Ilya - They died for beauty

Ilya- They died for beauty

Virgin / EMI
VÖ: 23.02.2004

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Schöngeister

Zehn Jahre ist das auch schon wieder her. Die ganze Welt war besessen von harten Gitarren und geschmacklosen Hemden. Männer hatten lange Haare, und Frauen sahen möglichst scheiße aus. Das war gut so damals. Und vielleicht auch wichtig. Nur schön war es eben nicht. Weshalb man sich in einem kleinen britischen Städtchen auf die alten Regeln der Ästhetik besann. Bristol. Hier war Musik elegant und ausufernd, dekadent und geheimnisvoll. Hier waren Frauen unergründlich mysteriöse Wesen. Und hier beginnt auch die Geschichte von Ilya. Wer eine TripHop-Checkliste führt, sollte schon mal den Bleistift spitzen.

Die Sängerin Jo Swan, der Gitarrist Dan Brown und das Mädchen für alles Nick Pullin waren dabei, als die rätselhafteste Musik der Neunziger mitten im Leben stand. Sie haben "Portishead", "Maxinquaye" und "Blue lines" miterlebt. Sie haben gesehen, wie im Fernsehen Autos zum Gesang von Beth Gibbons durch die Gegend fuhren und Banken zu den Klängen von Massive Attack das taten, was Banken eben so tun. Und deshalb haben sie zunächst einmal alles ganz genauso gemacht. Es hat halt nur ein bißchen länger gedauert. Runde zehn Jahre. Aber jetzt ist das erste Album von Ilya fertig. Und mit einem ihrer Songs wird sogar schon Duftwasser-Werbung gemacht.

"They died for beauty" ist vieles, was auch TripHop damals war. Über die Jahre ist allerdings auch mindestens genauso viel Neues dazugekommen. Polka, Walzer, Easy Listening, Varieté-Musik, Bar-Jazz und Mariachi-Bläser. Among others. "Desert noir" nennen Ilya das nun selbst. Und während die Männer mit Gitarren, Trompeten, Streichern, Beats und Dub-Bässen in düsteren Launen schwelgen, gibt Frau Swan bizarre Texte über Schönheit, Liebe und Drogenfantasien dazu. Flüsternd, keuchend und aus voller Kehle. Daß sie weder an die laszive Sexyness einer Allison Goldfrapp, noch an die majestätische Erhabenheit von Beth Gibbons heranreicht, kann man ihr kaum zum Vorwurf machen. Daß die Musik sich schwarz auf dunkelblau spannender liest, als sie eigentlich klingt, aber schon.

"They died for beauty" ist ein Album der speziellen Momente. Wenn "Happy and week" in acht Minuten alles durchspielt, was auf dieser wirklich vielseitigen Platte passiert, oder das Titelstück sich zu einem riesigen Finale voll überlegener Grandezza auftürmt, sind Ilya nahe dran am erklärten Ziel, Musik zu machen, die funktioniert wie eine große Theaterproduktion. Aber so wie es gute und schlechte Inszenierungen gibt, treffen auch hier starke und schwächere Augenblicke aufeinander. Klischeebehaftete Textzeilen wie "Bellissimo / Mon amour" tun nicht nur im Kontext von samtweich geblasenen Hörnern weh. Und trotz des wirklich guten Sounds klingt all das in Schönheit gestorbene Musizieren mitunter, als hätte die Totenstarre ein bißchen zu früh eingesetzt. Where is the love?

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Heavenly
  • Happy and week
  • They died for beauty

Tracklist

  1. Bellissimo
  2. Quattra neon
  3. Bliss
  4. Heavenly
  5. Soleil soleil
  6. Pretty baby
  7. All for melody
  8. Happy and weak
  9. They died for beauty

Gesamtspielzeit: 49:21 min.