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Greet Death - Die in love

Greet Death- Die in love

Deathwish Inc.
VÖ: 27.06.2025

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Morituri te salutant

Wir fallen mal mit der Tür ins Haus: Eigentlich stimmt beim neuen Greet-Death-Album nur eines nicht – das Veröffentlichungsdatum. Wie kann man nur eine dermaßen melancholische und farbenprächtige Songsammlung mitten im grellsten Sommer veröffentlichen? Die neun neuen Tracks der Band aus Flint, Michigan, sind nämlich der optimale musikalische Hintergrund für lange Herbsttage, in denen buntes Laub vom Wind durch die Straßen getrieben wird; Tage, an denen güldenes Sonnenlicht und schwere Regenschauer sich abwechseln und an denen man daheim wahlweise bei Tee oder Rotwein in Erinnerungen schwelgt. Vor allem in musikalischen, denn hier werden die guten Geister der Vergangenheit heraufbeschworen, ein echtes Panoptikum an Klängen und Stimmungen von Bands, die vor zehn oder 15 Jahren in der Blüte ihres Schaffens standen und heute schon vergessen oder abgemeldet sind.

Was die den Tod grüßenden fünf Musiker*innen hier abliefern, ist ein perfekt abgezirkeltes Gebräu aus Shoegaze und melancholischem Indie mit mildem Slowcore-Einschlag. Wo die Reise hingeht, markiert der Opener bereits deutlich: Hier gibt es alles, was man genretypisch bei Shoegaze erwartet, Terrassendynamik zwischen suchend-irrlichternden und zurückgenommenen Strophen sowie heftige Gitarrenausbrüche mit turmhohen Fuzz-Gitarrenwänden. Auch "Same but different now" bietet enorm virtuoses Musizieren: Hier ballert Bassistin Jackie Kalmink fast durchgehend Achtelnoten als Grundierung, während das Schlagzeug an die seligen Zeiten erinnert, in denen Jimmy Chamberlin bei The Smashing Pumpkins nach Art eines Uhrwerks auf Speed den Song zusammenhielt. Dazu gibt's verlorenes Gitarrenpicking à la Modest Mouse und einen herrlich schluffigen Gesang, wie man es stets bei Slowdive schätzte (und bis heute schätzt). Im Folgetrack "Country girl" klingt sogar die ganz eigene, unnachahmliche Stimmung von The Chameleons an, was vor allem an der minimal verstimmten und tonal stets etwas zu tief hängenden Gitarrenspur mit eierndem Hall liegt.

Zwei Dinge sind besonders bemerkenswert bei diesem Album: Erstens nehmen sich Greet Death so richtig schön viel Zeit, ihre Songs aufzubauen und zu strukturieren. Glücklicherweise erliegen sie nicht der Versuchung, sich lediglich auf das schroffe Wechselspiel zwischen Laut und Leise zu verlassen; sie gestatten sich auch Songs, bei denen die Sound-Landschaften eher gemächlich voranstolpern und die einzelnen Abschnitte der Kompositionen fließend ineinander übergehen. Zweitens fällt die extrem gute Produktion auf, die stets druckvoll und transparent ist, aber nicht durch extremes Brickwall-Mastering ermüdet. Außerdem gibt's auch ein paar Stücke, die den zuvor beschriebenen Duktus verlassen: "Small town cemetery" ist eine recht ungewöhnliche Nummer, die das Wort "Katzenjammer" treffend vertont. Nur von einer schroff klingenden, akustischen Gitarre begleitet, jaulen sich die Bandmitglieder durch ein wirklich mitleiderregendes Lamento. Und im Schlusstrack "Love me when you leave" kommen plötzlich Stimmungen und Harmonien auf, die an die allerallerbesten Momente von Coldplay erinnern. Haben wir nicht vor 25 Jahren alle komplett gebannt vor dem Meilenstein "Parachutes" gesessen und nicht fassen können, was hier für Songs abgeliefert wurden? Ganz ohne Stadionlärm und Kiss-Cam? Naja, tempi passati. Wir hingegen hoffen, dass es jetzt ganz fix Herbst wird, und packen "Die in love" schon mal in die Playlist für den ersten stürmischen Regentag.

(Jochen Reinecke)

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Highlights

  • Die in love
  • Same but different now
  • August underground
  • Love me when you leave

Tracklist

  1. Die in love
  2. Same but different now
  3. Country girl
  4. Red rocket
  5. Emptiness is everywhere
  6. August underground
  7. Small town cemetery
  8. Motherfucker
  9. Love me when you leave

Gesamtspielzeit: 44:03 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

saihttam

Postings: 2926

Registriert seit 15.06.2013

2026-03-24 00:39:59 Uhr
Ja, auch schon gesehen. Mega geile Kombi! Aber der Wiesbaden-Termin natürlich genau dann, wenn ich in Berlin bin. Und der Berlin-Termin das Wochenende davor, wenn ich noch nicht in Berlin bin. Maximal unglücklich!

Deaf

Postings: 3781

Registriert seit 14.06.2013

2026-03-23 19:28:03 Uhr
10.06.2026 Bad Bonn - Düdingen
12.06.2026 Kantine - Köln *
13.06.2026 R.A.W. - Berlin
14.06.2026 Fabrik - Hamburg *
16.06.2026 Flex - Wien *
18.06.2026 Farewell Youth Fest - Dresden
19.06.2026 Forum Stadtpark - Graz
21.06.2026 Backstage Werk - München *
22.06.2026 Schlachthof - Wiesbaden *

* Support für Touché Amoré

MickHead

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Registriert seit 21.01.2024

2025-12-20 12:09:53 Uhr
Für mich das beste Shoegaze Album des Jahres.
Ein kleines Meisterwerk. Atmosphärisch dicht!

Playlist bei Bandcamp:

https://greetdeath.bandcamp.com/album/die-in-love

saihttam

Postings: 2926

Registriert seit 15.06.2013

2025-11-18 23:25:31 Uhr
Funktioniert für mich tatsächlich aktuell deutlich besser als im Sommer. Aber die Ohrwürmer des Vorgängers suche ich trotzdem vergebens. Ich mag die stimmung sehr, aber die Songs heben sich für mich nicht genug voneinander ab.

saihttam

Postings: 2926

Registriert seit 15.06.2013

2025-11-10 00:33:32 Uhr
Mich hats bisher leider bei weitem nicht so gekickt wie der Vorgänger. Vielleicht muss ichs aber wirklich auch noch mal in Herbststimmung probieren.
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