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Mia. - Stille Post

Mia.- Stille Post

ROT / Columbia / Sony
VÖ: 08.03.2004

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Recht und Freiheit

Der Grand Prix ist schon arm dran. Über Jahre und Jahrmillionen hinweg malträtierte der böse Ralph Siegel den Wettbewerb und die Nation mit immer neuen Grausamkeiten, mit dem steten Ziel, unsere Trommelfelle und seine Tränensäcke zum Platzen zu bringen. Dieser bemitleidenswerte Mann schrieb die Lieder, vortragen mußten sie andere. Eine blinde Frau, über die wir hier blöde Witze machen würden, wenn blöde Witze über Blinde nicht verboten wären. Eine Schar Türken, über die wir hier blöde Witze machen würden, wenn blöde Witze über Türken nicht verboten wären. Und eine pumucklfrisierte Schreckschraube, über die wir hier zu gerne blöde Witze machen würden, wenn sie nicht schon selbst ein einziger solcher wäre.

Dieser seelischen Grausamkeit mußte ein Ende bereitet werden. Dachten wir. Und dachte sich auch ein schlauer NDR-Verantwortlicher. Und dachte. Und dachte. "Wie schaffen wir es, daß der olle Siegel uns in diesem Jahr auf jeden Fall vom Leib bleibt?" Nach ausgiebigem Überlegen kam die rettende Idee. Und wurde mit einem strengen Regelwerk auf Siegelfestigkeit abgeklopft. In Kürze: Eine Kooperation mit VIVA wurde ins Leben gerufen, und ab diesem Jahr darf nur noch bei der Vorentscheidung mitmachen, wer vorher von dem Teeniesender ausreichend oft auf Deutschlands Pickelgesichter losgelassen wurde. Und schon stand Naddels Ex vor einem Problem. Ralph Siegel ging also dahin, wo der Pfeffer wächst (manche sagen auch "Malta" dazu) und bleibt da hoffentlich auch. Aber wie besagt eine alte Weisheit von bestimmt so mindestens vor dem ersten Weltkrieg: Wo eine Plage geht, kommt ein Dutzend neuer hinzu. Die heißen im Falle der diesjährigen Vorausscheidung zum "Eurovision Song Contest 2004" (so der amtliche Name) Overground, Laith Al-Deen, Scooter, Sabrina Setlur oder Wonderwall. Und Mia stehen vor der schweren Aufgabe, am 19. März als letzte Oase in der Wüste der Peinlichkeiten uns Deutschen das letzte Fünkchen zu retten, das man von unserer Ehre noch gelassen hat. BITTE!

Viel Vorgeschichte für eine einzige Mia-Rezension? Eigentlich schon. Aber es gäbe sogar noch viel mehr zu erzählen. Denn schließlich schafft es momentan außer den notorischen Zeitgeisttreffern Wir Sind Helden keine andere Band so notorisch, den Zeitgeist zu treffen, wie Mia. Da war dieser Eklat, für die Berliner vor kurzem sorgten, als sie sich bei Auftritten in unsere Landesfarben hüllten, um für gesunden Patriotismus, gegen blöden Nationalismus, für wohldosierten Linksliberalismus und bestimmt auch gegen überzuckertes Apfelmus zu demonstrieren. Verstand zwar keiner, wirkte aber ziemlich. Und sogar hellsehen können die. Denn pünktlich zur Veröffentlichung des Mia-Zweitlings streiken die Briefträger der Republik. Und sorgen für eine reichlich "Stille Post".

Zur Lage der Nation weiß dieses neue Album dann auch einiges zu berichten. Mia zeigen Flagge. Und alle, die sie für ihre heillose Überdrehtheit, so manches provokante Statement, die zweifelhaften NDW-Anleihen und das peinliche Auftreten von Frontwumme Mieze hassen, werden damit in Zukunft (ausgenommen den 19. März natürlich) fleißig weiter machen. Denn Songs wie das nervtötende "Komm her", das langatmige Instrumental "Rauschen" oder das sechsminütige, bestimmt aus Protest langweilige "PRO Test" gehen zu sehr mit dem Kopf durch die Wand, um diese nicht in unbrauchbaren Betonschutt zu zerlegen.

Doch wie schon auf dem Debüt "Hieb und StichFest" findet sich zwischen diversem Unsinn wieder allerhand schmissige Kurzweil. Will sagen: Hits! Wie "Hungriges Herz", das wir hoffentlich beim Grand-Prix-Finale in Istanbul wiedersehen. Wie das clever zurückgenommene, bereits vor Monaten auf einer EP veröffentlichte "Was es ist". Wie das mit Kopfstimme geträllerte "Sonne". Oder wie "Ökostrom", das keineswegs als umwelt- sondern eher als gesamtpolitisches Statement zu verstehen ist. Und mit seinem unverblümten Reformwillen die Lösung für all unsere Leiden aufzeigt, vom Hühnerauge bis zur Konjunkturflaute, vom Haarausfall bis zum zum Grand-Prix-Debakel, vom Juckreiz am Rücken bis zum Ende der Welt. Wir brauchen sie, die musikalischen Supermänner, die immer da sind, wo's brennt. Hieß es früher noch "Jajaja, jetzt wird wieder in die Hände gespuckt" oder auch "Wenn Du fast am Heulen bist und es nach Ärger riecht / Super Super Ritchie kommt zu Dich gefliegt", sind jetzt Mia zur Stelle. Sie wissen für alles ein Patentrezept. Hat sie niemand drum gebeten? Ihnen egal. "Für einen ersten Schritt ist es nie zu spät."

(Armin Linder)

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Highlights

  • Ökostrom
  • Hungriges Herz
  • Was es ist
  • Sonne

Tracklist

  1. Komm mein Mädchen
  2. Ökostrom
  3. Hungriges Herz
  4. PRO Test
  5. Was es ist
  6. Hoffnung / Mit diesem Trick
  7. Blaue Flecken
  8. Atze de Boe / Unsere Lieder (Express Mix)
  9. Rauschen
  10. Sonne
  11. Komm her

Gesamtspielzeit: 47:18 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
An euch alle
2015-04-15 16:18:36 Uhr
Ich liebe das Leben...und MIA!
XY
2007-06-17 23:04:42 Uhr
Hm, ich fand MIA ja immer ein wenig doof. Wegen der nervigen "Mieze" und deren neo-patriotischem Gelaber.
Jetzt habe ich von einer Freundin das Album bekommen, weil ich "Hungriges Herz" hören wollte - und stelle fest, dass ich es richtig gut finde. Es sind einige wirklich grandiose Songs drauf, neben "Hungriges Herz" noch Hoffnung/ Mit diesem Trick (toller Text), Sonne (ebenfalls toller Text), Atze de Boe/ Unsere Lieder und Komm her (sehr süß, das letzte Lied). Ach ja, "Was es ist" hatte sich mir schon als Titelmelodie der ZDF-Reportagereihe 37 Grad eingebrannt.
Nur zwei Ausfälle gibt es meiner Meinung nach: Rauschen und Pro Test.
keine_lust_auf_einen_namen
2005-10-01 19:54:59 Uhr
Scala & Kolacny Brothers haben das atemberaubende lied "hungriges herz" gesungen.
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/B000B4T7AO/

klingt einfach geinal
Armin
2005-03-21 18:29:43 Uhr
Mia.
20.05.2005 - Sportflugplatz (Damme/Osnabrück)
21.05.2005 - Tanzbrunnen (Köln)
22.05.2005 - Jahrhunderthalle Open Air (Bochum)
08.07.2005 - Nuke Festival (A-St. Pölten)
06.08.2005 - Big Day Out (Anröchte)
13.08.2005 - Open Flair (Eschwege)
14.08.2005 - Taubertal Festival (Rothenburg o.d. Tauber)
Armin
2004-11-29 17:11:47 Uhr
Mia.
03.12.04 - Düsseldorf - Tor 3
04.12.04 - Hamburg - Große Freiheit 36
05.12.04 - Dortmund - Soundgarden
07.12.04 - Kiel - Max
10.12.04 - Cottbus - Glad-House
11.12.04 - Berlin - Columbiahalle
12.12.04 - Kassel - Musiktheater
15.12.04 - Darmstadt - Centralstation
17.12.04 - Hamburg - Color Line Arena
18.12.04 - Köln - Christmas-Rocknacht
21.12.04 - Bremen - Modernes
08.01.05 - München - Muffathalle
09.01.05 - Jena - Volksbad
11.01.05 - Rostock - Scanline Arena
13.01.05 - Braunschweig - Jolly Joker
14.01.05 - Magdeburg - Factory/Dominion Club
15.01.05 - Dresden - Alter Schlachthof
18.01.05 - Nürnberg - Hirsch
19.01.05 - Leipzig - Werk 2
21.01.05 - Osnabrück - Rosenhof
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