildet "Far and wide": Giannascoli klingt mit seinem windschiefen Näseln ein bisschen wie Daniel Johnston und lässt in der Schlussminute nur noch ein lebendiges Streicherarrangement seiner Partnerin Molly Germer sprechen. Nicht jeder der stilistischen Ausflüge beeindruckt wie dieser Song, was "Headlights" auf hohem Niveau etwas zerfahren, aber auch durchweg spannend macht.

Textlich kehrt Giannascoli immer wieder zu seiner künstlerischen Selbstbestimmung zurück und lässt sich in deren Positionierung zwischen Ironie, Rollenspiel und Aufrichtigkeit nicht in die Karten schauen. "Hoping I can make it through to April / On whatever's left of all this label cash", singt er in "Real thing", einem Panflöten-unterstützten Soft-Rock-Schleicher, der in einem leicht dissonanten Instrumentalpart auseinanderbricht. "Well, I moved so fast / That no one could see me pass / And my heart grew cold", heißt es wiederum im wuchtig verhallten Titelstück, ehe ein Sirenen-artig reinknallender Synth die Entfremdung auch musikalisch abbildet. Doch im finalen, live aufgenommenen "Logan Hotel" klingt Giannascoli befreit und fühlt sich hörbar wohl in seiner Haut, wenn er sich mit seiner Band durch diesen bierseligen Kneipen-Rocker spielt – dass der Mann inzwischen mit Foo Fighters tourt, erscheint gar nicht mehr so abwegig. Manchmal müssen sich die großen existenzialistischen Fragen eben hintenanstellen.

(Marvin Tyczkowski)

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Highlights

  • June guitar
  • Far and wide
  • Headlights
  • Logan Hotel (live)

Tracklist

  1. June guitar
  2. Real thing
  3. Afterlife
  4. Beam me up
  5. Spinning
  6. Louisiana
  7. Bounce boy
  8. Oranges
  9. Far and wide
  10. Headlights
  11. Is it still you in there?
  12. Logan hotel (live)

Gesamtspielzeit: 40:58 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

MickHead

Postings: 11305

Registriert seit 21.01.2024

2026-04-29 09:16:20 Uhr
2 Outtakes vom Album!

"Good Green Friends"

https://youtu.be/stEVJKsQJ1s?si=UhXJhXfe9DOx_yTX

"In The Yard"

https://youtu.be/rVrRBj2qqf8?si=25ps1tR0sbYzf85C

boneless

Postings: 7179

Registriert seit 13.05.2014

2026-01-20 21:56:55 Uhr
Kann mich den Vorrednern nur anschließen, das Album ist absolut fantastisch. Bisher war Alex G für mich ein verpeilter Sympath, der allerdings auf Albumlänge immer zu belanglos und fragmentarisch klimperte, da fehlte die Konsistenz. Deshalb hab ich sein Output in den letzten Jahren auch nie ernsthaft verfolgt. Headlights aber ist von vorne bis hinten großartig, bin sehr froh, dass ich noch reinhörte (fantastisches Cover auch). Highlights rauspicken ist müßig, aber schon die ersten beiden Songs gehen runter wie Öl. Und dann dieser nahezu schwerelose Refrain von Beam Me Up... was für ein relaxter Hit, tierisch!

Some things I do for love
Some things I do for money
It ain't like I don't want it
It ain't like I'm above it
Yeah, yeah, yeah

AliBlaBla

Postings: 11741

Registriert seit 28.06.2020

2025-08-13 12:02:17 Uhr
Late to the party! Aber echt richtig schön.
Könnte wirklich das beste ALEX G Album sein, live fand ich ihn zweimal überhaupt ganz groß.
Alle früheren Alben fand ich durchwachsen zwischen Wahn (positiv gemeint) und belanglos, "Beach music" da eine Ausnahme, das ist aber sehr laid back und atmosphärisch, eine Ausnahme etwas.

Dieses Album: wow.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 30514

Registriert seit 08.01.2012

2025-07-29 15:56:30 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

dreckskerl

Postings: 12065

Registriert seit 09.12.2014

2025-07-22 20:44:30 Uhr
Wow. Beeindruckendes Album, ich kann die allgemein sehr hohen Wertungen absolut nachvollziehen. Saustark.
Zum kompletten Thread

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