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Lifeguard - Ripped and torn

Lifeguard- Ripped and torn

Matador / Beggars / Indigo
VÖ: 06.06.2025

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

In Fetzen

Manchmal ist die oft als buckelig verschriene Verwandtschaft gar nicht so schlecht. Fragt mal Lifeguard aus Chicago. Deren Bassist Asher Case zum Beispiel ist Sprössling von Brian Case, Frontmann bei FACS (heute) und Disappears (früher), die Schwester von Drummer Isaac Lowenstein wiederum heißt Penelope und spielt bei Horsegirl, zu deren Urbesetzung Case und Lowenstein ebenfalls gehörten. Sänger und Gitarrist Kai Slater verfügt zwar über keinerlei bekannten musikalischen Familienbande, dafür aber über das Projekt Sharp Pins, dessen Album "Radio DDR" formschön verdrehten, psychedelischen Power-Pop enthielt. Zusammen mit den zwei Kollegen hingegen fabriziert er veritablen, schönen Lärm, der meist genauso zerspant und runtergerockt klingt, wie sich der Titel des offiziellen Lifeguard-Debüts "Ripped and torn" liest. Auch ein Verdienst von Produzent Randy Randall, als Hälfte von No Age ohnehin Spezialist für sechssaitige Scheuermittel und Fiepen in Ohren und Verstärkern. "It will get worse"? Wie man's nimmt.

Im Grunde steht nämlich alles zum Besten, wenn das gleichnamige Stück angetütert in den Raum stolpert und nach ein paar Takten die Kurve zu etwas kriegt, das man für herkömmliche Rockmusik halten könnte. Sofern Omni oder Cola ihre Winkelschleifer grob zweckentfremden würden oder The Strokes nach den Aufnahmen zu "Is this it" nur noch Haut und Knochen gewesen wären. Waren sie vermutlich auch, und diese erste Single sieht nach zweieinhalb Minuten Schreng-Gitarren, ungestümen Breaks und kieksig irrlichterndem Gesang ähnlich ramponiert aus – inklusive dazwischenhechtender Riffs, die schrill an der Studiowand zerplatzen. Nichts da "Dressed in trenches", wie eine EP von 2023 besagte: Ihr leicht angeknackster Indie-Rock hängt Lifeguard vielmehr in Fetzen vom Leib, wenn das kokelig rotierende "Under your reach" auf den letzten Drücker gewaltige Leads in den Song quetscht oder "(I wanna) Break out" im Schweinsgalopp den Punk raushängen lässt. Und da ist erst die Hälfte dieses vorzüglichen Albums vorbei.

In der zweiten gibt sich das Trio noch eine Spur tighter – und leistet sich auch ein paar charmant dahinimprovisierte Sinnlosigkeiten wie die angemessen betrommelte Miniatur "Music for 3 drums" oder auf dem letzten Loch quietschende Ad-Libs aus "Charlie's Vox". Vordergründig eher die Ruhe tut sich das infektiöse "Like you'll lose" an, klopft aber einen nervösen Backbeat, über dem zwei Gitarren um die Wette klirren, während Lowenstein mit Dub-Effekten und synthetischem Lo-Fi-Rauschen nicht nur in diesen Track eine mitunter gespenstische Ebene einzieht. Weitaus frenetischer johlt sich "France and" durch einen Vocal-Loop statt durch einen Refrain und bleibt dabei so präzise wie Television und Dead Kennedys bei einer gemeinsamen Session im Wurmloch. Nur wofür die "three letter abbreviation" im ansatzweise hymnischen Ohrwurm-Closer "T.L.A." steht, wissen Lifeguard anscheinend selbst nicht so richtig – doch das lässt sich ja bei der nächsten Familienzusammenkunft erörtern. Falls man da überhaupt ein Wort versteht.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • It will get worse
  • Like you'll lose
  • France and
  • T.L.A.

Tracklist

  1. A tightwire
  2. It will get worse
  3. Me and my flashes
  4. Under your reach
  5. How to say Deisar
  6. (I wanna) Break out
  7. Like you'll lose
  8. Music for 3 drums
  9. France and
  10. Charlie's Vox
  11. Ripped and torn
  12. T.L.A.

Gesamtspielzeit: 30:43 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

dogs on tape

Postings: 611

Registriert seit 14.06.2013

2026-04-13 16:54:35 Uhr
Schön-krachige neue EP. Rumpelt fein 11 Songs/Interludes in 12 Minuten durch.
https://matadorrecords.com/blogs/news/out-today-lifeguard-ultraviolence-appetite

saihttam

Postings: 2937

Registriert seit 15.06.2013

2025-11-10 00:28:57 Uhr
Mir sagen die zerschossenen Lifeguard bisher mehr zu als die wohlklingenderen Sharp Pins. Aber beides gute Platten!

dogs on tape

Postings: 611

Registriert seit 14.06.2013

2025-11-08 18:16:04 Uhr
Das Soloprojekt Sharp Pins gefällt mir noch besser. Deutlich janglepoppiger und big star und guided by voices like. Radio DDR war u.a. auch BNM bei PF. Ein weiteres Album erscheint noch dieses Jahr.
Bitte dranbleiben :)

myx

Postings: 6406

Registriert seit 16.10.2016

2025-06-13 07:48:06 Uhr
Habe es gestern angetestet, bin beim ersten Anlauf jedoch noch nicht hängengeblieben. Bleibt aber auf der Hörwunschliste.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 30514

Registriert seit 08.01.2012

2025-06-11 20:40:45 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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