Death And Vanilla - Whistle and I'll come to you
Fire
VÖ: 23.05.2025
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 3/10
Das Gedächtnis der Tempelritter
Eine (un)heimliche Vorliebe für Gruselfilme alter Schule und nervenaufreibende Horror-Thriller? Dann geht es Euch ähnlich wie Death And Vanilla aus Malmö. Nur dass die sich nicht damit begnügen, beim Anschauen als Nervennahrung tütenweise Käsebällchen zu verdrücken und sich bei den schlimmsten Szenen vorsichtshalber hinterm Mobiliar zu verkriechen: Das Trio stellt sich vielmehr auf die Bühne und spielt zu Klassikern des Genres seine eigenen Scores, während im Hintergrund die entsprechenden Bilder laufen. So verfuhren die Schwed*innen bereits mit Roman Polanskis "Der Mieter" und dem Uralt-Blutsauger-Streifen "Vampyr – Der Traum des Allan Gray", der aus einer Zeit stammt, als sich gerade die Umstellung vom Stumm- zum Tonfilm vollzogen hatte. Und dem knapp 45-minütigen britischen Schwarzweiß-Schätzchen "Whistle and I'll come to you von 1968 steht Death And Vanillas mal dunkel glühender, dann wieder rigide pochender Sound aus ohrenscheinlich frisch verkokelten Vintage-Maschinen prächtig zu Gesicht.
Die Geschichte des kleinen Film Noir ist schnell erzählt: Ein weltfremder Universitätsprofessor auf Urlaub stolpert an der Küste auf einem verwitterten Tempelritter-Friedhof über eine Art Knochenflöte, bläst frohgemut hinein und beschwört so den Geist eines Toten herauf, der sich daraufhin in seinem Schlafzimmer manifestiert. Klingt wenig spektakulär, ist aber mit starken Kontrasten, unvermittelten Schwarzblenden und der chronisch realitätsfernen Hauptfigur – man denke an den rührselig lebensunfähigen Walden Yapp aus Tom Sharpes Akademiker-Satire "Feine Familie" oder den verknöcherten Sergeant Howie aus dem Folk-Horror-Meisterwerk "The wicker man" – trotz des sparsamen Setups ein herrlich unheilvoller Stimmungsbolzen. Death And Vanilla tun es dem Film gleich, lassen Farfisa-Orgeln und Moog-Synthesizer schmoren, verzichten auf Vocals und entwerfen stattdessen dichte, von kosmischem Kraut und Library Music durchdrungene Soundflächen, in denen das Kreischen von Seevögeln fast das einzige Lebenszeichen markiert.
Beinahe wie beim unseligen Uni-Menschen, der zumeist eher dahinvegetiert, lediglich pseudo-clevere Phrasen vor sich hermurmelt und für den ein scheinbar interessiertes "Has it been good here?" schon der Gipfel der Leutseligkeit ist. Das gleichnamige Stück wirft immerhin ein gütiges Auge auf ihn und koppelt verhuscht groovendes synthetisches Pluckern mit malerischen Keyboard-Tupfern – als würden sich Kruder & Dorfmeister über den Backkatalog von Young Marble Giants hermachen. "Nightmares" trägt als böse Vorahnung seinen Titel zu Recht, wenn die Gespenster per Loop spuken und auch ein wie dem Outro von The Cures "A forest" entnommener Wobbel-Bass nichts gegen den Schrecken ausrichten kann. Das fuzzy Finale "The apparition" bringt diesen großartigen Quasi-Soundtrack auf den beklemmenden Punkt – und der Protagonist? Lutscht zum Schluss am Daumen wie ein kleines Kind, aller Intellektualität beraubt und aufs bloße Menschsein reduziert. Ein Bild, das genauso im Gedächtnis bleibt wie dieses Album.
Highlights
- Has it been good here?
- Nightmares
- The apparition
Tracklist
- Intro
- Arrival
- Has it been good here?
- Spooky breakfast
- Walk on the beach
- Whistle
- Supernatural breakfast
- Walk on the beach 2
- Nightmares
- Evidence of spiritualism?
- The apparition
Gesamtspielzeit: 43:09 min.
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