Johnny Cash - Unearthed

Johnny Cash- Unearthed

American / Lost Highway / Polydor-Island / Universal
VÖ: 16.02.2004

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Erde zu Erde

Die Tränen waren kaum getrocknet, da ließ ein letztes Lebenszeichen dieses Mannes wieder einmal Gefühle aufwallen. Nicht durch die Nachricht, daß es eine Resteverwertung der Sessions von Johnny Cash unter der Aufsicht von Rick Rubin geben würde. Auch nicht unbedingt durch den legendenbildenden Umstand, daß die überaus aufwendige Box zum urspünglichen Erscheinungstermin augenblicklich vergriffen war und erst zwei Monate später wieder lieferbar war. Nein, die unwiderstehliche Strahlkraft jener beinahe achtzig Songs auf "Unearthed" ist es, die einmal mehr den Hörer bewegen und die schmerzliche Lücke aufzeigen, die Cashs Tod gerissen hat.

Passender betitelt hätte diese Box kaum sein können. Seit der Mann in Schwarz und der Mann mit dem Bart zusammen alte und neue Klassiker in karge Gewänder steckten, fielen Dutzende von Songs, die auf den bisherigen vier Alben der legendären American-Recordings-Serie keinen Platz fanden, unter den Tisch. Beinahe wären sie in Vergessenheit geraten. Zweite Wahl? Nicht die Spur. Herzzerreißende Interpretationen von Klassikern wie "Hard times", "You are my sunshine" oder "Wichita lineman" und gewohnt eindrucksvolle Coverversionen von Künstlern wie Neil Young, Bob Marley, Steve Earle, Tom Waits oder Dolly Parton erblicken endlich das Licht der Welt. Und sind fast ausnahmslos beeindruckend.

Dem Anlaß angemessen ist auch die edle Aufmachung mit buchartig gebundenen CD-Hüllen und einem über einhundertseitigen, auf hochwertigem Papier gedruckten Textbuch mit kenntnisreichen Essays und Linernotes von Cash, Rubin und diversen Mitstreitern zu jedem einzelnen vertretenen Track. Der dort immer wieder aufblitzende, trockene Humor Cashs findet sich in der Auswahl der Songs ebenso wieder wie seine manchmal ehrfurchterregende Weisheit. Die Tiefe, die Cash durch sein bloßes Dasein vermittelt, verblüfft stets aufs Neue. Ein ständiges Kribbeln im Nacken. Und ausgerechnet die Fremdkomposition "A singer of songs" spiegelt sein Wesen als Sänger sogar noch besser wider als seine eigene Signatur-Hymne "Man in black": "I'm not a savior, and I'm not a saint / The man with the answers I certainly ain't / I wouldn't tell you what's right or what's wrong / I'm just a singer of songs."

Es sind Momente wie dieser, die die vermeintlich hohen Anschaffungskosten dieser wertigen Box vergessen machen. Momente wie makabre Liebeslieder Marke "Banks of the Ohio", "He stopped loving her today" und "Long black veil". Wie das gänsehautige "Redemption song", das Punkveteran Joe Strummer zusammen mit Cash nur wenige Wochen vor seinem Tod einspielte. Wie mit der Gospel-Scheibe "My mother's hymn book", die die vierte der grob thematisch sortierten CDs füllt und bei der sich ein eindringlich wie selten singender Cash endlich den Traum erfüllen konnte, den ihm Sun-Chef Sam Phillips dem jungen Country-Sänger einst mit den Worten "Geh nach Hause und sündige erst einmal ein bißchen" recht unwirsch ausgetrieben hatte. Oder wie das indirekt mit den Red Hot Chili Peppers eingespielte "Heart of gold", bei dem John Frusciante knapp zehn Jahre nach dem Einspielen der Basictracks durch die Bandkollegen Flea und Chad Smith zwei feine Soli spendierte, als er eigentlich nur ein paar Overdubs für das nächste Peppers-Album aufnehmen wollte.

Bei so viel nachträglich entblößter Brillanz sind auch verschenkte Chancen wie das etwas verorgelte "You'll never walk alone" oder das Cat-Stevens-Cover "Father and son", bei dem Fiona Apple zwar hübsch, aber unpassend mitträllert, zu verschmerzen. Auch die Best-Of der American-Sessions auf Silberling fünf wirkt mit ihrer mindestens streitbaren Songauswahl ziemlich überflüssig. Doch natürlich braucht sich niemand zu ärgern, daß so großartige Songs wie "The man who couldn't cry", "I've been everywhere", "I see a darkness" oder das verblüffende "Personal Jesus" fehlen. Denn zum einen ist auf den vier anderen Silberscheiben von "Unearthed" derart viel Begeisterndes zu finden, das diese Lücken allemal wettmacht, und zum anderen gehören die vier American-Alben sowieso in den Schrank jedes Cash-Connaisseurs. Während man die über vier Stunden genießt, die noch einmal alles aufzeigen, was Cash schon zu Lebzeiten zur Legende machte, vergeht die Zeit ein bißchen intensiver als sonst. "Unearthed" ist ein Geschenk.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Long black veil
  • The caretaker
  • Casey's last ride
  • Heart of gold
  • A singer of songs
  • Redemption song (with Joe Strummer)
  • Delia's gone
  • Rusty cage

Tracklist

  • CD 1
    1. Long black veil
    2. Flesh and blood
    3. Just the other side of nowhere
    4. If I gave my soul
    5. Understand your man
    6. Banks of the Ohio
    7. Two timin' woman
    8. The caretaker
    9. Old chunk of coal
    10. I'm going to Memphis
    11. Breaking bread
    12. Waiting for a train
    13. Casey's last ride
    14. No earthly good
    15. The fourth man in the fire
    16. Dark as a dungeon
    17. Book review
    18. Down there by the train (Alternate take)
  • CD 2
    1. Pocahontas
    2. I'm a drifter (Version 1)
    3. Trouble in mind
    4. Down the line
    5. I'm movin' on
    6. As long as the grass shall grow
    7. Heart of gold
    8. The running kind (with Tom Petty)
    9. Everybody's trying to be my baby
    10. Brown-eyed handsome man (with Carl Perkins)
    11. 'T' for Texas
    12. Devil's right hand
    13. I'm a drifter (Version 2)
    14. Like a soldier (with Willie Nelson)
    15. Drive on (Alternate lyrics)
    16. Bird on a wire (live with orchestra)
  • CD 3
    1. A singer of songs
    2. The L & N don't stop here anymore
    3. Redemption song (with Joe Strummer)
    4. Father and son (with Fiona Apple)
    5. Chattanooga sugar babe
    6. He stopped loving her today
    7. Hard times
    8. Wichita lineman
    9. Cindy (with Nick Cave)
    10. Big iron
    11. Salty dog
    12. Gentle on my mind (with Glen Campbell)
    13. You are my sunshine
    14. You'll never walk alone
    15. The man comes around (Early take)
  • CD 4
    1. Where we'll never grow old
    2. I shall not be moved
    3. I am a pilgrim
    4. Do Lord
    5. When the roll is called up yonder
    6. If we never meet again this side of heaven
    7. I'll fly away
    8. Where the soul of man never dies
    9. Let the lower lights be burning
    10. When He reached down
    11. In the sweet by and by
    12. I'm bound for the promised land
    13. In the garden
    14. Softly and tenderly
    15. Just as I am
  • CD 5
    1. Delia's gone
    2. Bird on a wire
    3. Thirteen
    4. Rowboat
    5. The one rose
    6. Rusty cage
    7. Southern accents
    8. Mercy seat
    9. Solitary man
    10. Wayfaring stranger
    11. One
    12. Hung my head
    13. The man comes around
    14. We'll meet again
    15. Hurt

Gesamtspielzeit: 242:22 min.

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User Beitrag
afromme
2008-09-23 18:55:30 Uhr
So, ich wollte ja hier vermelden, was das gegeben hat. Zoll musste ich zahlen, und zwar 8,56€, abzugeben direkt beim Postboten.
Macht insgesamt exakt 47,-€ für Produkt, Porto und Zoll, bei gut 20% Zoll auf Produkt- und Portokosten.
Poposeidon
2008-08-30 14:54:30 Uhr
Ich glaub damals waren es ca. 60€. Ich hab eine Benachrichtigung bekommen in der stand, dass ich das Päckchen beim Zoll abholen muss.
afromme
2008-08-30 13:34:34 Uhr
@Poposeidon:
Wie viel hast du denn damals für die Box bezahlt (also Box plus Porto, ohne Zoll)?

Mal schauen - selbst wenn ich 20€ beim Zoll liesse, wäre ich noch bei unter 60€; ich hab vor ein paar Monaten etwas deutlich teureres aus den USA bekommen (lag so bei 60€ inkl. Porto), was aber weniger als 20€ Zoll gekostet hat. Zoll war bisher auch immer problemlos beim Postboten (m/w) zu entrichten. Ich hatte auch schon Glück und eine Sendung ist komplett zollfrei druchgekommen.
Ich berichte hier jedenfalls von meinen Erfahrungen :-)

Hab auch gerade gelesen, dass ab 1.12.08 die Zollgrenzen für Postsendungen aus dem Nicht-EU-Ausland nach Deutschland von 22€ auf 150€ angehoben werden. Hmmmm :-)
Poposeidon
2008-08-30 13:20:31 Uhr
@afromme

Also ich hab damals gut 20€ beim Zoll gelassen, plus dass man die Box dann natürlich noch beim Zoll abholen muss. War nicht so toll ...
afromme
2008-08-30 12:38:45 Uhr
Schlimm, man stösst hier im Forum auf den American V-Thread, in dem die Unearthed-Box angesprochen und mit Lob überhäuft wird und ist direkt angefixt. Derzeit bei amazon.de für sportliche 89,90€, aber bei amazon.com für 38,44€. Porto inklusive und wir drücken mal die Daumen, dass sich der Zoll in Grenzen hält...
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