Guns N' Roses - Greatest hits

Guns N' Roses- Greatest hits

Geffen / Motor / Universal
VÖ: 15.03.2004

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Axlschweiß

Verzögerungstaktik galore. Seit über zehn Jahren wartet die Welt darauf, daß W. Axl Rose endlich den Arsch hochbekommt. Das sagenumwobene Album namens "Chinese democracy" wird seit derartigen Ewigkeiten angekündigt, daß seit dem ersten angeblich anvisierten Veröffentlichungstermin mehrere Touren an- und gleich wiederabgebrochen wurden, die von ihrer Rosigkeit vor die Tür gesetzten Mitstreiter Zeit hatten, ein Debüt mit neuem Sänger einzuspielen (und zu veröffentlichen), eine populäre Poppunk-Truppe Ansprüche auf den vakanten Albumtitel anmeldete und nach all der Untätigkeit schließlich neben dem vielbeschäftigten Schlagzeuger Josh Freese jüngst auch noch Saitenquäler Buckethead die Faxen dicke hatte.

Zur Besänftigung der Massen, die noch immer auf das gerade mal fünfte Studioalbum der ehedem heißesten, wildesten, gefährlichsten und besten Hairspray-Metaller der Welt warten, warf man im Laufe der Jahre mit einem eher überraschungslosen Livealbum erst einmal weitere olle Kamellen unters Volk. Und vor auch gar nicht mal mehr so kurzem ließ man, nach endlosen Vorankündigungen, auf dem Soundtrack zum Schwarzenegger-Vehikel "End of days" mit "Oh my God" endlich den ersten, massiv medienumrauschten, aber trotzdem eher nichtssagenden Krumen von "Chinese democracy" fallen.

Wer nicht Ende der Achtziger bzw. Anfang der Neunziger dabei war, wird kaum nachvollziehen können, warum eine derart arbeitsverweigernde Primadonna wie Rose einen solchen Rummel verursachen und überdies eine noch immer fanatisierte Anhängerschaft um sich versammeln kann. Dabei ist die Lösung doch so einfach: Denn der Furor, den Guns N' Roses damals mit ihren ersten drei, überaus grandiosen Alben und Liveshows zwischen Ekstase und Wahnsinn entfesselten, läßt noch heute die Ohren klingeln. Und Spätgeborene dürfen sich mit diesen "Greatest hits" gerne einen ersten Überblick verschaffen.

Das wilde Gebell von "Welcome to the jungle", die spitzen Schreie aus "You could be mine" oder das explosive Gekreische von "Paradise city" lassen auch heute noch dem breitbeinig rockenden Nachwuchs die Hosen runter. Dazu die unverschämt raffinierten Schnulzen wie "Sweet child o' mine", "Patience" oder "Don't cry" oder der gleich turmhoch aufgeschichtete Anspruch aus "November rain" und "Civil war" - fertig war die schweißgetränkte Legende, von der Rose noch heute zehrt.

Daß diese "Greatest hits", die die Band kurzerhand per Gerichtsbeschluß verhinden wollte und die dennoch mühelos weltweit an die Chartsspitze klettern, natürlich kein definitives Statement sind, ist jedoch offensichtlich. Mit "Mr. Brownstone", "Nighttrain" und "C.O.M.A." fehlen einige der mitreißendsten Knaller. Stattdessen nahm man drei mediokre Coverversionen mit, die noch vor dem unschönen Rausschmiß von Slash, Duff und Matt Sorum aufgenommen wurden. Diese letzte Handvoll Singles ist der klare Verlierer der hitträchtigen Zusammenstellung. Da man jedoch als Rockfan mit zumindest ansatzweise ausgeprägtem Hang zum Komplettismus sowieso den famosen Dreier "Appetite for destruction", "Use your illusion I" und "Use your illusion II" im Schrank stehen haben sollte, braucht man sich über derlei Unstimmigkeiten nicht den Kopf zu zerbrechen. Man benötigt schließlich alle Energie, um den vielen Veröffentlichungsterminen für "Chinese democracy" beim Verstreichen zuzuschauen.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Welcome to the jungle
  • Sweet child o'mine
  • Paradise city
  • You could be mine

Tracklist

  1. Welcome to the jungle
  2. Sweet child o' mine
  3. Patience
  4. Paradise city
  5. Knockin' on heaven's door
  6. Civil war
  7. You could be mine
  8. Don't cry
  9. November rain
  10. To live and let die
  11. Yesterdays
  12. Ain't it fun
  13. Since I don't have you
  14. Sympathy for the devil

Gesamtspielzeit: 79:10 min.

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