Coilguns - Odd love
Hummus / Bertus
VÖ: 22.11.2024
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
Melodien für den Untergang
Nachdem die letzten Veröffentlichungen von Coilguns noch stark den DIY-Gedanken untergeordnet waren, dem die Band seit ihrer Gründung 2011 folgt, beschreiten die Schweizer mit "Odd love" einige neue Pfade. Einer dieser Pfade führte sie in den hohen Norden nach Norwegen ins renommierte Ocean-Sound-Studio. Dort setzte das Quartett die vorab geschriebenen Songs neu um und wohnte am einzigen freien Tag während der Aufnahmen in Ålesund einem jährlichen Ritual mit beachtlicher Flammenhöhe bei – verewigt auf dem Cover ihres vierten Albums. On fire fühlt sich auch der Sound an: Auf den ersten Veröffentlichungen noch hörbar von der Hardcore-Szene beeinflusst, entwickelten Coilguns im Laufe der Zeit einen eigenen, mehr von Punk und Noise geprägten Stil, den sie nun abermals neu fassen. Die Anfang 2024 erschienene, sehr gute Split-Maxi "You and I in the gap" mit Birds In Row war ein Vorbote auf das, was dieses Werk nun präsentiert.
Was "Odd love" nämlich zusätzlich mit ins Spiel bringt, ist ein unverschämtes Händchen für Melodien an jeder Ecke. Wie in "Placeholders", das mit Schreigesang und nach vorn bollernden Riffs losschießt, dann aber ausgerechnet von einem Pfeif-Refrain eingefangen wird, der eine ungewöhnliche Leichtigkeit im Schweren einbringt. Denn die Themen der vier Musiker aus einem der reichsten Länder der Welt sind alles andere als angenehm und befassen sich mit der Verantwortung der westlichen Gesellschaft gegenüber der brennenden Welt. Tanzen und Pfeifen auf den Untergang. Mit einem Gesangsstil, der die Ohren gehörig strapaziert, aber dem Sound gut reinläuft.
Durchgängig fasziniert an "Odd love" der Gegensatz aus Aufgekratztheit, Chaos und der gewissen Prise Eingängigkeit – wie in der ersten Single "Bandwagoning", die in irrer Geschwindigkeit drauflosprügelt, während Sänger Louis Jucker zwischen Spoken Word und Geschrei zu einer Revolution aufruft: "A handful of riots should reorganize how we're wasting our lives." Wem das zu krachig ist: Auch "Caravel" bietet zwar einen Mix aus noisigem Ausbruch samt schiefem Klavier – aber erst nach feinem, melancholischem Beginn. Und es ist fast unverschämt, wie Jucker in "Venetian blinds" die Refrainzeilen "Is it sane to implicate our hearts and intricate our lives / Will it be vain to flee the fears we now should face" in verzweifelter Stimm(ungs)lage aufs Publikum loslässt und die Gitarren dazu schief jaulen. Coilguns können aber nicht nur brachial: "Featherweight" und "The wind to wash the pain" zeigen, dass auch Post-Rock zum Repertoire gehört, insbesondere jener, der sich mit Verzögerung explosiv entlädt. Zu guter Letzt zeigt "Bunker vaults" noch einmal deutlich die Neigung der Eidgenossen zum Post-Hardcore und beendet diese anstrengende, aber sehr einnehmende Dreiviertelstunde mit einem massiven Ausrufezeichen.
Highlights
- Placeholders
- Featherweight
Tracklist
- We missed the parade
- Placeholders
- Generic skincare
- Black chyme
- Bandwagoning
- Caravel
- Venetian blinds
- Featherweight
- The wind to wash the pain
- Bunker vaults (Intro)
- Bunker vaults
Gesamtspielzeit: 48:09 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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fakeboy Postings: 6443 Registriert seit 21.08.2019 |
2025-08-26 17:33:58 Uhr
Leider hab ich die tatsächlich noch nie gesehen, obwohl sie viel unterwegs sind. Am 18.9. gäb's ne Gelegenheit. Weiss aber noch nicht ob mir das Datum passt... |
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zurueck_zum_beton Postings: 261 Registriert seit 07.07.2013 |
2025-08-26 16:48:33 Uhr
Ist meine bisherige Live-Entdeckung des Jahres.Dreimal gesehen: …playing odd love in its entirety, einmal draußen, einmal drinnen. Unglaublich, wie viel Bock die immer haben, total ansteckend |
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headup Postings: 145 Registriert seit 09.09.2017 |
2025-08-26 14:43:33 Uhr
Soooo, hier auch mal pushen.Fantastisches Album und ja, komisch das hier nüscht passiert. Erinnert mich vom Gesang und Melodieführung her das ein oder andere mal auch an O'brother. Sehr kreativer und abwechslungsreicher output...Geiles Ding |
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fakeboy Postings: 6443 Registriert seit 21.08.2019 |
2025-06-21 13:27:14 Uhr
Sehr gute Band, sehr gutes Album. Müsste hier viel mehr Aufmerksamkeit geniessen. Wer Post-Hardcore mag und Gefallen an einer recht straighten Mischung aus Converge und Refused finden könnte, sollte das Album unbedingt mal auschecken. |
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 30003 Registriert seit 08.01.2012 |
2024-12-19 20:25:42 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert. Meinungen? |
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Referenzen
Birds In Row; Liars; Respire; Weekend Nachos; The Carrier; More Than Life; Cave In; Narrows; KEN Mode; Great Falls; Ghinzu; Converge; Coalesce; dEUS; The Jesus Lizard; Iceage; Dÿse; No Age; Gilla Band; Deerhoof; Preoccupations; Fuck Buttons; Ought; Chat Pile; Metz; Pissed Jeans; Oxbow; Sumac; Hammock; The Ocean; Louis Jucker
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