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Avkrvst - Waving at the sky

Avkrvst- Waving at the sky

InsideOut / Sony
VÖ: 13.06.2025

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Sie werden so schnell groß

Man kann sich gut vorstellen, wie Simon Bergseth und Martin Utby in ihrer norwegischen Heimat im besten Lausbubenalter mehr oder minder unbemerkt das heimische Tonstudio geentert haben, wann immer die Erwachsenen gerade eine kreative Pause einlegten. Während die Großen draußen rauchten, klönten und ein Bier tranken, griffen die Kleinen drinnen zu den Instrumenten und probierten munter herum. Eines Tages, das haben sie sich dem eigenen Gründungsmythos zufolge geschworen, würden sie auch einmal ein Album einspielen. Was soll man dazu sagen? Nun: Es hat geklappt. 2023 veröffentlichten die inzwischen erwachsenen Simon und Martin tatsächlich ihr Debüt. "The approbation" war ein Geheimtipp in der weitverzweigten Welt des Progressive Metal, und bevor sich der Blick auf den Nachfolger richtet, sei betont: Schon der erste Streich ist überaus hörenswert und freut sich auf seine Entdeckung und Erkundung.

Zwei Jahre später folgt nun also "Waving at the sky", das sich inhaltlich als Vorgeschichte zu "The approbation" versteht. Auf dem Vorgänger stand ein Mensch im Vordergrund, der fernab der Zivilisation mehr schlecht als recht vor sich hin lebte und eigentlich nur noch auf seinen Tod wartete. Musikalisch war der erste Streich deutlich vernehmbar von Genregrößen wie Opeth, Porcupine Tree oder auch King Crimson beeinflusst, wobei Avkrvst schon dort auf Überflüssiges und allzu Ausschweifendes verzichteten. Die Neigung zur gelegentlichen Endlos-Frickelei ist diesem Zweig der härteren Klänge ja durchaus eigen. "Waving at the sky" setzt die markanten Qualitäten souverän fort. Der Opener "Preceding" überzeugt dabei mit selbstbewusstem Bass und dient als musikalische wie inhaltliche Einleitung für all das, was in einer insgesamt guten Dreiviertelstunde ausgebreitet wird. Gesungen wird hier noch nicht, sehr wohl aber gesprochen. Es sind Aufnahmen von einem Prozess, der in Norwegen einst für großes Aufsehen gesorgt hat. Im Mittelpunkt des Albums steht nämlich ein grauenvoller Fall von vielfachem Kindesmissbrauch.

Wer sich genauer mit den Texten befasst, begegnet immer wieder Momenten, die einem die Kehle zuschnüren. "God, please let me out / Of this loathsome life / Godforsaken times / Oh, please let me die", heißt es beispielsweise im packenden "The trauma". Ein fulminantes Stück Musik, das trotz vielfacher Wendungen keinesfalls überladen wirkt. Und in dem Sänger Bergseth mit seinem Wechsel aus prägnantem Klargesang und gelegentlich eingestreuten Growls einen Vergleich mit Opeth-Frontmann Mikael Åkerfeldt ganz und gar nicht scheuen muss. "Families are forever", dessen Titel einen angesichts der Thematik allein schon erschaudern lässt, sorgt auf musikalischer Ebene für ein gewisses Durchatmen, bevor "Conflating memories" die außergewöhnlichen Kompositionskünste des Duos zur Schau stellt.

"The malevolent" kommt später mit seinem Gastauftritt von Haken-Sänger Ross Jennings fokussiert auf den Punkt, schließlich bringen "Ghosts of yesteryears" und "Waving at the sky" das Album mit ihren zusammengenommen 18 Minuten zu einem epischen Ende. Bergseth und Utby rufen hier mit Unterstützung ihrer Bandkollegen Øystein Aadland, Edvard Seim und Auver Gaaren noch einmal alles ab, was ihnen zur Verfügung steht: ein grandioses Gespür für Songstrukturen, überaus versierte Spielkunst und ein Abwechslungsreichtum, der nie beliebig, sondern stets gut abgestimmt erscheint. Und während früher die Lausbuben das Studio im Geheimen eroberten, ist heute Simons Vater Kjetil Bergseth ein gern gesehener Besucher: Er zeichnete für das Mastering von "Waving at the sky" verantwortlich, das wie schon der Vorgänger in einer abgeschiedenen Hütte im norwegischen Alvdal entstand. Erstaunlich, was aus einem Kindheitsversprechen alles entstehen kann.

(Torben Rosenbohm)

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Highlights

  • The trauma
  • Ghosts of yesteryears
  • Waving at the sky

Tracklist

  1. Preceding
  2. The trauma
  3. Families are forever
  4. Conflaiting memories
  5. The malevolent (feat. Ross Jennings)
  6. Ghosts of yesteryear
  7. Waving at the sky

Gesamtspielzeit: 45:18 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Vennart

Postings: 1410

Registriert seit 24.03.2014

2025-07-10 19:30:18 Uhr
Sehr gutes Album wie auch schon das Debut!
Aber Wilson, Porcupine Tree und Opeth höre ich da gar nicht raus.
Kleiner Scherz natürlich :D
Die Heldenverehrung ist schon seehr offensichtlich aber erstens machen sie das halt extrem gut, zweitens bringen sie dann doch genug Neues und Unverwechselbares mit, um einen eigenen Sound zu schaffen und drittens:
wenn, dann schon bei den Besten bedienen.

Pivo

Postings: 1468

Registriert seit 29.05.2017

2025-06-30 10:29:24 Uhr
Wirklich schöne Platte. Zwar wenig Abwechslung in den Songs, dafür ist das Album mit 45 Minuten Laufzeit nicht zu lange geworden. Eine gute Empfehlung für diejenigen, die den guten Prog von Steven Wilson oder Porcupine Tree mögen. Runde Sache. 7/10

Mr Oh so

Postings: 3544

Registriert seit 13.06.2013

2025-06-28 20:24:20 Uhr
Das Debüt ist bei mir nur knapp am Album des Jahres vorbeigeschrammt - Riesending. Bin gespannt, wie es weitergeht.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 30387

Registriert seit 08.01.2012

2025-06-27 20:09:49 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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