Wet Leg - Moisturizer
Domino / GoodToGo
VÖ: 11.07.2025
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
Hounds of love
Wie groß ist die Sehnsucht nach der Indie-Disco der Nullerjahre? Gemessen am Erfolg von Wet Legs selbstbetiteltem Debüt: sehr groß. Flächendeckend wahnsinnig positive Kritiken, mehr als eine halbe Milliarde Streams, mehrere Grammy- und Brit-Award-Auszeichnungen – die alternative Gitarrenmusik gehörte 2022 Rhian Teasdale und Hester Chambers. "Catch these fists", die Lead-Single des zweiten Albums "Moisturizer", scheint nahtlos daran anknüpfen zu wollen. Wet Leg lassen ihre Dance-Punk-Riffs im Refrain explodieren, während sie im selbstgedrehten Video vor einem unheimlichen Farmhaus tanzen und dem Ausspucken von Milch seinen ästhetischen Wert abringen – ein wunderbares Beispiel dafür, mit wenigen Mitteln erinnerungswürdige Visuals zu erschaffen. Doch die inzwischen offiziell zum Quintett gewachsene Band hat auf "Moisturizer" mehr als nur Style und schnellzündende Hooks im Sinn.
Im Vergleich zum Vorgänger wird die Platte dementsprechend weniger von klaren Hits dominiert. So direkt wie "Catch these fists" knallt kein anderer Song auf die Tanzfläche, viele versuchen aber auch gar nicht erst, diese Catchiness zu duplizieren. Am ehesten fällt der "Pond song" in diese Kategorie, der mit Verzicht auf eine klassische Strophe-Refrain-Struktur seine mit markantem Bass und Flüster-Vocals aufgebaute Anspannung allerdings erst in der Schlussminute entlädt. Der Opener "CPR" setzt auf die schon auf dem Debüt erprobte Dry-Cleaning-Lakonie und schießt seine Ausbrüche mit subtilerem Schwung aus der Hüfte. "Davina McCall" zielt trotz seiner Auskopplung als Single ebenso wenig auf maximale Eingängigkeit ab, schrammelt sich stattdessen als entspannter Indie-Rocker mit Dreampop-Schlagseite und Country-nahen Licks nach vorne. Mit Fake-Krallen und animalischer Pose grinst uns Teasdale auf dem Cover entgegen, doch die Musik hat meistens alles andere als böse Absichten.
Das ist vor allem darauf zurückzuführen, dass "Moisturizer" in erster Linie einen ganz bestimmten Gefühlszustand kanalisiert: Verliebtsein. Eigentlich wollte Teasdale mit Liebesliedern nichts am Hut haben, doch ihr privates Glück zwang sie schlicht dazu. Dass dies nicht mit einer oder mehreren Runden im Klischeekarussell einhergeht, versteht sich von selbst: "So many creatures in the fucking world / How could I be your one? / Be your marshmallow worm?", wundert sich etwa das von Akustikgitarren gestreifte "Liquidize". Auch "Pokemon" trägt die Herzaugen-Brille leicht schief, steht dabei mit seinem verhallten Achtziger-Groove exemplarisch für eine zweite Albumhälfte, in der Wet Leg stilistisch einiges ausprobieren. So trommelt sich "Pillow talk" im krassen Kontrast dazu durch den tiefgestimmten Dreck, bevor Metal-nahe Saitenabfahrten den einen oder anderen Erdrutsch auf der Isle of Wight auslösen. Irgendwo muss es ja auch hörbar sein, dass die fünf ihre gemeinsamen Abende nach den Aufnahme-Sessions mit Horrorfilmen verbrachten.
"Don't speak" gibt den Verstärkern im Anschluss weiterhin viel zu tun, taucht die Gitarren aber eher in krachende Neunziger-Fluten zwischen Shoegaze und Grunge. Gerade das letzte Albumdrittel gestalten Wet Leg in diesem Sinne auffällig abwechslungsreich, bewahren bei fast allen ihren Ausflügen Tightness und Qualität. "Fast", weil die Balladen-Annäherung "11:21" etwas ziellos mäandert, wobei zumindest Chambers ein paar interessante Akzente mit einer Tin Whistle setzt. Viel besser macht es der Closer "U and me at home": Psychedelisch angesägte Strophen und ein mehrstimmiger Mega-Refrain formen sich zu einer astreinen Britpop-Hymne. Von der Indie-Disco zu den großen Festival-Bühnen ist es schließlich ein logischer Schritt – und wenn dieser mit so viel Geschmackssicherheit und Charakter wie hier passiert, ist daran nichts auszusetzen.
Highlights
- Catch these fists
- Pillow talk
- Don't speak
- U and me at home
Tracklist
- CPR
- Liquidize
- Catch these fists
- Davina McCall
- Jennifer's body
- Mangetout
- Pond song
- Pokemon
- Pillow talk
- Don't speak
- 11:21
- U and me at home
Gesamtspielzeit: 38:22 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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MickHead Postings: 11985 Registriert seit 21.01.2024 |
2026-05-26 18:04:36 Uhr
Am 10.07. kommt die Deluxe Edition.https://wetleg.bandcamp.com/album/moisturizer-deluxe |
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Arne L. Postings: 3281 Registriert seit 27.09.2021 |
2026-04-03 10:01:26 Uhr
Gerade nochh mal das Tiny Desk Concert gehört/geschaut und find's echt sehr lässig. Mir ist das erste Mal auch eine kleine Nähe zu The Cardigans aufgefallen. |
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Arne L. Postings: 3281 Registriert seit 27.09.2021 |
2025-07-23 23:45:29 Uhr
@SiebenEuroVier Wenn ich das richtig verstehe, sind die antizyklisch und bilden quasi im Wochenrhythmus zu Wochenbeginn ab. Deshalb auch der Name "Update". |
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SiebenEuroVier Postings: 1304 Registriert seit 17.05.2025 |
2025-07-19 13:02:07 Uhr
„ Ich frage mich warum man drölfzig unnötige chartskategorien braucht ?“Fürs Label/Analyse der Vermarktung ist das nützlich, und dann macht es auch gleich für die Öffentlichkeit sichtbar. Aber was zur Hölle sind die „ UK Update Albums Charts“? |
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Arne Anderson Postings: 217 Registriert seit 26.01.2022 |
2025-07-19 12:55:08 Uhr
Mir gefällt's besser als der Vorgänger. Meine Highlights sind liquidize, mangetout, pokemon und u and me at home (toller Albumcloser). Wäre nach den ersten Durchgängen wohl bei einer 7,5/10 mit Tendenz zur 8. |
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Referenzen
Dream Wife; Sports Team; Lime Garden; The Beths; Veruca Salt; Hole; The Breeders; The Joy Formidable; Franz Ferdinand; The Strokes; The Libertines; The Hives; Wolf Alice; Hinds; Amyl And The Sniffers; Lambrini Girls; Sprints; Momma; Illuminati Hotties; Alvvays; Beach Bunny; Bully; Camp Cope; English Teacher; Dry Cleaning; Viagra Boys; Parquet Courts; Sorry; Bodega; Yard Act; Bombay Bicycle Club; The Big Moon; Horsegirl; Nilüfer Yanya; PJ Harvey
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