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Human Impact - Gone dark

Human Impact- Gone dark

Ipecac / Rough Trade
VÖ: 04.10.2024

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Scheiße, die Bullen

Nicht mehr ganz bei Trost? Dann ist es ja gut. Zumindest für alle, die ihre Rockmusik in einen großen Bottich Lärm getaucht und elektronisch ausufernd mögen. Die haben es von der Eingangsfrage nämlich nicht weit zu den New Yorker Noise-Rock-Bären Unsane. Auch wenn dieses Wort genau genommen gar nicht existiert. Haken an der Sache: Unsane existieren auch nicht mehr. Oder nicht so richtig. Was hoffentlich nicht an dieser etwas mediokren Bewertung liegt. Frontmann Chris Spencer stieg 2019 aus, rief ein Online-Label zum Vertrieb frisch digitalisierten Unsane-Materials ins Leben, gründete die Band 2021 wieder neu – erschienen ist bisher jedoch nichts. Wohl aber von Human Impact, der knirschigen Supergroup, die Spencer zusammen mit dem früher von Cop Shoot Cop bekannten Jim Coleman betreibt. Zwei am selbstbetitelten 2020er-Debüt beteiligte Swans-Musiker sind schon wieder weg, neu dabei dafür Eric Cooper und John Syverson, die inzwischen auch zu Unsane gehören. Wer kennt sich denn da noch aus?

Besetzungstests.de schon lange nicht mehr. Machen wir es uns also einfach und klassifizieren Human Impact als Nachfolgeorganisation von Unsane. Einiges spricht dafür. Die oft Gewalt und Missstände aller Art anklagenden Artworks und Songtitel, die an Sludge, Hardcore und Punk geschulten Fünf-Minuten-Brecher, das räudige Geraspel, bei dem die Stimmbänder im wahrsten Wortsinne zum Hals raushängen – allesamt Spencers Paradedisziplinen. Für die fiesen Industrial-Infiltrationen sorgt Coleman, der es schon auf dem großartigen Erstling oft böse bitzeln und rütteln ließ, und auch der Rest der Band poltert und grummelt so unsanft durch "Gone dark", dass die stilisierten Polizisten auf dem Cover wohl wegen Ruhestörung anrücken werden. Und mit gezückten Gummiknüppeln, weil man die schließlich auch mal für irgendwas benutzen muss. Human Impact antworten mit gemein rotierenden Stakkato-Rockern wie "Hold on", das durch Coopers Bass enorm an Rigidität gewinnt – Bullen gegen Band 1:1. Aber wenigstens gab's viele Verletzte.

Zum Glück nur im übertragenen Sinne. Doch das Quartett hat auch die durch Kriege, soziale Schieflagen und autoritäre Regime aus den Fugen geratene Weltlage im Blick, die dringend einer Renovierung bedarf. Wie diese ablaufen soll? Mittels "Reform", wobei dichte, fast undurchdringliche Gitarrenmassive und barsche Tempowechsel die Lösung sein sollen? Oder doch nach dem Prinzip "Destroy to build" mit schleppenden Blecheimer-Drums und knietief im Doom wühlenden Riffs, bis die Chose kaputtkorrodiert in sich zusammenfällt? Auch Human Impact bieten keine Lösung an und haben vielleicht noch nicht einmal Ahnung, aber dafür einen Haufen unbeugsame Song-Bömbchen im Gepäck, von denen "Corrupted" und "Lost all trust" bei allem Pessimismus sogar fast als handelsübliche Hartwurst durchgehen. Und "Repeat"? Ist hier nicht das denkbar schlechteste Ende einer Rezension, sondern ein kantiger Groover, der lautstark den Godflesh-Klassiker "Crush my soul" feiert. Wir feiern mit – bevor die Lichter endgültig ausgehen.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Hold on
  • Reform
  • Repeat

Tracklist

  1. Collapse
  2. Hold on
  3. Destroy to build
  4. Reform
  5. Imperative
  6. Disconnect
  7. Corrupted
  8. Repeat
  9. Lost all trust

Gesamtspielzeit: 44:21 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

noise

Postings: 1132

Registriert seit 15.06.2013

2024-10-23 21:11:13 Uhr
Werde ich mir sicherlich anhören. Die ersten beiden waren schon richtig fies. Im Gedenken an die großartigen Unsane. Was für den Kopf freiblasen.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 30439

Registriert seit 08.01.2012

2024-10-22 20:34:30 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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