Yungblud - Idols
Interscope / Universal
VÖ: 20.06.2025
Unsere Bewertung: 6/10
Eure Ø-Bewertung: 9/10
Meet your hero
Yungblud ist ein Phänomen. Während manch älteres Kaliber den Superstar bloß als extravaganten Hybriden zwischen Gerard Way, Emo-Cloudrapper und Mensch gewordenem TikTok-Reel abstempelt, füllt der Brite davon unbeeindruckt dicke Hallen und hohe Slots bei Rock am Ring. Weil ihm eben gerade die Jüngeren in Scharen zu Füßen liegen. Was ist dran am großen Rock'n'Roll-Versprechen für die Generation Z? Dominic Harrison, wie Yungblud bürgerlich heißt, checkt auch außerhalb seiner eigentlichen Musik zahlreiche Boxen, die für den Ruhm heutzutage unerlässlich oder zumindest für Aufmerksamkeit von entscheidendem Vorteil sind: Er bekennt sich zu seiner Pansexualität, er inszeniert seinen Twink-Körper gern shirtlos. Vor allem aber stellt er eine Revolutionärs-Attitüde zur Schau, wie sie auch andere aufsteigende Acts wie Måneskin beherrschen und zielgruppengerecht – sprich: medienwirksam – umsetzen. It's not just a phase, mom! Würde die Musik dem allem nicht gerecht werden, könnte man Yungblud kalkuliert und albern finden. Muss man aber gar nicht. Denn gleich im dreigeteilten Single-Ungetüm "Hello heaven, hello" ist zumindest in der Mitte ein ziemlich geiler Schweine- respektive Glam-Rocker versteckt.
"Idols" ist der ambitionierte erste Teil eines angekündigten Doppelalbums und hat gegenüber Harrisons Pop-Punk-Frühwerk oder dem zahnlosen letzten, selbstbenannten Langspieler ordentlich zugelegt. Da dröhnen die Verstärker und geriert der Künstler sich als Freddie-Mercury-mit-Kajal-Verschnitt, als sei "The black parade" nicht schon 19 Jahre her und damit ein Fall für die Classic-Nacht im WDR-Rockpalast. In seiner pompösen Fülle platziert Yungblud sein Album aber genau dort: Der erste Teil des Titeltracks fährt einen orchestralen Schmuck auf, der selbst Billy Corgan oder Daniel Johns neidisch erblassen ließe. Auch "Change" oder das aus allen Nähten platzende, beinahe progrockig endende "Ghosts" baden in epischem sowie deutlich 80er-mäßigem Bombast. Zeilen wie "All the girls are boys / All the boys are girls" dazu wirken ein wenig anachronistisch, zeugen aber von der beliebten Fusion aus angestaubten Sounds und moderner Brechung, die nicht nur Yungblud so fasziniert. Elton John hat sowieso schon längst mit seinem Landsmann angebandelt.
Die schiere Größe des Ganzen ist jedoch nicht bloß Gimmick: "Lovesick lullaby" als Britpop-Brett, "Monday murder" mit The-Cure-infizierter New-Wave-Kante oder der schnörkellose Alternative-Rocker "The greatest parade" gehen gerade in ihren simplen Strukturen gut auf. Nein, man muss sich keine Sorgen machen um den Yungblud hörenden blutjungen Neffen – auch wenn der sich mit "Idols" (noch) kein Meisterwerk zu Gemüte führt. Denn bei aller Begeisterung, dass die Platte auf "Mellon collie"-Gedächtnispiano endet, kann man manche Dinge einfach nicht ausblenden: Dass "Hello heaven, hello" in seinen neun Minuten auch mit zwei schwächeren Parts aufwartet, beispielsweise. Dass Autotune nervt. Oder dass Harrison seine Power-Balladen nicht immer unfallfrei hinbekommt. Wo haben wir die Hook von "Zombie" bloß schon mal gehört? Im dazugehörigen Video visualisiert die wundervolle Florence Pugh die Kitschgranate als gebeutelte Krankenschwester mit Engelsflügeln, während Yungblud und Band gefährlich nah am All-American-Standard herumrocken. Luft nach oben also. Allein für seinen Verdienst, wieder den ein oder anderen spannenden Song mitten im Mainstream zu platzieren, darf man Harrison allerdings getrost weiter im Auge behalten.
Highlights
- Lovesick lullaby
- Monday murder
- Ghosts
Tracklist
- Hello heaven, hello
- Idols pt. I
- Lovesick lullaby
- Zombie
- The greatest parade
- Change
- Monday murder
- Ghosts
- Fire
- War
- Idols pt. II
- Supermoon
Gesamtspielzeit: 47:45 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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BunteKuh Postings: 569 Registriert seit 17.07.2022 |
2026-02-20 14:15:19 Uhr
Also mit Zombie und War Pt.2 abgelutschte Versionen aus Part 1, die keiner braucht.Und auch der Rest ist beliebig. Fand Idols 1 ja richtig gut. Aber das hier ist maximal eine Ergänzung, die er sich hätte sparen können. Da war die Aerosmith- Kollaboration ja noch besser..... Schade |
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MickHead Postings: 10032 Registriert seit 21.01.2024 |
2026-02-20 10:16:23 Uhr
"Idols" (Complete)Komplette Playlist bei YouTube: https://youtube.com/playlist?list=OLAK5uy_nYBuKGwQApyx2JnngUx8meW1v1vbPMvPA&si=vPAlL87svyBxkisA |
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MickHead Postings: 10032 Registriert seit 21.01.2024 |
2026-02-18 23:12:42 Uhr
@AffengitarreYungblud has announced the second instalment of his 2025 fourth album ’Idols’. Hat Google leider dann falsch übersetzt! Ist mir leider nicht aufgefallen. |
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nörtz User und News-Scout Postings: 17578 Registriert seit 13.06.2013 |
2026-02-18 19:39:42 Uhr
Grausam |
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Affengitarre User und News-Scout Postings: 11735 Registriert seit 23.07.2014 |
2026-02-18 19:21:11 Uhr
Ach so meinst du das, als zweiten Teil des Albums. Hmm, komisch formuliert. :D |
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Referenzen
Machine Gun Kelly; My Chemical Romance; The Rasmus; Måneskin; Fall Out Boy; Sum 41; Badflower; Good Charlotte; Panic! At The Disco; Green Day; Blackbear; Post Malone; Twenty One Pilots; You Me At Six; Ekkstacy; Alkaline Trio; Grandson; Nothing But Thieves; Simple Plan; I Dont Know How But They Found Me; Falling In Reverse; All Time Low; KennyHoopla; One Ok Rock; Palaye Royale; Yonaka; Creeper; Bring Me The Horizon; Joji; Nothing, Nowhere; The 1975; Wallows; Foster The People; The Used; AFI; Thirty Seconds To Mars; Imagine Dragons; The Xcerts; The Subways; Pale Waves; Weathers; Avril Lavigne; Halsey; Paramore; Oasis; Suede; Kasabian; The Verve; Billy Idol; Guns N' Roses; T.Rex; Ozzy Osbourne; David Bowie; Robbie Williams; Elton John; Meat Loaf; Bryan Adams; Bon Jovi; Queen
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