Goddess - Goddess
Bella Union / Rough Trade
VÖ: 30.05.2025
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 6/10
Die Stimmen der Natur
Fay Milton ist eine Frau mannigfaltiger Talente. Die Schlagzeugerin der seit 2016 pausierenden Post-Punkerinnen Savages hat die Pro-Natur-Organisation "Music Declares Emergency" mitbegründet, eine Doku-Serie zum Thema Klimawandel gedreht, und dass sie Multiinstrumentalistin ist, versteht sich fast von selbst. Nur mit Vocals hält sich die Britin zurück – auch bei ihrem Projekt Goddess, das sich zumeist fernab des Sounds ihrer Hauptband bewegt. Doch wozu selbst singen, wenn Milton zahlreiche künstlerisch wertvolle Kontakte zu anderen Musikerinnen und queeren Künstler*innen pflegt? Die bekannteste ist vermutlich Elena Tonra von Daughter, solo als Ex:Re unterwegs, knapp hinterher zockeln Savages-Bassistin Ayse Hassan und Rapperin Shygirl, die hier und da bissiges Songwriting beisteuert. Und das war es im Grunde schon an offensichtlichem Namedropping.
Um solches geht es hier jedoch ohnehin nicht. Vielmehr um den humanistischen Geist eines ausschließlich von Frauen und nonbinären Personen eingespielten Albums, das jeglicher Kategorisierung trotzt. Also bitte nicht allzu sehr auf die zwischen verschleppten Breakbeats und wütenden Gitarren-Eruptionen oszillierende Vorabsingle "Shadows" verlassen, die Tonra mit ihrer zarten, aber standhaften Stimme blendend zusammenhält. Auf "Goddess" ist nämlich vieles erlaubt, während sich Trip-Hop, Torch-Song, Dream Pop und elektrifizierter Post-Punk ihre vier Buchstaben zurechtruckeln: fauchen, barmen, jubilieren, schweinigeln. Letzteres vor allem bei "Animal", einer toll rumorenden Umdeutung von Nine Inch Nails' "Closer", in der Neo-Soul-Sängerin Delilah Holliday lüsternes Benehmen zum Grundrecht erhebt und kleine Piano-Tropfen mit der Zunge auffängt.
Noch expliziter treibt es Salvia, die als androides Mischwesen gleich dreifach durch das Video zu "Fuckboy" cybert, statt der sich ähnlich gerierenden Arca aber lieber den Titelhelden des Songs abschleppen würde: "Less talk, more body / As long as your body is heavy on me." Wegrosten zwecklos. Dazu scheppert großmäuliger Industrial-Trap, der mindestens so viel Haare auf den Zähnen hat, wie bei Milton Klangerzeuger im Studio herumstehen – nicht nur in promiskuitiver Hinsicht ein Hit. Und es gehört zum Prinzip des vielfältigen Gemenschels von "Goddess", dass dieser Grobheit mit "Golden" die beschwörende Interpretation eines Stücks der italienischen Alternative-Rocker Afterhours folgt. Da haucht auch die Londonerin Shadow Stevie ganz kleinlaut ins Mikro, bis eine Klimax aus Klavier-Stakkato und Streicher-Geschwader losbricht – ein Mini-Drama zum Mitfühlen.
Milton selbst denkt in diesen 40 Minuten gar nicht daran, sich über Gebühr in den Vordergrund zu spielen. Und ein nervös paukender Trennungssong wie das von Pumarosas Isabel Muñoz-Newsome gesungene "Bad child", bei dem das Drum-Kit mitten im Raum zu stehen scheint, wird ja noch erlaubt sein. Ebenso wie der Party-Track "Bounce", eine dynamische Club-Sause samt Bass-Gefräse. Ein bisschen Hedonismus muss nun mal sein vor der perkussiven Version des Folk-Klassikers "22nd century" aus der Feder des musikalischen Schamanen Exuma, der schon 1971 Kriege und Pandemien voraussah, aber auch für das eintrat, was heute Biodiversität und Gender Equality heißt. Der bewegende Abschluss einer eindrücklichen FLINTA*-Kollektivleistung voller Vision, Emotionen und Spaß.
Highlights
- Shadows (feat. Ex:Re)
- Animal (feat. Delilah Holliday)
- Fuckboy (feat. Salvia)
- 22nd century (feat. Harriet Rock)
Tracklist
- Little dark (feat. Shingai)
- Shadows (feat. Ex:Re)
- Animal (feat. Delilah Holliday)
- Fuckboy (feat. Salvia)
- Golden (feat. Shadow Stevie)
- Bad child (feat. Isabel Muñoz-Newsome)
- Darling Boulevard (feat. Bess Atwell)
- Diamond dust (feat. Izzy Bee Phillips)
- Bounce (feat. Grove)
- 22nd century (feat. Harriet Rock)
Gesamtspielzeit: 40:01 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 29933 Registriert seit 08.01.2012 |
2025-06-27 20:11:21 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert. Meinungen? |
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MickHead Postings: 9419 Registriert seit 21.01.2024 |
2025-05-28 12:48:11 Uhr
Letzter Song vor dem Release!"Fuckboy (Ft. Salvia)" https://www.youtube.com/watch?v=byRL1TVlI7Q |
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MickHead Postings: 9419 Registriert seit 21.01.2024 |
2025-04-29 16:00:03 Uhr
2. Song "Animal (Feat. Delilah Holliday)"https://youtu.be/9lwn1Dgc8ko?si=L_cvfoc-jBNSWqX6 |
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MickHead Postings: 9419 Registriert seit 21.01.2024 |
2025-03-21 19:06:56 Uhr
Die britische Indie Musikerin "Fay Milton" aus London, Drummer der Indie-Rock Band "Savages", kündigt mit ihrem neuen Project "Goddess" das Debütalbum "Goddess" für den 30.05. anGenre: Indie-Rock, Post-Punk, Electronica, Dreampop Erster Song "Shadows (Feat. Ex:Re)" https://youtu.be/aGj-GGCd_78?si=xvB9DfiBOtIUL_yI "Goddess" bei Bandcamp: https://goddesssounds.bandcamp.com/album/goddess |
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Referenzen
Savages; Shygirl; Anika; Exploded View; Ex:Re; Daughter; Loma; Warpaint; TT; Jennylee; Anna Calvi; Romy; The xx; Little Simz; Nilüfer Yanya; St. Vincent; Sharon Van Etten & The Attachment Theory; The Kills; Bones UK; Arxx; Electrelane; Mazzy Star; Beach House; Widowspeak; Memoryhouse; The Anchoress; No Joy; 2:54; Wye Oak; Black Honey; King Hannah; London Grammar; Portishead; Lamb; Laika; Austra; Caroline Polachek; Jessie Ware; Peggy Gou; Poliça; Sophie; Halsey; Stella Rose; Nine Inch Nails; How To Destroy Angels; Pigface; Siouxsie & The Banshees; R.Y.F.; Jaguar Jonze; Empress Of; Marika Hackman; Pumarosa; The Big Moon; Mitski; Clairo; Arca; Skinny Girl Diet; Noisettes; Grove; Shadow Stevie; Harriet Rock; Nina Simone; Afterhours; Exuma
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