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Merpire - Milk pool

Merpire- Milk pool

Merpire
VÖ: 04.07.2025

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Jugend ohne Bewegung

Der Begriff "Slacker" ist wahrscheinlich nur noch den älteren Semestern bekannt. Damals, in den 90er-Jahren, nutzte man ihn, um eine mehr oder minder lustlos durchs Leben driftende Generation zu beschreiben. Dabei war er sowohl Beschimpfung als auch Schild. Slacken macht nämlich Spaß, auch weil es eine Form des passiven Widerstands ist. Jugend ohne Bewegung, oder so. Nun schreiben wir freilich das Jahr 2025, und die 90er finden primär im Rahmen nostalgischer Zweitverwertung statt. Selbst Blümchen tritt wieder auf. Was das über den Status unserer Kultur aussagt, ist für diesen Text irrelevant. Die Idee des Slackens bildet jedoch den Kern des musikalischen Schaffens der Australierin Rhiannon Atkinson-Howatt, die seit einigen Jahren unter dem Alias Merpire größtenteils unbeachtete Alben veröffentlicht. Dies wird sich auch mit "Milk pool", ihrem neuesten Werk, nicht ändern. Aber es wäre schön, wenn die Künstlerin auch hierzulande mehr Beachtung finden würde.

Denn ihre Musik ist wunderschön. Mit einer Lässigkeit, die man nur genetisch erklären kann, singt sie ihre Melodien, während die Band im Hintergrund dem Sonnenuntergang entgegenschrammelt. Die Unaufgeregtheit, die sich durch das Album zieht, betört schon beim ersten Hören. Merpire ist eine jener Künstlerinnen, die genau wissen, was sie wollen. Nicht selten erinnern ihre Songs an eine gewisse Phoebe Bridgers, was nun wirklich nicht die schlechteste Referenz ist. Wer dies empirisch überprüfen möchte, höre sich "fig.8" an und schwelge. Der Song besitzt nicht nur einen Refrain zum Niederknien, sondern gegen Ende auch einen kleinen, aber ungemein cleveren Akkordwechsel, der aus einem sehr guten einen herausragenden Track macht.

Die Qualität auf "Milk pool" ist aber ohnehin durchgehend hoch. Schon der Opener "Leaving with you" begeistert mit gekonnt hingeschluderten chromatischen Figuren und einem Vibe, der einem das Grinsen im Gesicht festtackert. Ähnlich gelungen ist "Bigger", das mit einem tollen Refrain aufwartet. Auch die Balladen wissen zu überzeugen, allen voran das melancholische "Internet" und die Akustikgitarren-Miniatur "You are loved", die mit einem einzigen Raummikrofon aufgenommen wurde. Intimität kann man nicht erzwingen, man muss sie zulassen. Und Merpire möchte intim sein, sie wirkt dabei aber nie aufdringlich. Die Schönheit des Zwischenmenschlichen findet in den leisen Momenten statt, wer schreit, hat vielleicht den höheren Puls, aber bekanntermaßen selten recht.

"I'm just a little bit in love with all of my friends", singt die Künstlerin in "Fishing" und bringt damit präzise auf den Punkt, was ihre Lyrik so cool macht. Große Gefühle werden in einfache, aber berührende Worte verpackt. Kein Pathos, kein Getue. Hinzu kommt, dass ihre Stimme absolut perfekt zur Musik passt. Die herrliche analoge Verzerrung auf ihr sorgt dafür, dass der Gesang in den Arrangements aufgeht, anstatt sich unangenehm in den Vordergrund zu drängen. Zudem dauert kein Song länger als nötig. Zwei Strophen, drei Refrains, eine Bridge, fertig. Und obwohl das Album dadurch ziemlich kurz ausfällt, hat man nie das Gefühl, dass etwas fehlt. Im Gegenteil: Jeder Handgriff sitzt. Und Sitzen ist bekanntlich auch eine Form des passiven Widerstands.

(Christopher Sennfelder)

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Highlights

  • Leaving with you
  • Bigger
  • fig.8
  • Fishing

Tracklist

  1. Leaving with you
  2. Premonition
  3. Bigger
  4. Rosanna
  5. Cinnamon
  6. fig.8
  7. Canine
  8. Fishing
  9. Retriever
  10. Internet
  11. You are loved

Gesamtspielzeit: 32:40 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

7th Seeker

Postings: 533

Registriert seit 13.06.2013

2025-07-27 18:45:15 Uhr
Nicht schlecht, aber nach mehreren Durchlufen sehe ich auch nicht nehr als 6-7/10 für mich, vllt fehlt es mir da auch an der richtigen Stimmung...
Nur Songs über Internet und Algorithmen sind für mich in der Regel immer ziemlich corny, egal wer sie macht, der zieht auch hier den Gesamteindruck am Ende auch ein wenig runter...

Nummer Neun

Postings: 1212

Registriert seit 14.06.2013

2025-07-22 07:27:27 Uhr
Vermutlich ist es nicht mal die gleiche Schublade, daher ist der Vergleich wahrscheinlich falsch. Aber Merpire hat bei mir deutlich besser gezündet als die aktuellen Platten von Wet Leg und von Haim. Von letzteren mochte ich den alten Output sehr gerne, aber die aktuelle ist unnötig lang und wird dadurch beliebig. Dann lieber Merpire.

Christopher

Plattentests.de-Mitarbeiter

Postings: 4347

Registriert seit 12.12.2013

2025-07-21 22:03:13 Uhr
Ich finde genau dieses "Langweilige" so charmant, aber kann schon nachvollziehen, warum das bei vielen eher nicht so zieht.
Ist halt so Schluffi-Indie-Rock - ich war beim Hören einfach in der perfekten Stimmung dafür. Ich mag auch, wie altmodisch das klingt.

Vivat Virtute

Postings: 232

Registriert seit 05.11.2023

2025-07-21 21:26:41 Uhr
Ich muss leider mit einstimmen: Das ist schon enorm langweilig. Lucy Dacus ist ne gute Referenz, aber bei ihr klingt das alles sehr viel interessanter.

Grizzly Adams

Postings: 6640

Registriert seit 22.08.2019

2025-07-21 17:31:57 Uhr
Geht mir ähnlich wie Enrico und NeoMath. Probiert habe ich davon, wenn schon AdW hier, aber leider zündet bei mir nix.
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