Mclusky - The world is still here and so are we
PIAS / Ipecac / Rough Trade
VÖ: 09.05.2025
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
War was?
Über 23 Jahre liegt Mcluskys Meisterstück "Mclusky do Dallas" zurück, über 20 ihr bis dato letztes Werk "The difference between me and you is that I'm not on fire". Die A- und B-Seiten-Compilation "Mcluskyism" setzte zur Auflösung der Waliser ein finales Ausrufezeichen und dann war Schluss mit der Band. Gut, Andy Falkous trieb mit seinem Projekt Future Of The Left weiter sein Unwesen. Und manch einer munkelte, das hätte mit zwei Dritteln der Originalbesetzung sowieso auch als schnöder Personalwechsel unter gleichem Namen durchgehen können. Angesichts dessen, dass auch Mclusky 2025 nur durch Falkous sowie Drummer Jack Egglestone mit Mclusky 2005 verbunden sind – dazu gesellt sich seit einiger Zeit Bassist Damien Sayell –, munkele dieser eine bitte noch lauter. Aber egal, wie man das Kind nennt: Wenn der vierte Nicht-ganz-so-Longplayer "The world is still here and so are we" rotiert und man schon Blüten wie "Way of the exploding dickhead" oder "Kafka-esque novelist Franz Kafka" in der Tracklist entdeckt, ist man bestens drauf vorbereitet, wie unbeirrt die Gitarren und Falkous' giftig-hysterische Vocals hier wieder das Trommelfell zersägen. Sing it!
Ganz aus dem Nichts kam das Album nicht. Seit 2014 ist die Band unter diesem Namen immer wieder live aktiv gewesen, 2023 erschien bereits eine EP, von der "Unpopular parts of a pig" und "The digger you deep" auch hier vertreten sind. Insbesondere erstgenannter Track macht als Opener eine blendende Figur. "The unpopular parts of a pig / I taste nothing / Without its permission, I swear", ätzt Falkous in spöttischem Ton zwischen Wutausbrüchen und mit Worten, die sich wie so oft genauer Betrachtung entziehen. Ironie und Sarkasmus schütten diese 13 Songs kübelweise aus. "Pricks, they abound" ist nicht nur eine Textzeile, sondern eine Lebenseinstellung auf "The world is still here and so are we". Oder auch: "I'm just a normal man / I'm not a people person!" Zwischen aggressivem, dissonantem Riffing und unverschämt groovigem Rhythmus pendeln Mclusky dazu wie zu besten Zeiten. Als ob nichts passiert sei.
Kleine Hints streut das Trio hier und da über dem bekannten Noiserock ein, etwa wenn "The battle of Los Angelsea" sich tatsächlich ein "We will rock you"-Gestampfe traut, bevor der – in Ermangelung eines besseren Wortes – Refrain dann doch die Lärmkeule rausholt. "People person" schiebt sich wie glühende Lava über seine beinahe panisch anmutende Misanthropie, bevor Falkous noch sowas raushaut: "Exploding kids can kill the mood / Can kill the mood if kid explosions aren't your heart's desire." Bloß nicht fragen, am Ende bekommt man noch Antworten. Lieber kopfüber in die zweiminütige Highspeed-Attacke "Kafka-esque novelist Franz Kafka" stürzen, zum shakenden Rhythmus von "Cops and coppers" die Hüften schwingen oder vom treibenden Bass in "Chekhov's guns" die Hirnrinde massieren lassen. Und Fragezeichen malen: "Tell me you're Banksy without being Banksy." Dafuq?
Ein "Fuck this band" hat diese Platte ebenfalls: "Not all steeplejacks" verzichtet auf Angriff und lauert lieber in der Ecke auf ahnungslose Opfer. Der Closer "Hate the polis" täuscht derweil den obligatorischen Pop-Track an, bevor am Ende doch noch eine Wand aus Gitarrenlärm hereinkracht. Und in "The competent horse thief" kann man mit wenig Fantasie ein wenig von "Undress for success" heraushören. Die Kernbotschaft ist daher: Es gibt nichts Neues im Lande Mclusky und das ist aller Wahrscheinlichkeit auch gut so. Die Stärken spielen sie konsequent aus: Push-Pull-Dynamik, grandiose Oneliner und energische Spielfreude. Der Titel "The world is still here and so are we" deutet es ja schon an, dass hier keine stilistische Revolution zu erwarten ist. Eine gute halbe Stunde konsequenzloser Spaß ist aber bei weitem nicht das Verkehrteste, was man haben kann.
Highlights
- Unpopular parts of a pig
- People person
- Kafka-esque novelist Franz Kafka
- Chekhov's guns
Tracklist
- Unpopular parts of a pig
- Cops and coppers
- Way of the exploding dickhead
- The battle of Los Angelsea
- People person
- The competent horse thief
- Kafka-esque novelist Franz Kafka
- The digger you deep
- Autofocus on the prime directive
- Not all steeplejacks
- Chekhov's guns
- Juan party-system
- Hate the polis
Gesamtspielzeit: 33:07 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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MickHead Postings: 10141 Registriert seit 21.01.2024 |
2026-02-04 19:17:58 Uhr
Am 20.03. folgt das Mini Album "i sure am getting sick of this bowling alley".Erster Song "i know computer" https://youtu.be/A2OO-QrYtos?si=5itPjxJbq5huJ1sE "i sure am getting sick of this bowling alley" bei Bandcamp: https://mcluskymclusky.bandcamp.com/album/i-sure-am-getting-sick-of-this-bowling-alley |
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Herder Postings: 1862 Registriert seit 13.06.2013 |
2025-12-31 11:57:41 Uhr
Aber auch mit Kopfhörern - was zunächst d.h. vor der Erklärung durch die Band - vielleicht etwas seltsam wirkte, live wirklich toll. Das Konzert hat viel Spaß gemacht, Band und Publikum in Hannover waren bestens aufgelegt. |
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The MACHINA of God User und Moderator Postings: 36422 Registriert seit 07.06.2013 |
2025-12-29 15:29:16 Uhr
Aaaaaaaaah, danke. |
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HumanAbfall_71 Postings: 94 Registriert seit 28.08.2020 |
2025-12-29 15:28:30 Uhr
Falkous litt 2023 unter einer Kombination aus Tinnitus und Hyperakusis, die den Frontmann selbst das Geräusch eines laufenden Wasserhahns unerträglich machte. |
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The MACHINA of God User und Moderator Postings: 36422 Registriert seit 07.06.2013 |
2025-12-29 15:16:34 Uhr
Weiss jemand, wieso Andrew Falkous oft Overhead-Headphones beim Konzert trägt? Quasi On-Ear-Monitoring? |
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Referenzen
Future Of The Left; Big Black; Shellac; Shooting At Unarmed Men; Hot Snakes; Pixies; Dead Kennedys; The Blood Brothers; Jaguar Love; Pulled Apart By Horses; Metz; Model/Actriz; The Jesus Lizard; Death From Above 1979; PJ Harvey; Jay Reatard; Fugazi; Sonic Youth; Japandroids; The Thermals; Cloud Nothings; Wavves; ...And You Will Know Us By The Trail Of Dead; Biffy Clyro
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