Phoenix - Alphabetical

Phoenix- Alphabetical

Source / Labels / EMI
VÖ: 29.03.2004

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Das große Einmaleins

Äpfel und Birnen. Kraut und Rüben. Und obendrauf ein leckerer Hotdog mit Schokosoße. Das paßt nicht zusammen, Alter! Aber das sollte es ja auch gar nicht. Nicht, als Phoenix im Jahr 2000 unter dem trefflich gewählten Titel "United" zusammenriefen, was vor ihnen noch niemand vereint hatte. Durchgeknallter Hard-Rock, der auf Knien rutschend den Sommer beschwor. Neckische Sweetheart-Balladen, so lecker wie selbstgemachte Erdbeermarmelade. Zehnminütige Kurzwestern, die rodeotanzend ihre Colts am Zeigefinger kreisen ließen. Und - vor allem - hitzköpfige Hits, braungebrannt und crossgebraten, belohnt mit einem feuchtfröhlichen Betriebsausflug nach Easy Listening. Der größte Haufen Unordnung, den man sich vorstellen kann. Kein Wunder, daß Phoenix ein bißchen gebraucht haben, um da wieder rauszufinden.

Was auch immer Phoenix in den letzten vier Jahren getrieben haben, es hat sie ein Stück weit runterkommen lassen. Nach dem Auffangbecken für scheinbar willkürlich zusammengeschusterte Songfetzen, hat man diesmal ein richtiges Album gebaut. Ein Stück paßt zum anderen, die Tracks greifen sauber ineinander, und allzu exzentrische Einzelgänger hat man gleich ganz für sich behalten. Die Platte wirkt aufgeräumt und ausgeglichen und ist ihrem Vorgänger in dieser Beziehung meilenweit voraus. Kein Wunder, daß es daher ursprünglich mal "Mathematical" heißen sollte. Was aber natürlich noch lange nicht bedeutet, daß Phoenix die schiefen Einfälle ausgegangen wären. Au contraire!

Die Stop-and-go-Single "Everything is everything" kommt langsamer als damals "Too young" und würgt einem doch hintenrum einen quirligen Ohrwurm rein. Aus "Victim of the crime" können geübte Phantasten eine lausbübische Dr.-Dre-Hommage raushören, bevor sich der Schlagzeuger ausnahmsweise mal für einen Moment vergessen darf. Das lässige "(You can't blame it on) Anybody" hat den Herren Phoenix so viel Spaß gemacht, daß sie gleich noch ein ähnlich gestricktes Instrumental hintendran gehängt haben. Und "I'm an actor" walzt sich so offensichtlich neben Vers, Takt und Spur in den Wahnwitz, daß es problemlos als einziger wirklich verrückter Song der Sammlung durchkommt. Verlernt haben die nichts. Sie halten nur alles ein bißchen besser unter Kontrolle.

Mit einer Sache kann "Alphabetical" aber doch nicht lange hinter dem Zaun halten: Es ist so ein unverfroren französisches Album, daß man am 14. Juli die Champs-Elysées damit auslegen sollte. So smooth wie ein Schaumbad, so soft wie das Croissant vom Vortag und dreimal so sophisticated wie die Olive im Martini. Man muß sich nur mal anhören, wie "Love for granted", dem subtilen Song zum Langsamtanzen, vor lauter "Uh" und "Ah" der Zucker aus dem Mund läuft. Es mag ja sein, daß "Alphabetical" immer etwas länger braucht als damals "United". Im wundervollen Sommer vor vier Jahren. Aber das Arbeitstempo dieser Männer läßt einem ja nun wirklich alle Zeit der Welt.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Everything is everything
  • I'm an actor
  • Love for granted
  • If it's not with you

Tracklist

  1. Everything is everything
  2. Run run run
  3. I'm an actor
  4. Love for granted
  5. Victim of the crime
  6. (You can't blame it on) Anybody
  7. Congratulations
  8. If it's not with you
  9. Holdin' on together
  10. Alphabetical

Gesamtspielzeit: 37:29 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
sweetdevil
2005-01-14 15:24:05 Uhr
gefällt mir obwohl ich sonst eher härtere sachen höre, ziemlich gut!
stativision
2004-12-29 19:06:07 Uhr
mir nich
Uh huh him
2004-12-29 18:34:09 Uhr
Mir gefällt es auch.
die_muetze
2004-12-29 15:32:35 Uhr
Ist cool habs mir letzte woche bei saturn in berlin für 9€ geholt
Armin
2004-11-11 23:12:59 Uhr
Phoenix LIVE! - ThirtyDaysAgo (VÖ: 15.11.)
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