Billie Marten - Dog eared
Fiction / Virgin / Universal
VÖ: 18.07.2025
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 6/10
Direkt ins Herz
Ein warmer Septemberabend, an dem die Sonne tief steht und die letzten Momente des Sommers für Trübsinn sorgen: Diese Bilder ruft Billie Martens fünftes Album "Dog eared" hervor. Die Singer-Songwriterin ist für die Aufnahme nach New York gereist, um dort mit Produzent Phil Weinrobe zu arbeiten. Das Ergebnis klingt nicht nach der Hektik der Großstadt, sondern nach leisen, intimen Momenten in vier Wänden. Mit rund 38 Minuten ist "Dog eared" kompakt. Aber die Kürze ist kein Mangel, sondern spiegelt ein sorgfältig ausgewähltes Song-Repertoire wider. Der Opener "Feeling" zeigt direkt, wohin die Reise geht: sanfte Akustikgitarre, Bass-Töne, Martens hauchzarte Stimme und eine angenehme Melancholie, die niemals in reinen Schwermut abdriftet. An diesem Erfolgsrezept schraubt sie im Laufe des Albums nur wenig.
Dass die Songs live eingespielt wurden, unterstützt die intime Atmosphäre und erzeugt gleichzeitig einen sanften Retro-Sound. Nach ähnlichem Prinzip funktioniert auch Clairos entzückendes und souliges "Charm". Auch Vergleiche mit Joni Mitchell oder Feists Debüt "Let it die" sind treffend. Marten vereint sensiblen Pop und Folk-Sounds. Ihre Stimme passt sich dem an: Sie klingt mal wie federleichtes Flüstern, kann aber auch kraftvoll sein. Besonders schön ist das bei "Leap year": Marten schwankt zwischen hauchzartem Falsett und rauerer Tiefe – ein Wechsel, der nicht kalkuliert wirkt, sondern organisch und fast beiläufig. Die Arrangements sind reduziert, setzen aber gezielt Akzente: dort eine sanfte Pedal-Steel-Gitarre, hier ein subtiles Keyboard.
"No sudden changes" baut eine smoothe E-Orgel ein, während Martens Gesang im Refrain immer rasanter wird. Der Song hat subtilen Jazz-Charakter, der erst zum Ende wieder von klassischen Songwriter-Gitarrenakkorden gebrochen wird. "Crown" ist das genaue Zwischenspiel von Folk und Pop: "The cat sits in the shade and I am not afraid", singt Marten im Refrain und liefert schon mit diesem simplen Reim Ohrwurm-Potenzial. Die überlappenden Instrumente dazu klingen improvisiert – das Gefühl einer Jam-Session, der man nur zufällig bewohnt, kommt auf. Bass spielt in den meisten Songs von Billie Marten die musikalische Hauptrolle. Rhythmisch sanft gezupft, erdet er die Stücke und prägt die geruhsame Grundstimmung des Albums. Was "Dog eared" besonders macht, ist die Balance zwischen Schwermut und Hoffnung. Marten schafft es, traurig zu klingen, ohne dass man sich je schlecht fühlt. Ihre Texte sind keine großen Gesten, sondern kleine Beobachtungen, die direkt ins Herz treffen. Sie beweist außerdem, dass leise Töne oft die stärksten sind.
Highlights
- Crown
- No sudden changes
- Leap year
Tracklist
- Feeling
- Crown
- Clover
- No sudden changes
- The glass
- Leap year
- Goodnight moon
- Planets
- You and I both
- Swing
Gesamtspielzeit: 37:37 min.
Album/Rezension im Forum kommentieren
Teile uns Deine E-Mail-Adresse mit, damit wir Dich über neue Posts in diesem Thread benachrichtigen können.
(Neueste fünf Beiträge)
| User | Beitrag |
|---|---|
|
MickHead Postings: 11270 Registriert seit 21.01.2024 |
2025-07-18 18:41:33 Uhr
Komplette Playlist bei YouTube:https://youtube.com/playlist?list=OLAK5uy_mResuxBnTYoSs9KoD0E70q2R3z3uEe8EU&si=Ize8CGlduFzOfG0x |
|
Armin Plattentests.de-Chef Postings: 30514 Registriert seit 08.01.2012 |
2025-07-13 20:56:48 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert. Meinungen? |
|
MickHead Postings: 11270 Registriert seit 21.01.2024 |
2025-06-18 23:53:38 Uhr
5. Song "Clover"https://youtu.be/2GuIlLlAhU4?si=s-XG5yg95TJKhWfz |
|
MickHead Postings: 11270 Registriert seit 21.01.2024 |
2025-05-14 20:29:17 Uhr
4. Song "Swing"https://youtu.be/XRZ5P5ocIyo?si=07dS5iP909pxSiKJ |
|
MickHead Postings: 11270 Registriert seit 21.01.2024 |
2025-04-16 23:23:07 Uhr
3. Song "Leap Year"https://youtu.be/eiUsqEVGbKI?si=DBOad9_1av8dsY_m |
Hinterlasse uns eine Nachricht, warum Du diesen Post melden möchtest.
Referenzen
Feist; Fenne Lily; Soak; Joni Mitchell; Stars; Kate Bollinger; Clairo; Minnie Riperton; Amy Millan; Samia; Julien Baker; Phoebe Bridgers; Better Oblivion Community Center; Sharon Van Etten; The Staves; Lucy Rose; Tiny Ruins; A Camp; Nina Persson; Julia Jacklin; Soccer Mommy; Mitski; Weyes Blood; Lykke Li; Nilüfer Yanya; Julia Stone; Avec; Boy; Belle And Sebastian; Marika Hackman; Rozi Plain; London Grammar; Frances; Daughter; The Japanese House; Cloves; Oh Wonder; Aurora
Bestellen bei Amazon
Weitere Rezensionen im Plattentests.de-Archiv
Threads im Plattentests.de-Forum
- Billie Marten - Dog eared (6 Beiträge / Letzter am 18.07.2025 - 18:41 Uhr)
- Billie Marten - Flora fauna (7 Beiträge / Letzter am 21.05.2021 - 22:50 Uhr)
- Billie Marten - Feeding seahorses by hand (5 Beiträge / Letzter am 27.04.2020 - 21:41 Uhr)





