Spiderwebs & Foam - Something sometime
Spiderwebs & Foam
VÖ: 04.04.2025
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
Es ist einfach Indie-Rockmusik
Mit Musikgenres ist das ja zunehmend so eine Sache. Was einst noch wie ein einigermaßen überschaubares Kategoriensystem wirkte, hat sich längst in ein klangliches Multiversum verwandelt. Durch die globale Verschmelzung verschiedenster Einflüsse und beschleunigte Aufmerksamkeitsökonomie entstehen ständig neue Stilrichtungen, die irgendwo zwischen Plattentests.de-Forum, Soundcloud und Spotify-Algorithmus geboren werden. Von Vaporwave über Amapiano bis Crankcore: Es ist wahlweise äußerst inspirierend oder auch schon etwas ermüdend, hier auf dem Laufenden zu bleiben. Die Frankfurter Band Spiderwebs & Foam propagiert für sich das völlig neue Genre des "Foam Rock". Das ist natürlich prätentiöser Quatsch. Diese Selbsteinordnung bleibt aber auch der einzige Fehlgriff im Rahmen des wunderschönen Albums, dessen vage gehaltener Titel "Something sometime" zu seinen zweiflerischen, forschenden Klängen und Texten passt.
Mit dem Opener "Snakes & ladders" geht das Quartett direkt in die Vollen. Aus einer melancholischen Ballade samt Glockenspiel schält sich zur Mitte des Songs ein dynamisches und sich beschleunigendes Rhythmuspattern, das einen hypnotischen, mitreißenden Sog entwickelt. "This way only goes down", bekennt Sänger und Gitarrist Gianni von Raesfeld wiederholt und mit zunehmender Verzweiflung aus dem Auge des Sturms. Das Loslassen und Anziehen von Tempo und Dringlichkeit prägt auch "Rinse, repeat" mit seinen vertrackten Snares und gegenläufigen Beats, die den doch eher romantischen Text mit einer gewissen Abgründigkeit versehen. In "Animal drop" channelt von Raesfeld seinen inneren Thom Yorke derart gekonnt, dass der düsterschöne, mit Loops, Orgel und Klavier spannend arrangierte Song im besten Sinne nahe an einer Pastiche der mittleren Radiohead ist.
Der konstante Groove von "Fortune cookies sigh" ist geschmackvoller als jeder Glückskeks, und vor allem das rockig-explosive Outro des Songs lädt zum frenetischen Kopfnicken ein. Wolfgang Stammer ist der zweite Lead-Sänger der Hessen, dessen warmes Timbre den Sound der Band hervorragend ergänzt. Dies gilt auch für "Blackberry mile", in dem alle rhythmischen Spielereien und vertrackten Arrangements zugunsten einer fast britpoppig anmutenden, bittersüßen Hymne in den Hintergrund treten. Für das atmosphärisch schwebende "Goodbye at the station" kehrt von Raesfeld samt Kopfstimme noch einmal zurück ans Mikrofon. Den tatsächlichen Abschiedsgruß bildet dann jedoch das erneut überaus gekonnt arrangierte, berührende "Get somewhere", dessen anziehende Dynamik den lyrischen Zwiespalt von Vertrautheit und neuem Aufbruch widerspiegelt. Angesichts dieses so ausgefeilten, reifen Sounds, bei dem trotz komplexer Songstrukturen gleich mehrere Ohrwürmer bleiben, ist ein emphatisches "Get somewhere" auch der Band mit bisher gerade einmal dreistelliger Hörerzahl bei Spotify unbedingt zu wünschen. Mehr von diesem "Foam Rock", bitte!
Highlights
- Snakes & ladders
- Rinse, repeat
- Blackberry mile
Tracklist
- Snakes & ladders
- Rinse, repeat
- Animal drop
- Fortune cookies sigh
- Once there were kings
- Blackberry mile
- Goodbye at the station
- Get somewhere
Gesamtspielzeit: 35:14 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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Hajo70 Postings: 2 Registriert seit 08.06.2025 |
2025-06-08 12:42:42 Uhr
Verfolge Spiderwebs & Foam nun seit der Rezension von von letzter Woche. Bin echt verwundert, dass nicht Aufmerksamkeit auf die Band fällt. Für mich ist das echt mal wieder Musik, die mehr als eine Emotion anspricht und mich richtig abholt. Rein zufällig (oder auch nicht) kam nun noch ein Making Of zum Album auf Youtube: https://www.youtube.com/watch?v=Bug8BO5HL1Y&t=5s Sehr empfehlenswerte Einblicke wie ich finde. Vor allem wenn man sich für Hintergründe des kreativen Miteinanders interessiert. Werde die Band weiter im Auge zu behalten. Da kann noch einiges kommen! |
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 29830 Registriert seit 08.01.2012 |
2025-05-28 20:29:24 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert. Meinungen? |
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Referenzen
Slut; Radiohead; The Notwist; The Electric Soft Parade; The Cooper Temple Clause; Interpol; The War On Drugs; M83; dEUS; The Beta Band; Doves; Haven; Simian; The Postal Service; Beach House; Naked Lunch; Hundreds; Thom Yorke; Monta; Mansun; Get Well Soon; Balthazar; Elbow; Mercury Rev; Broken Social Scene; Mew
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- Spiderwebs & Foam - Something sometime (2 Beiträge / Letzter am 08.06.2025 - 12:42 Uhr)



