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Benediction - Ravage of empires

Benediction- Ravage of empires

Nuclear Blast / Rough Trade
VÖ: 04.04.2025

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Schulmeisterlich

Ja ja, früher war alles besser. Schon ein blöder Spruch, auch wenn der ein oder andere alte weiße Mann – leider sind es oft genug Geschlechtsgenossen – uns etwas anderes weismachen will. Früher war allerdings auch in der Musik manches anders. Vor allem gab es keine zwanghafte Unter-Unter-Unterteilung in noch mehr Unter-Unter-Unterschubladen, um betonen zu können, dass Band A etwas komplett anderes mache als Band B, obwohl sie sich dank der identischen Homestudio-Software vermutlich nur in der Farbe des Gitarren-Plektrums unterscheiden. Früher gab es also auch im Death Metal weitestgehend nur eine Devise. Einstöpseln, Regler auf Anschlag und los. Und das prägt. Denn warum nur wurde die Rückkehr von Dave Ingram als Frontmann der legendären Benediction so gefeiert? Warum rastete das Publikum beispielsweise 2023 beim Rock Hard Festival trotz brütender Hitze beim Auftritt ebenjener Band komplett aus?

Die Antwort ist simpel. Authentizität. Und das ist viel mehr wert in diesen verrückten Zeiten, als so mancher wahrhaben möchte. Genau deshalb braucht es Bands wie Benediction. Bands, die sich nicht verbiegen, sondern das, was sie machen, von Herzen tun. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Und genau deshalb muss man gar nicht erst nach Überraschungen oder Neuerungen auf "Ravage of empires" suchen, dem zweiten Album der Briten seit der aufsehenerregenden Reunion. Ein kurzes Riff, ein dreckiges "Muahaha" von Ingram, schon läuft die Maschinerie. "Brace for impact / Or be blown away", röhrt der 56-Jährige im Opener "A carrion harvest", und nach etwa zwei Minuten passiert exakt Letzteres, wenn das Geknüppel kurzfristig von einem fiesen Groove abgelöst wird. So muss das.

Plötzlich tritt die Maschine auf die Bremse. Verschleppt das Tempo und wird dadurch noch bösartiger, noch unerbittlicher. "Genesis chamber" heißt dieses Gemetzel zwischen Riff-Raserei und monströsen Grooves, finsterer als einst der rauchverhangene Himmel im heimischen nordenglischen Black Country. Auf einmal ist man als Nostalgiker nicht mehr ewig gestrig, sondern mittendrin in der Hommage an die frühen Neunziger, als Benediction oder Bolt Thrower dem Rest der Welt zeigten, dass auch Briten Death Metal können. "Engines of war" rödelt unaufhaltsam wie ebenjene Gerätschaften, verarbeitet Nackenmuskulaturen zu zuckenden Bündeln aus sinnlosem Fleisch. Bei "Crawling over corpses" könnten Splatter-Aficionados schon vom Titel her eine kleine Ahnung bekommen, welche Band hier zumindest flüchtig Pate gestanden haben möchte. "In the dread of the night" schließlich ist pure RasereI: Drummer Giovanni Durst prügelt wie von Sinnen auf sein Kit ein, befeuert von wütenden Riffs, während Ingram diese Massenschlägerei weniger sortiert als befeuert.

Benediction mögen so oldschool sein, wie man als Band mit 35 Jahren Erfahrung nur sein kann. Eines sind sie jedoch nicht: stumpfsinnig. Zu keiner Zeit kommt Langeweile auf, zu keiner Zeit driftet das Album in monotones Geballer ab. Reduzieren auf das Wesentliche, dabei immer Ankerpunkte setzen, um spannend zu bleiben, das ist pure Qualität im Songwriting. Natürlich gibt es jede Menge sehr guter junger Death-Metal-Bands mit herausragenden Musikern, ob nun irrwitzige Virtuosen wie Blood Incantation oder auch jüngere, hungrige Bands wie Endseeker oder Baest, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Aber diese Wucht, diese Überzeugung, dieses Musik gewordene "Mia san mia", das beherrschen nur die ganz Großen. Und Benediction gehören zweifelsohne dazu.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • A carrion harvest
  • Engines of war
  • Crawling over corpses

Tracklist

  1. A carrion harvest
  2. Beyond the veil of the grey mare
  3. Genesis chamber
  4. Deviant spine
  5. Engines of war
  6. The finality of perpetuation
  7. Crawling over corpses
  8. In the dread of the night
  9. Drought of mercy
  10. Psychosister
  11. Ravage of empires

Gesamtspielzeit: 47:26 min.

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Armin

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2025-04-16 20:40:16 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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