Cory Hanson - I love people
Drag City / Indigo
VÖ: 25.07.2025
Unsere Bewertung: 6/10
Eure Ø-Bewertung: 6/10
Hart an der Grenze
Wie sehr kann man sich eigentlich darauf verlassen, dass klassische, Jahrzehnte alte Rezepte funktionieren, nach denen Songs geschrieben, interpretiert und dargeboten werden? Tja, genau diese Frage wirft das neue Album von Cory Hanson auf. Musikalisch knüpft es zwar an Hansons frühere Soloplatten an, zeigt sich jedoch merklich gereifter und ruhiger: Statt düsterem Horror oder überdrehtem Western-Pathos dominieren nostalgische Töne und eine geradezu softe, mittige Produktion im Stil klassischer 70er-Jahre-Singer-Songwriter. Inhaltlich kreist das Album einmal mehr um das amerikanische Leben – voller Gegensätze, tragikomisch, schön und gebrochen zugleich.
Müsste man "I love people" in eine Schublade stecken, dann wäre es wohl am ehesten diejenige, die mit "Country" beschriftet ist, allerdings mit deutlichem Singer-Songwriter-Einschlag: Hier wird also weniger mit zahlreichen Musikern zum geziemendem Squaredance gebeten, die Songs sind im Zweifelsfall eher sparsam instrumentiert. Die ganz große Schöpfungshöhe oder gar innovative Experimente sucht man vergebens, dafür gibt es aber innerhalb der relativ eng abgezirkelten Genregrenzen einiges zu entdecken. Besonders stark ist Hanson, wenn er mit seiner ungewöhnlich hohen, zarten Stimme auslotet, was im Balladenmodus so möglich ist. "Bad miracles" und "Lou Reed" sind mithin die stärksten Stücke, weil sie echte Emotionen mitbringen – und zuverlässig beim Zuhören abrufen können. Da bedarf es dann auch gar keines übermäßig ausgefeilten Songwritings; die Stärke dieser Songs zeigt sich eher darin, dass man sie eigentlich nicht nur zwei bis drei Minuten lang gut hören könnte, sondern auch in doppelter Länge goutieren würde.
Auf der anderen Seite stehen jedoch auch einige Nummern, die ein wenig flügellahm daherkommen: Ausgerechnet das Titelstück "I love people" wirkt merkwürdig antriebslos, trotz des lebensbejahenden Titels. Ebenso fragt man sich, warum es zwingend erforderlich ist, einen Track wie "Santa Claus is coming to town" im Hochsommer herauszubringen – wäre es Satire, dann zumindest eine nicht übermäßig originelle. Trotzdem finden sich auch einige Highlights in unserer Liste – was ein wenig die Zerrissenheit spiegelt, die wir beim Konsum dieses Albums empfinden. Denn: Es zerfällt im Grunde in nicht wenige richtig gute Songs, leider aber auch etwa ebenso viele, die schlicht und einfach etwas interessanter sein könnten. Wie so oft in diesem Genre: Es entscheidet am Ende die persönliche und aktuelle Gemütskostümierung, ob man "I love people" mag und dauerhaft auf die persönliche Playlist setzt: Fährt man mit dieser CD im Autoradio durch weite und offene Landschaften, dann bietet sie einen blitzsauberen, ja makellosen Soundtrack. Hört man sie hingegen im aufreibenden Alltagsgetöse der Großstadt, dann mag sie etwas beliebig erscheinen und auch etwas zu wenig Widerhaken setzen. Am Ende ist das aber auch nicht schlimm: Cory Hanson zeigt zumindest, dass er langstreckentauglich musiziert und genügend gute Tracks mitbringt, um mit seiner Musik die passende Untermalung für ein zünftiges Herumsitzen im Garten an der Feuerschale zu bieten. Ist doch was!
Highlights
- Lou Reed
- Bad miracles
- Old policeman
- On the rocks
Tracklist
- Bird on a swing
- Joker
- I love people
- I don't believe you
- Santa Claus is coming back to town
- Lou Reed
- Final frontier
- Texas weather
- Bad miracles
- Old policeman
- On the rocks
Gesamtspielzeit: 37:14 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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cargo Postings: 850 Registriert seit 07.06.2016 |
2025-08-08 17:16:31 Uhr
Bin dann doch enttäuscht von dem Album. Hatte mit abwechslungsreicherem Songwriting gerechnet. Stattdessen kommt die Platte überaschend bieder daher. |
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Quirm Postings: 518 Registriert seit 14.06.2013 |
2025-08-03 16:05:14 Uhr
Für mich ein sehr schönes unaufgeregtes Album. Mag sowas ja zwischendurch sehr gerne. Mag aber sein Songwriting, ob Solo oder mit Wand, sehr. |
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MickHead Postings: 11306 Registriert seit 21.01.2024 |
2025-07-25 17:24:27 Uhr
Komplette Playlist bei YouTube:https://youtube.com/playlist?list=OLAK5uy_kaIV6ywKOoQ5nEvWyvHXOgkxLifsaw_hQ&si=ONh-Ya81DZUE-zd_ |
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 30514 Registriert seit 08.01.2012 |
2025-07-13 20:56:14 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert. Meinungen? |
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Obrac Postings: 2857 Registriert seit 13.06.2013 |
2025-06-18 19:31:59 Uhr
Pale Horse Rider war überragend, die letzte Platte war mir irgendwie zu rockig. Die Vorabsongs klingen aber wieder so, wie ich es eher von ihm mag. |
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Referenzen
Cut Worms; Jim James; My Morning Jacket; Yim Yames; Wand; The Natvral; Hamilton Leithauser; The War On Drugs; Kurt Vile; Kurt Vile & The Violators; Bruce Springsteen; Bruce Springsteen & The E-Street Band; The Bruce Springsteen Band; Tom Petty; Tom Petty & The Heartbreakers; Neil Young; Joe Jackson; Neil Young & Crazy Horse; Crosby, Stills, Nash & Young; Crosby, Stills & Nash; Bob Seger; Steve Earle; Tom Cochran; Chris Rea; Don Henley; Creedence Clearwater Revival; The Band; Yo La Tengo; The Folk Implosion; Monsters Of Folk; Wilco; Silver Jews; Calexico; The Low Anthem; Band Of Horses; Vetiver; Midlake; Phosphorescent; Grizzly Bear; Califone; Bonnie 'Prince' Billy; Fleet Foxes; American Music Club; Mark Eitzel; Sebadoh; Pajo; John Fahey; Jack Rose; Thurston Moore; Ducktails; J Mascis; Destroyer; Cass McCombs; Palace Winter; Ryan Adams; Whiskeytown; Ryan Adams & The Cardinals; Jackson Browne; Gram Parsons; Sparklehorse; Shearwater; Angel Olsen; Sharon Van Etten
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