Ween - White pepper

Ween- White pepper

Mushroom / Zomba
VÖ: 02.05.2000

Unsere Bewertung: 9/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Die Rückkehr der Pop-Extremisten

Ween sind zurück! Jene Band, die man nie wirklich klassifizieren konnte und können wird, die wohl so ziemlich jede Spielart der Musik auf der Suche nach dem perfekten Popsong bereits für sich verwendet haben, legt jetzt (die letztjährige Livesammlung "Painting the town brown" außen vor gelassen) mit "White pepper" ihren insgesamt achten Longplayer vor. Drei Jahre sind vergangen seit "The mollusk" die Popwelt durcheinander wirbelte und die Frage aufwarf, welches Instrument die "Brüder" Daron Freeman und Mickey Melchiondo alias Dean und Gene Ween sowie ihre zahlreichen Mitstreiter eigentlich nicht beherrschen und in ihre kranken Kompositionen einbringen würden. Was erwartet uns diesmal?

Um es direkt vorwegzunehmen: Ween sind die Alten geblieben. Das heißt bei Ihnen jedoch nicht, daß sie ihrem Stil treu geblieben wären, sondern vielmehr daß sie sich klanglich mal wieder komplett verändert haben. "White pepper" ist ein wildes Wirrwarr der verschiedensten Stile. Ähnlich den bunten Paprikas im Inlay halten Ween sich auch diesmal an keiner Geschmacksrichtung lange auf und mischen alles ineinander. Diesmal scheut man sich nicht, das Süppchen mit Streichern, Hörnern und weiblichem Backingvocals zu würzen. Daß sie dies als "drei schlechte Zeichen für Weens Zukunft" ansehen, sagt schon einiges über ihre verqueren Gedankengänge aus. Welche andere Band würde es sonst wagen, dem Karibiksong "Bananas and blow" den Motörhead beschwörenden Uptempokracher "Stroker ace", das völlig abgedrehte Instrumental "Ice castles" und schließlich den Old-School-Popsong "Back to basom" folgen zu lassen?

Von Easy Listening mit relaxten Grooves über Midtempo-Rocksongs und den gelegentlichen Metalkracher bis hin ruhigen Nummern mit großen Melodiebögen ist alles enthalten. Leder, Lack und Plüsch erklingen einträchtig nebeneinander. Bei noch nicht mal 40 Minuten Spielzeit hat man nie die Zeit, sich auf eine Stilrichtung einzustellen. An allen Ecken und Enden lauern Überraschungen. Trotzdem gelingt es Ween, das hohe Qualitätslevel zu halten. Nie kommt das das Gefühl auf, mit Lückenfüllern, Unentschlossenheiten oder ähnlichem abgespeist zu werden. Hier ist wirklich Pfeffer drin! Jeder Song ist für sich gesehen eine kleine Perle und alle zusammen ergeben eine in allen Farben schillernde Klangkette, die wohl jeden Geschmack anzusprechen versteht.

Textlich bleiben Ween sich selbst treu. Schwarzer Humor und viel Selbstironie werden großgeschrieben. Daß ihre Phantasie zuweilen unter der Gürtellinie zuhause ist, merkt man z.B. im herrlich verrückten "Bananas and blow". Sicher werden Ween auch mit diesem Album nicht den großen kommerziellen Durchbruch schaffen. Dafür ist ihre Musik einfach zu wenig auf den schnellen Hit ausgelegt, der in unserer Medienwelt heute so wichtig ist. Ween sind zu hintergründig und zu vielfältig, um sich auf breiter Ebene durchzusetzen. Feinschmecker werden dafür umso begeisterter reagieren. Ween sind und bleiben ein Phantombild, das sich ständig verändert und dessen einzig sicherer Anhaltspunkt die hohe Qualität ist.

(Thorsten Thiel)

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Highlights

  • Exactly where I'm at
  • Even if you don't
  • Pandy fackler

Tracklist

  1. Exactly where I'm at
  2. Flutes of chi
  3. Even if you don't
  4. Bananas and blow
  5. Stoker ace
  6. Ice castles
  7. Back to basom
  8. The grobe
  9. Pandy fackler
  10. Stay forever
  11. Falling out
  12. She's your baby

Gesamtspielzeit: 39:28 min.

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