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Burna Boy - No sign of weakness

Burna Boy- No sign of weakness

Spaceship / Bad Habit / Atlantic
VÖ: 10.07.2025

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Wagnis und Wiederholung

Einfach immer, wenn Burna Boy singt, rappt oder raunzt, klingt es nie langweilig – irgendein Körperteil bewegt sich schon dazu im Beat. Seine achte Platte "No sign of weakness" bricht mit dieser Regel nicht, vielmehr hören wir dieses Selbstläufer-Prinzip hier einfach auf Albumlänge. Die großen Worte, am liebsten inszeniert durch knackige Ohrwurm-Hooks, sind jedoch kleiner geworden. Der Pathos der unmittelbaren Vorgängeralben wird zumindest phasenweise von einer fast stoischen Nüchternheit verdrängt, was unterm Strich sogar einen Pluspunkt gegenüber beispielsweise dem überwiegend melodischen "I told them..." darstellt. Auch inhaltlich ist einiges anders, denn vor allem auf den vorherigen Platten war Damini Ebunoluwa Ogulu zwar konsequent selbstbewusst, aber eben auch emotional durchlässiger, ein gewisser Leidensdruck dadurch immer wieder spürbar. Hier klingt er quasi abgeschottet, gelegentlich auch angriffslustig und verdrossen. Der Nigerianer hatte wohl noch nie eine so grimmige Platte – sogar mit Seitenhieben auf Gegner, wobei diese nie wirklich konkret benannt und auch nur selten umschrieben werden.

Das ist zwar ein spannendes Konzept, solch kompromisslose Selbstermächtigung – doch ob das allein reicht? In dieser Umgebung wirkt etwa das sentimentale, ziellose "Love" leider unausgefeilt, gerade im Vergleich mit thematisch ähnlichen Tracks wie "Come gimme". Jene bessere Ballade überzeugt als eine vom R'n'B-Vibe der Nullerjahre angehauchte und durch spanische Gitarren hervorragend begleitete Gefühlsnummer, die Ogulu doch eigentlich aus dem Ärmel schüttelt. Und wenn man den Opener "No panic" hört, stellt sich die Frage, warum der Rest teils so verzettelt wirkt, wenn es doch so einfach geht. Ein stoisch pumpender Beat, daneben eine etwas höhere Bassspur und dazu Ogulus knurrende Stimme, die in der zweiten Strophe gegen Landsmann Speed Darlington austeilt, was jedoch für Außenstehende kaum auffällt. "No sign of weakness" trumpft genau dann auf, sobald solche Nuancen geschickt platziert werden – und strauchelt, wenn ebenjene fehlen.

Letzteres fällt bei "Buy you life" stark auf, dessen Instrumentals wie hinterhergeworfen erscheinen und das lyrisch an zu vielen Wiederholungen scheitert. Das hat aber noch seine Existenzberechtigung – welche bei "Update" durch das überstrapazierte Sample von Soul II Souls "Back to life" schlicht fehlt. Wenn dieser Track 2003 im DSDS-Hype von einer Vanessa S. einfallslos gecovert wird, okay, dann hat es hat retrospektiv immerhin noch diesen gewissen RTL-Trashfaktor. Aber hat der erfolgreichste Künstler eines gesamten Kontinents so etwas 2025 wirklich nötig? Der Song selbst bietet eigentlich nette Grooves, was den Sample-Einsatz nur noch vermeidbarer macht. Abgesehen davon gibt es aber keine weiteren Lowlights mehr. Im Gegenteil: "28 grams" zum Beispiel klingt lehrbuchartig nach Burna Boys besten Zeiten, vielleicht so sehr wie kein anderer Song der letzten Jahre.

Ansonsten wird viel probiert: "TaTaTa" geht durch passende Adlibs und sein tranceartiges Leitmotiv in eine sehr interessante Richtung, bei der Travis Scott mit Bravour mithilft, die Grenzen zwischen Rap, Pop, Dancehall und Afrobeat zu verwischen. Generell ist dieser experimentelle Ansatz das Interessanteste, das die Platte hergibt. Mick Jagger als Feature-Gast hätte auch daneben gehen können – "Empty chairs" überrascht aber als irgendwie doch gut tanzbares Crossover-Wagnis zwischen E-Gitarren und Singsang-Bars über Weltschmerz. Das großartige "Change your mind" wiederum passt so wenig zum Rest, dass es wahrscheinlich auf dem nächsten Shaboozey-Album besser aufgehoben wäre. Es muss ja nicht immer einen roten Faden geben – diesem zurecht selbstbewussten Werk hätte trotzdem vielleicht einer ganz gutgetan. Andererseits: Wenn selbst die schlechtesten Tracks einer Platte auf den meisten deutschen Partys abreißen würden, muss sie ja doch irgendwas hergeben.

(Maximilian Baran)

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Highlights

  • Come gimme
  • 28 grams
  • Change your mind (feat. Shaboozey)

Tracklist

  1. No panic
  2. No sign of weakness
  3. Buy you life
  4. Love
  5. TaTaTa (feat. Travis Scott)
  6. Come gimme
  7. Dem dey
  8. Sweet love
  9. 28 grams
  10. Kabiyesi
  11. Empty chairs (feat. Mick Jagger)
  12. Update
  13. Pardon (feat. Stromae)
  14. Bundle by bundle
  15. Change your mind (feat. Shaboozey)
  16. Born winner

Gesamtspielzeit: 47:17 min.

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Armin

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2025-07-29 15:54:42 Uhr - Newsbeitrag
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