Heaven Shall Burn - Heimat
Century Media / Sony
VÖ: 27.06.2025
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
Das wird man wohl noch sagen dürfen
Eine Band aus Thüringen, einem Bundesland, in dem bekanntermaßen aktuell, nun ja, eine komplizierte politische Stimmung herrscht. Ein röhrender Hirsch auf dem Cover, der schon ein bisschen so aussieht wie auf Uropas alten Wandbildern. Und mit "Heimat" ein Albumtitel, der in diesem Kontext nicht immer völlig unumstritten ist. Sagen wir mal so: Es gibt Bands, die schon für weniger in den braunen Keller gesteckt worden sind. Nun reden wir allerdings von Heaven Shall Burn, und wer sich in der Vergangenheit ein wenig mit der Band und ihrer politischen Haltung beschäftigt hat, weiß: Kaum haben sich diese Gedanken ins Hirn gesetzt, ist die Falle zugeschnappt. Denn Heimat, das ist für eine der erfolg- und einflussreichsten Extrem-Metal-Bands Deutschlands immer noch die Heimat des Geistes, der Haltung. Sagt zumindest Gitarrist, Bandsprachrohr und – das nur am Rande – promovierter Staatsrechtler Maik Weichert.
Es ergibt in dem Zusammenhang also absolut Sinn, dass das Intro "Ad arma" (für Nicht-Lateiner: "Zu den Waffen") das zehnte Studioalbum eben nicht mit großem Pathos einläutet, sondern mit nachdenklichem, düsterem Orchester. Die Erklärung folgt mit dem ersten Song "War is the father of all" – ein Zitat des griechischen Philosophen Heraklit. Natürlich ist dieser Song vom Krieg in der Ukraine beeinflusst, natürlich machen die Thüringer klar, dass mit "all" eben vor allem Tod und Zerstörung gemeint sind. Genau diese Schwermut wird durch Orchester und einen Chor aus ukrainischen Sängerinnen und Sängern perfekt untermalt, rückt den Sound aber auch gekonnt in die Richtung von Bands wie Fleshgod Apocalypse.
Eine reine Metalcore-Band sind Heaven Shall Burn schon längst nicht mehr, und so wird auch das ruppige "My revocation of compliance" von einem nackenmordenden Mittelteil zerhackt, während "Confounder" glatt mit ein paar gekonnt gesetzten Keyboards überrascht und "Empowerment" mal eben augenzwinkernd Glenn Danzigs "Mother" zitiert. Tatsächlich ist das wüste Fratzengeballer von "Those left behind" zwar immer noch gutklassig, aber angesichts des ansonsten vorherrschenden Ideenreichtums eher gewöhnlich. Am tiefsten zu den Metalcore-Wurzeln dringt da noch die Coverversion von "Numbered days" von Killswitch Engage vor, erst recht durch den Gastbeitrag von deren Frontmann Jesse Leach. Doch komischerweise ist es genau dieser Song, der nicht so reibungslos fließt wie der Rest.
Denn der kann das Niveau durchgängig hoch halten. Vor allem " A whisper from above" besticht durch seine filigrane Gitarrenarbeit und feuert schon zum Auftakt mehr Hooks ab als manch andere Metalcore-Band auf Albumlänge, bevor Markus Bischoff nicht zum ersten Mal das Kunststück vollbringt, Melodien auch schreien zu können. Am Ende bekommt der Sänger mit "A silent guard", das Mitarbeitenden in Pflege, Rettungsdiensten und anderen vergleichbaren Berufen gewidmet ist, sogar noch ein eigenes kleines Denkmal gesetzt – auch wenn er es selbst vehement abstreiten würde. Zur Erinnerung: Am Höhepunkt der Corona-Pandemie ließ der gelernte Krankenpfleger Bischoff sämtliche Bandaktivitäten ruhen, stürzte sich in den Schichtdienst, veröffentlichte einige sehr bewegende Videoaufnahmen und verlieh so den vielen Helfenden Gesicht und Stimme. Genau diese Erdung, die Verbindung zur Gesellschaft ist der Heimatbegriff, den Heaven Shall Burn nach eigener Aussage transportieren wollen. Natürlich wird es Zeitgenossen geben, denen dieses Herz zu weit links schlägt. Zeitgenossen, auf die die Band – und nicht nur die – gerne verzichtet. "Heimat" – also das Album – ist hingegen auch ohne diesen gedanklichen Überbau ganz und gar nicht verzichtbar. Es gibt nicht allzu viele Bands hierzulande, die Heaven Shall Burn in dieser Form das Wasser reichen können.
Highlights
- War is the father of all
- Confounder
- A whisper from above
Tracklist
- Ad arma
- War is the father of all
- My revocation of compliance
- Confounder
- Empowerment
- A whisper from above
- Imminence
- Those left behind
- Ten days in May
- Numbered days (feat. Jesse Leach of Killswitch Engage)
- Dora
- A silent guard
- Inter arma
Gesamtspielzeit: 51:06 min.
Album/Rezension im Forum kommentieren
Teile uns Deine E-Mail-Adresse mit, damit wir Dich über neue Posts in diesem Thread benachrichtigen können.
(Neueste fünf Beiträge)
| User | Beitrag |
|---|---|
|
Klaus Postings: 12713 Registriert seit 22.08.2019 |
2025-07-24 12:19:38 Uhr
27.02.26 Inselpark Arena, Hamburg 28.02.26 Palladium, Köln 06.03.26 Porsche-Arena, Stuttgart 07.03.26 Schlachthof, Wiesbaden 08.03.26 Halle 622, Zürich 13.03.26 Columbiahalle, Berlin 14.03.26 SPK-Arena, Jena 19.03.26 Gasometer, Wien 20.03.26 Messe, Dresden 21.03.26 Zenith, München The Halo Effect, The Black Dahlia Murder & Frozen Soul 70 € allerdings, was man so hört. |
|
regger Postings: 523 Registriert seit 31.03.2021 |
2025-06-30 08:04:42 Uhr
Gutes Album aber wie beinahe bei jedem HSB Album in der Produktion das gewisse etwas liegen gelassen. Ich kann mich auf Dauer mit dem verwaschenen Sound nicht anfreunden und verstehe es nicht, wie man die Instrumente zu solch einem Brei vermixen kann. Wie geil wärs da das Schlagzeug mal ordentlich zu hören und die Gitarren bei einem Breakdown clean genießen können. Muss irgendwie an der Trademark liegen dieser Sound... |
|
kiste Postings: 306 Registriert seit 26.08.2019 |
2025-06-28 13:17:36 Uhr
Ich höre jedes HSB Album. Haben mir in ihren Anfangsjahren vor allem live viel Spaß gemacht. Meine Favoriten sind immer noch die ersten 3 Album die bei Lifeforce rauskamen. So schön ungehobelt und war damals einfach was frisches. |
|
Armin Plattentests.de-Chef Postings: 30004 Registriert seit 08.01.2012 |
2025-06-27 20:11:39 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert. Meinungen? |
|
MickHead Postings: 9572 Registriert seit 21.01.2024 |
2025-06-27 13:50:22 Uhr
Komplette Playlist bei YouTube:https://youtube.com/playlist?list=OLAK5uy_lIUR7GJS7d9wEVgrHDWBX_V_dLmQGlmq8&si=RmDatj0DQEZBX-mI |
Hinterlasse uns eine Nachricht, warum Du diesen Post melden möchtest.
Referenzen
Architects; Between The Buried And Me; Machine Head; Kreator; Children Of Bodom; Neaera; Misery Speaks; Caliban; Maroon; Narziss; Fear My Thoughts; As I Lay Dying; Hatebreed; Killswitch Engage; Unearth; All Shall Perish; As We Fight; Machinemade God; Bleeding Through; Deadlock; Fall Of Serenity; Chimaira; Parkway Drive; Darkest Hour; Purified In Blood; The Black Dahlia Murder; Himsa; Destiny; End Of Days; Throwdown; Lamb Of God; Sworn Enemy; As Blood Runs Black; Diecast; The Agony Scene; Maintain; Deadsoil; Martyr Ad; Dead To Fall; By Night; Walls Of Jericho
Bestellen bei Amazon
Weitere Rezensionen im Plattentests.de-Archiv
Heaven Shall Burn - Veto
(2013)
Heaven Shall Burn - Invictus
(2010)
Threads im Plattentests.de-Forum
- Heaven Shall Burn - Heimat (7 Beiträge / Letzter am 24.07.2025 - 12:19 Uhr)
- Heaven Shall Burn - Wanderer (10 Beiträge / Letzter am 29.06.2023 - 09:41 Uhr)
- Heaven Shall Burn (69 Beiträge / Letzter am 09.01.2023 - 15:31 Uhr)
- Our Loss Is Total - A roar in the deep (Heaven shall burn und Neaera) (2 Beiträge / Letzter am 21.12.2022 - 16:13 Uhr)
- Heaven Shall Burn - Of Truth And Sacrifice (7 Beiträge / Letzter am 07.04.2020 - 19:09 Uhr)
- Heaven Shall Burn jetzt Trikotsponsor von Carl Zeiss Jena (11 Beiträge / Letzter am 01.05.2018 - 20:46 Uhr)
- Heaven Shall Burn - Deaf to our prayers (39 Beiträge / Letzter am 15.09.2009 - 13:01 Uhr)
- Heaven Shall Burn vs. Caliban - The split program II (5 Beiträge / Letzter am 01.03.2006 - 18:47 Uhr)







