Anastacia - Anastacia

Anastacia- Anastacia

Sony
VÖ: 29.03.2004

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Röhrenverstärker

Okay, laßt uns unsere Popsternchen-Lieblingsliste™ nochmal resümieren. Kylie Minogue... P!nk... Sugababes... Shakira... Anastacia... noch wer? Liste beendet? Gut, wir sind uns einig. Auch wenn Anastacia uns manchmal ziemlich auf den Wecker geht, gehört sie immer noch dazu. Soll sie doch im Dunklen ihre affige Brille aufbehalten. Könnte ja die Sonne rauskommen. Weiß man nie. Und soll sie auch ruhig weiterröhren, als ob sie dringend die Billardkugel aus ihrer Luftröhre rauspusten wollte. Das mögen wir ja so an ihr. Anastacia ist okay. Auch wenn sie mit den unsäglichen letzten Singles "One day in your life" und "Boom!" so langsam aber sicher ihren Platz auf unserer Popsternchen-Lieblingsliste™ einzubüßen droht.

Aber irgendwas ist gerade bedenklich. Und droht seuchengleich den erlesenen Mitgliederkreis auf unserer Popsternchen-Lieblingsliste™ zu infizieren. Plötzlich meinen alle, daß Gitarren ziemlich toll sind. Aus Holz und so schön braun und so. Gleiche Farbe wie das Lieblingspferd. Muß also was dran sein. Und muß auch dringend mal ausprobiert werden. Wenn die das alle machen. Britney Spears meinte also, sie müsse "I love rock'n'roll" covern, P!nk holte sich Rancid-Tim und Blink 182-Travis zu Hilfe und Jeanette, ja, Jeanette... lassen wir das. Und jetzt auch Anastacia. Nennt ihr neues Album wie sich selbst und will uns damit vermutlich einen Neuanfang vormachen. Schmeißt einfach die so geschätzten Funk-Elemente über Bord und holt sich die ganz Großen aus dem Rockbiz ins Boot. Naja, die Großen weniger, die waren nicht zu kriegen. Aber zumindest solche Leute wie den unvermeidlichen Produzenten Glen Ballard (Alanis Morissette, No Doubt, Aerosmith) oder Sonny (P.O.D.). Mit anderen Worten: Leute von unserer Rockstar-Haßliste™.

Und so kommt es, wie es kommen mußte: In "I do" dreschen Gitarren los, Sonny spackt im Hintergrund irgendwas von wegen "I think the world's gone crazy", während Anastacia im Vordergrund "I do, I do, I do" röhrt. Da ist man doch ziemlich froh, daß einst irgendwer die englische Sprache erfunden hat. Sonst würde da im Hintergrund wer "Ich denk, die Welt ist verrückt geworden" spacken und im Vordergrund wer "Ich tu, ich tu, ich tu" röhren. Auch "Sexy single", "Rearview" und "Seasons change" wollen vermutlich Rock sein, sind aber nur erbärmlich. Deutlich besser klappt da noch die Vorabsingle "Left outside alone", über die man zwar auch locker "Paid my dues" Karaoke singen könnte, die aber immerhin mit einem netten Jodel-Intro verblüfft. Der erste annehmbare Song der Platte. Der zweite? Mit gutem Willen "Sick and tired", bei dem ein Rastamann im Hintergrund irgendwas blafaselt. Der dritte? "Welcome to my truth", mit noch mehr gutem Willen. Der vierte? Nun, der vierte... äh... fehlt. Da hilft auch kein guter Wille mehr.

Auch wenn die Feststellung nicht leicht fällt, sie muß sein: "Anastacia" ist eine kolossale Enttäuschung. Nach Kylie Minogues "Body language" und P!nks "Try this" gleich die nächste. Mit schrecklich langweiligen Möchtegernrocksongs und ekligen Balladen wie "Heavy on my heart". Dafür hätte sich Anastacia auf ihrem tollen Debüt "Not that kind" noch geschämt. Aber den selbsternannten Rock Chicks von der Popsternchen-Lieblingsliste™ ist heute wohl leider gar nichts mehr peinlich. Wo ist der Rotstift?

(Armin Linder)

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Highlights

  • Left outside alone

Tracklist

  1. Seasons change
  2. Left outside alone
  3. Time
  4. Sick and tired
  5. Heavy on my heart
  6. I do
  7. Welcome to my truth
  8. Pretty little dum dum
  9. Sexy single
  10. Rearview
  11. Where do I belong
  12. Maybe today

Gesamtspielzeit: 43:15 min.

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