Haven - All for a reason

Haven- All for a reason

Virgin / EMI
VÖ: 29.03.2004

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Tiefgründig

Natürlich hat Cornwall mehr zu bieten als landschaftlich reizvolle Kulissen für überromantisierte Kitsch-Filme. Zum Beispiel die Band Haven. Wie diese sich zusammenfand, könnte jedoch glatt einem Pilcher-Roman entliehen sein: Sänger Gary Briggs und Gitarrist Nat Watson begegneten sich zum ersten Mal in einem Plattenladen im Küstenörtchen Penzance, hatten es beide auf dasselbe Album abgesehen und noch eine Gemeinsamkeit: nicht genug Geld dafür. Also teilte man sich die Kosten und fortan auch Proberaum und Bühne. Ex-Smith Johnny Marr wurde auf die zwischenzeitlich zu einem Quartett angewachsene Gruppe aufmerksam, wurde ihr Mentor und Produzent ihres Erstlings "Between the senses". Dessen Singleauskopplung "Say something" mußte man zugestehen, einer der schönsten Songs zu sein, die England 2002 gehört hat. Und jetzt? Zweites Album, hohe Erwartungen und Steine im Weg, also immernoch fast wie bei Pilcher.

Die ersten Sessions zu "All for a reason" wurden jäh unterbrochen, als Saitenmann Nat Watsons Gesichtsmuskeln aufgrund einer seltenen, streßbedingten Krankheit plötzlich fast vollständig gelähmt waren. Vor diesem Hintergrund erscheint ein Song wie "Have no fear" in ganz anderem Licht. Und das ist jetzt so gar nicht mehr pilcherhaft. Gefühle sind hier kein Kalkül, sondern ehrlich Erlebtes. Schlicht, schnörkellos, unprätentiös und trotzdem groß, groß, groß. Schon der Opener "Change direction" klingt wie der Ansatz eines glücklichen Lächelns nach der Erkenntnis einer durchwachten Nacht. Man muß die Vielzahl der Möglichkeiten, die man hat, nutzen. Der Gewißheit zum Trotz, daß man auch die falsche Richtung einschlagen könnte. Aber: nur Mut! "Wir gehen immernoch irgendwo hin", beteuern Haven. "Wohin, liegt ganz bei uns, es ist aufregend und unbekannt, aber wir sind definitiv auf unserem Weg."

Die Kraft der vier Herzen klingt nicht nur wie auf dem Meer glitzernde Sonnenstrahlen, nein, sie rockt auch standesgemäß und erinnert bei "Getaway" sogar ein wenig an Muse. Unbedingt erwähnt werden muß auch noch die Tatsache, daß die Titelreihenfolge inhaltlich viel Sinn macht, eine große Geschichte erzählt und ein rundes Ganzes formt. Johnny Marr hat übrigens wieder mitmodelliert. Und immer noch ist die Stimme von Gary Briggs so ergreifend, unaufdringlich intensiv und bezaubernd. Wie die landschaftlich reizvollen Pilcher-Kulissen. Nur irgendwie noch ein bißchen schöner.

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • Change direction
  • Have no fear

Tracklist

  1. Change direction
  2. Have no fear
  3. All for a reason
  4. The first time
  5. Wouldn't change a thing
  6. Something moved me
  7. What love is
  8. Together's better
  9. Don't say a word
  10. Getaway

Gesamtspielzeit: 39:32 min.

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