Monika Roscher Bigband - Witchy activities live
Zenna / Membran
VÖ: 20.06.2025
Unsere Bewertung: 8/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
Größe im Wahn
Die Monika Roscher Bigband ist seit dem Release des gefeierten Albums "Witchy activities and the maple death" nicht nur Eingeweihten ein Begriff. Volle Konzerthallen, diverse Preise, mediale Aufmerksamkeit – Roscher und ihre Mitmusiker finden plötzlich nicht mehr nur in der Besenkammer des Feuilletons statt. Wer hierfür noch einen greifbaren Beweis braucht, möge sich "Witchy activities live", das erste Live-Album des Projekts aneignen. Die Band zeigt hier, dass sie keine Studiotricks braucht, um einem den Atem zu rauben. Die schiere musikalische Qualität des Dargebotenen macht immer wieder sprachlos, auch weil der Livesound der Band deutlich wuchtiger daherkommt als in der fein austarierten Konservenversion.
So ist "Witches brew" noch immer eine komplett irre Abfahrt durch alle Gemütszustände. Die Pauken dröhnen, die Bläser überbieten sich gegenseitig mit wahnwitzigen Läufen. Zusammengehalten wird der Laden von der äußerst präzisen und teils auch von Samples unterwanderten Rhythmussektion. Währenddessen spielt die Bandleaderin auf ihrer Gitarre um ihr Leben, während sie ihre ebenso kryptischen wie einprägsamen Zeilen ins Mikrofon haucht. Ja, das ist alles immer noch genauso geil wie am ersten Tag. So völlig anders, so herrlich eigenartig – und doch so unverschämt catchy, dass man selbst nach dem zehnten Tempo- oder Taktwechsel nicht aus dem Grinsen herauskommt. Besonders die Soli wirken live viel organischer. Auch wenn die Songs nur selten bekannte Bahnen verlassen, bleibt doch genug Raum für Improvisation.
Ein weiteres Highlight ist "8 Prinzessinnen", das noch immer in der Lage ist, tiefe Furchen ins Großhirn zu fräsen. Besonders die Breakbeat-Passagen gewinnen vor Publikum an Intensität. Welches Genre das nun eigentlich ist, bleibt natürlich weiterhin unbeantwortet. Aber wer sich für derlei Firlefanz interessiert, sortiert Käse im Kühlschrank nach dem Farbton. Auch "Firebird" hat nichts von seiner urtümlichen Wucht verloren, im Gegenteil: Live wirkt der Song deutlich aggressiver, was vor allem auf die famose Dynamik des Dargebotenen zurückzuführen ist. Leise, verletzliche Momente koexistieren mit ungezügelter Spielfreude. Und am Ende fackelt die Band dann alles ab, was nicht bei drei auf der Brandschutzleiter ist. Wer dann immer noch mehr braucht, kommt mit "Creatures of dawn" auf seine Kosten, denn hier gibt es ein Trompetensolo zu hören, das mit "unfassbar" noch vorsichtig umschrieben ist.
"Witchy activities live" erscheint nicht als Stream, sondern nur auf CD und LP. Käufer der LP-Version erhalten mit "Future 3" und "Carribean delirium" zwei feine Bonustracks, die sich nicht vor dem Rest verstecken müssen. Ferner beschließen die Setlist einige ältere Songs, wobei vor allem "Illusion" herausragt. Was in diesen acht Minuten passiert, passt auf keine Kuhhaut. Ob das eine sprachlich sinnvolle Beschreibung war, sei dahingestellt. Doch auch der Closer "When I fall in love" weiß zu begeistern, was primär an dem grandiosen Gitarrensolo Roschers liegt, in dem sie das Verzerrerpedal durchtritt und Virtuosität mit Feingefühl vereint. Und so gelangt man zu einer ebenso simplen wie wahren Erkenntnis: Die Monika Roscher Bigband duldet keinen Widerspruch, man muss ihr huldigen. So will es das Gesetz.
Highlights
- Witches brew
- Firebird
- Creatures of dawn
- Illusion
Tracklist
- Queen of spades
- Witches brew
- Firebird
- 8 Prinzessinnen
- Future 3
- Creatures of dawn
- Caribbean delirium
- A taste of the apocalypse
- Terror tango
- Illusion
- When I fall in love
Gesamtspielzeit: 73:12 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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Güne Postings: 1 Registriert seit 15.07.2025 |
2025-07-15 17:51:32 Uhr
Na, die gute Moni hat doch auch ne 8 bekommen 😉 ...meine CD der Woche, great |
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HerrH. Postings: 168 Registriert seit 04.02.2021 |
2025-07-14 14:38:05 Uhr
Absolut richtig - Schon bestellt! |
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Grizzly Adams Postings: 6649 Registriert seit 22.08.2019 |
2025-07-14 14:26:16 Uhr
Interessante und mutige Entscheidung, das Live-Album lediglich haptisch zu veröffentlichen. Gegen den Trend, aber auch konsequent, hier vor allem bzw ausschließlich die Fangemeinde zu bedienen. Und möglicherweise sogar finanziell lukrativer für die Band. |
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 30437 Registriert seit 08.01.2012 |
2025-07-13 20:56:59 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert. Meinungen? |
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Referenzen
Frank Zappa; Berlin Contemporary Jazz Orchestra; Miles Davis; Centipede; Either/Orchestra; ICP Orchestra; Loose Tubes; Liberation Music Orchestra; Sun Ra And His Arkestra; Charles Mingus; Shibusashirazu; The Jazz Composer's Orchestra; Peter Brötzmann; Don Ellis; Charlie Haden; The Mars Volta; King Crimson; Soft Machine; Björk; Le Faux Ensemble; Mike Westbrook; Maurice Ravel; Anthony Braxton; The Carla Bley Band; Brad Mehldau; The Cinematic Orchestra; Mahavishnu Orchestra; Ezra Collective; Nojo
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