Throwing Muses - Moonlight concessions
Fire / Cargo
VÖ: 14.03.2025
Unsere Bewertung: 6/10
Eure Ø-Bewertung: 6/10
Das verflixte 40. Jahr
Eines kann man Throwing Muses wohl sicherlich nicht vorwerfen: Dass sie ihre Musik jemals an kommerziellen Erfolgsfaktoren ausgerichtet hätten. Im Gegenteil: Die schwer zu schubladisierenden Klangwelten dieser Band lassen Rezensenten immer wieder nach Worten ringen. Kristin Hersh, David Narcizo und Bernard Georges ziehen mitsamt diversen Gastmusikerinnen und -musiken diesen Stiefel seit fast 40 Jahren (holy shit!) durch und droppen gemächlich, aber regelmäßig neue Alben. Dass sie dabei über die Jahrzehnte altersmilde oder zugänglicher werden, ist jedoch definitiv bisher nicht zu beobachten. Da macht auch "Moonlight concessions" keine Ausnahme.
Auf neun Tracks zelebrieren Throwing Muses vor allem eines: den ur-amerikanischen Sound. Aber eben nicht in Form pompöser Haudrauf-Gesten à la "Born in the USA", sondern als Vertonung des "alten" Amerika mit seinen grenzenlosen Weiten und all den Schroffheiten, die das Land auch zu bieten hat. Ja, fast erinnern die hier heraufbeschworenen Klanggespinste an die teils unzugänglich-repetitiven Werke aus Bill Callahans Früh- und Spätphase. Musikalisch zerfällt "Moonlight concession" grob gesagt in zwei Teile: Da gibt es auf der einen Seite kratzig-sperrige, trockene Akustikgitarren mit unruhig raschelnden Drums wie im Opener "Summer of love" oder in "Libretto". Als Antagonisten fungieren Tracks wie "Theremini" oder "Sally's beauty", wo massiv verhallte, tief gestimmte Gitarren auf sinistres Cellospiel, rauschende Beckenwirbel und ätherischen Gesang treffen.
Das alles fließt über weite Strecken so dahin. Ob es verfängt oder nicht, ist sehr abhängig von der Abhörsituation: Wer "Moonlight confessions" morgens um 10 Uhr auf der bumsvollen A1 am Kamener Kreuz hört, dem wird's vermutlich etwas zu eintönig erscheinen. Wer das Album hingegen als Soundtrack für eine nächtliche Greyhound-Fahrt quer durch die Staaten auswählt, dürfte sich mit wohligem Grunzen in diese wundersam spröde, dürre und teils kratzbürstige Musik fallen lassen. Ja, man braucht etwas Durchhaltewillen und auch Zähigkeit, um die Platte zu goutieren. Die Belohnung erfolgt – so oder so – im abschließenden Titelstück. Hier nämlich finden sowohl die trocken-kantige als auch die verhallte, aquatische Dimension zu einer späten Synthese: Zu schleppenden Drums und routiniert gespielter Schrabbel-Gitarre entwickeln sich peu à peu ganz ungewohnte Harmonien und Akkordfolgen, die erstmals das enge harmonische Korsett der vorherigen Tracks verlassen und damit die über die ersten 27 Minuten angestaute Ungeduld und Spannung entladen. Aber verflixt: Ausgerechnet dieses so wunderbar erlösende Stück ist das kürzeste des ganzen Albums. Sie machen halt, was sie wollen, die Throwing Muses. Müssen wir so akzeptieren.
Highlights
- Theremini
- Albatross
- Moonlight concessions
Tracklist
- Summer of love
- South coast
- Theremini
- Libretto
- Albatross
- Sally's beauty
- Drugstore drastic
- You're clouds
- Moonlight concessions
Gesamtspielzeit: 29:26 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
| User | Beitrag |
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bender Postings: 181 Registriert seit 03.04.2020 |
2025-04-04 14:31:53 Uhr
ja ein tolles atmospährisches Album. z.B. Theremini ist ganz schön. |
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Lucas mit K Postings: 285 Registriert seit 19.07.2024 |
2025-03-25 08:10:28 Uhr
Das Album ist fantastisch. Kurz und knackig, sanft und rau zugleich. Muss mich mal mit ihrem Back Katalog beschäftigen. Kenne bisher nur einzelne Songs.Die Rezension hinterlässt bei mir ein paar Fragezeichen, mit der Wertung kann ich gar nicht mitgehen. Vor allem so Sätze wie Das alles fließt über weite Strecken so dahin. kann ich nicht nachvollziehen. Bei knapp 30 Minuten Laufzeit gibt es hier für mich keine „weiten Strecken“. Das zeichnet für mich ein völlig falsches Bild. |
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MickHead Postings: 8520 Registriert seit 21.01.2024 |
2025-03-14 12:02:08 Uhr
Komplette Playlist bei YouTube:https://www.youtube.com/playlist?list=PLZmpSK3klBc4kzG0T6-WA7BULdA6xAKrc Gaesteliste.de: Platte der Woche https://www.gaesteliste.de/review/show.html?id=67d40b4a38907405&_nr=22956 Rolling Stone 4/5 https://www.rollingstone.de/reviews/throwing-muses-moonlight-concessions/ |
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 29658 Registriert seit 08.01.2012 |
2025-03-12 13:14:12 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert. Meinungen? |
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MickHead Postings: 8520 Registriert seit 21.01.2024 |
2025-02-05 17:49:30 Uhr
2. Song "Libretto"https://youtu.be/bmHxoAE1c00?si=_lE-0wmT6mZaQkN8 |
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Referenzen
Kristin Hersh; Tanja Donelly; Lakuna; 50 Foot Wave; Belly; The Breeders; The Josephine Wiggs Experience; The Amps; Bob Mould; Kate Bush; Kastrierte Philosophen; Sugar; R.E.M.; Pixies; Lisa Germano; Yo La Tengo; PJ Harvey; The Raincoats; Life Without Buildings; ; Liz Phair; Bill Callahan; 10.000 Maniacs; Dinosaur Jr.; Veruca Salt; Buffalo Tom; Heidi Berry; Sebadoh; The Folk Implosion; Gravenhurst; Grandaddy; Ryan Adams; Hobotalk; The Broken Family Band; Mojave 3; Neil Halstead; Rachel Goswell; Dirtmusic; The Walkabouts; Chris & Carla
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