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Fallujah - Xenotaph

Fallujah- Xenotaph

Nuclear Blast / Warner
VÖ: 13.06.2025

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Die Reise ins Nich

Zu Beginn stehen erst einmal völlig musikferne Gedanken: Wieso benennt sich eine Band aus Kalifornien nach einer irakischen Stadt? Beziehungsweise nicht nach irgendeiner irakischen Stadt, sondern jener, die vor einigen Jahren oftmals im Zentrum der Berichterstattung lag. Hier fanden im Zuge des Irakkriegs (und danach) heftige Kämpfe und andere Grausamkeiten statt; allein der Wikipedia-Artikel besteht zum überwiegenden Teil aus Leid. Die Frage scheint die Band schon häufiger gehört zu haben – so steht auf der offiziellen Labelseite ein Disclaimer dazu. Zur Zeit der Bandgründung war es eines der beherrschenden Themen; man wollte die Spannungen zwischen Ost und West, zwischen Kulturen und Ideologien aufgreifen und auch die Atmosphäre von Konflikt und Zerstörung spiegeln. So viel zur Historie – auch deshalb, weil die Suche nach Besprechungen und Erwähnungen von Fallujah in unserem Archiv bislang sehr spärlich besetzt ist. Und das, obwohl sie nun schon seit 2007 zusammen musizieren und bereits eine beachtliche Zahl an Veröffentlichungen im Katalog haben.

Eine Handvoll verschiedener Schubladisierungen finden sich für das, was war – und das, was auch auf Longplayer Nummer sechs vorherrscht. Deathcore zu Beginn, Death Metal, mal mit der Vorsilbe "Technical", mal "Progressive" im Verlauf der Zeit. Und auch die pechschwarze Variante, der Black Metal, darf – aufgrund der Art und Weise, wie Fallujah ihre Instrumente malträtieren – nicht fehlen. Die bislang vorhandene Lücke in unserem Archiv nachzuarbeiten, zeigt: Je früher, desto brachialer gingen sie zu Werke. Dass es überhaupt einen Einstieg wie "In stars we drown" gibt, war lange undenkbar. Aber nun: Pink-Floydeske Gitarrenspuren, dem Space-Rock huldigend, dazu eine fast flüsternde, cleane Gesangsstimme. Natürlich nur die Ruhe vor dem kurz hereinbrechenden Sturm. Doch auch das folgende Auf und Ab zeigt: Sie haben sich ziemlich weiterentwickelt – und zwar zum Guten. Die Stärke ihrer Veröffentlichungen ist es nunmehr, unter all den Schichten an Lärm sehr virtuos vorzugehen.

Da neben den wenigen cleanen Vocals vor allem Geschrei und Growls vorherrschen, ist das Fazit der enthaltenen Lyrics eine harte Aufgabe. Apropos harte Aufgabe: Eingangs stehen die brutalen Knüppelparts noch wie eine undurchdringliche Wand, erst mit der Zeit schleicht sich die feine Melodieführung dieser Dreiviertelstunde in den Vordergrund. Sei es der Gesangsrefrain von "Labyrinth of stone", welcher dem wilden Mix aus stetig donnernder Schlagzeugbude und messerscharfem Riffing etwas entgegensetzt, oder auch die dort eingestreuten Piano-Momente. "The obsidian architect" überrascht mit tief gestimmten Djent-Akkorden, ehe die Band wieder ultrahart zu Werke geht. Das Chaos des Closers "Xenotaph" ist auf eine eigene Art abstoßend und anziehend zugleich. Irrwitzig, in welcher Geschwindigkeit sich die fünf hier fortbewegen – und dann später noch völlig selbstverständlich ein Gitarrensolo draufsetzen wie die Kirsche auf der Torte. Den Horror künstlerisch aus der Realität ziehen, hin zu einer wie auch immer gearteten kosmischen oder inneren Reise – es wirkt auf gewisse Weise angenehmer und versöhnlicher als das, woran Fallujah mit der Wahl ihres Namens erinnern. Im Gegensatz dazu zieht es die nun aus fünf Personen bestehende Band auch konzeptionell in die Ferne. "Xenotaph" befasst sich mit einer träumerisch-psychedelischen Reise – nur eben mit Blastbeats, Doublebass und Schrödingers Frage nach Leben oder Tod. Tatsächliche Wahrnehmung nach dem Tod oder nur Traum?

(Klaus Porst)

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Highlights

  • In stars we drown
  • Step through the portal and breathe
  • Xenotaph

Tracklist

  1. In stars we drown
  2. Kaleidoscopic waves
  3. Labyrinth of stone
  4. The crystalline veil
  5. Step through the portal and breathe
  6. A parasitic dream
  7. The obsidian architect
  8. Xenotaph

Gesamtspielzeit: 42:23 min.

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User Beitrag

kiste

Postings: 295

Registriert seit 26.08.2019

2025-06-28 13:11:19 Uhr
Die Musik wird technisch verflixt präzise, abwechslungsreich und druckvoll vorgetragen doch mir fehlte irgendwie eine individuelle Komponente. Die vielen Zutaten, die auch im Text oben alle genannt werden kenne ich schon zu genüge. Irgendwie gibt es zig solche Bands. Fans werden sicherlich ihren Spaß haben. Gibt es hier Fans? Wäre mal interessant da mal Eindrücke zu lesen.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 29830

Registriert seit 08.01.2012

2025-06-27 20:10:48 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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