Mansur - Pentatonic ruins
Denovali / Cargo
VÖ: 06.06.2025
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 5/10
Augenblick, verweile doch
Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unseren Nachthimmel. So lautet seit der Degradierung Plutos zum Zwergplaneten der Merkspruch für die Planeten im Sonnensystem. Blickt man auf die Trackliste von "Pentatonic ruins", dem neuen Album des größtenteils niederländischen Projekts Mansur, fallen zwei Dinge auf: Zum einen sind die Planetenbezeichnungen auf Ungarisch, was sicher auch mit der aus Ungarn stammenden Sängerin Martina Horvàth zu tun hat. Zum anderen ist die Reihenfolge durcheinandergeraten. "Nap", die Sonne, strahlt noch da, wo sie hingehört. Danach herrscht Chaos auf den Umlaufbahnen. Was Astronomen kalten Schweiß auf die Stirn treibt, ist für Mansur glücklicherweise von der Kunstfreiheit gedeckt.
Musikalisch greift das Album bereits bekannte Ideen der Band auf und interpretiert sie neu. Im Zentrum der aufgefrischten Arrangements steht die bezaubernde Stimme Horvàths, die federleicht über den Instrumentals schwebt. Die Einflüsse des Trios reichen vom Trip-Hop der Neunziger über magyarische Folklore bis hin zu Elementen aus dem Ambient-Bereich. Man könnte auch sagen, dass Mansur wie Enigma klingen, wenn Enigma nicht schrecklich wären. Denn im Gegensatz zu Michael Cretus seelenlosem Gedudel wohnt "Pentatonic ruins" ein Zauber inne, der über den Anfang hinausreicht. Schlurfende Beats treffen auf wolkige Streicher, während Synthesizer-Flächen die Zwischenräume mit Wärme fluten.
Dabei ist die Musik zwar selten aufdringlich, aber auch nie bloßes Nebengeräusch. Zu dicht, zu ausgefuchst sind die Kompositionen. So begeistert "Higany" beispielsweise mit einer famosen melodischen Steigerung, die auch von der äußerst differenzierten Produktion profitiert. "Venusz" übt sich hingegen in meditativer Versenkung. Rückwärts abgespielte Drumsamples werden vom Bass verschluckt, während ringsum sowohl elektronische als auch akustische Instrumente um die Aufmerksamkeit der Hörer buhlen. Irgendwo dazwischen schillert Horvàths klarer Sopran. Ungemein düsterer geht es in "Jupiter", der Massephase unter den Planeten, zu. Vom Schwerefeld des Gasriesen angezogen, stürzt der Track sukzessive in dessen endlose Wolken. Dort warten mächtige Gitarrenakkorde, die kein Entkommen dulden.
Weiter draußen findet man schließlich "Uranusz", der in konstanter Schräglage einsam seine Kreise zieht. Passend zu den ewigen Stürmen, die auf dem blassblauen Eisriesen toben, kühlen Mansur die Temperatur im Tonstudio auf das Mindestmaß des Erträglichen ab. Es ließen sich eigentlich fast alle Songs lobend erwähnen, doch "Pentatonic ruins" ist letzten Endes mehr als die Summe seiner Teile. Die Klarheit, mit der Mansur ihre künstlerische Vision verfolgen, nötigt nicht nur Respekt ab, sie steht auch sinnbildlich für ein Projekt, das es verdient hat, mehr als nur ein Geheimtipp zu sein. Im Brei der allumfassenden Gleichförmigkeit sind Bands wie Mansur ein Augenblick guten Geschmacks. Auch wenn sich aus ihrer Version des Sonnensystems kein Merkspruch bauen lässt.
Highlights
- Higany
- Venusz
- Jupiter
Tracklist
- Nap
- Szaturnusz
- Neptun
- Higany
- Föld
- Venusz
- Jupiter
- Uranusz
- Hold
Gesamtspielzeit: 36:45 min.
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Hierkannmanparken Postings: 2993 Registriert seit 22.10.2021 |
2025-07-13 22:59:00 Uhr
Das klingt richtig interessant, wird gleich morgen gehört |
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 30423 Registriert seit 08.01.2012 |
2025-07-13 20:56:23 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert. Meinungen? |
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Referenzen
The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble; Ethereal Norse; Bastien Pons; Ægir; Mathias Delplanque; Astralseid; Vatet; Niel Mitra; Canonzieri; Massive Attack; Portishead; Alina Anufrienko; Alembik; Keiler; Velibor Weller; Empusae; Lisa Cuthbert; Antonina Car; Petr Bursa; Beckahesten; The Weird Rider; Orsaya; Enigma; Cosmic 22; Ariston Aria; The Sanctity Of Crows; Galgo; Fox Kraft; Cleo T.
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- Mansur - Pentatonic ruins (2 Beiträge / Letzter am 13.07.2025 - 22:59 Uhr)



