The Wannadies - Yeah

The Wannadies- Yeah

BMG
VÖ: 03.04.2000

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

"Yeah, Yeah, Yeah" - diese denkwürdigen Worte dürften spätestens mit den Beatles ("She loves you") in die Musikgeschichte eingegangen sein und auch Bands unserer Zeit benutzen sie gerne und häufig. Nur die Wannadies allerdings sind wirklich konsequent und nennen ihr fünftes Album gleich "Yeah", kommt es doch tatsächlich in fast jedem Song vor. Und auch das hingekritzelte Männchen auf dem Cover (und der Homepage) vollführt auf einem Bein kniend mit seinem rechten Arm die typische "Strike"-Pose. Die Einstellung der Wannadies scheint somit klar: Spaß und nichts anderes.

Doch der Reihe nach: The Wannadies haben sich 1989 in der nordschwedischen Stadt Skellefteå gegründet und bis auf den Drummer (heute: Erik Dahlgren) besteht die Band aus den Gründungsmitgliedern Pär Wiksten (der Sänger mit der markanten Stimme), den Brüdern Fredrik (Bass) und Stefan Schönfeldt (Gitarre) und natürlich Christina Bergmark (Keyboard), die man ab und zu schmachtend singen hören kann. Der große Durchbruch zum Erfolg gelang ihnen 1994 mit ihrem dritten Album "Be a girl" vor allem in Großbritannien. Dem Rest der Welt wurden sie durch den "You and me song" bekannt, der Bestandteil des millionenfach verkauften Soundtrack von "Romeo and Juliet" (1996) war. Im selben Jahr erschien "Bagsy me", ein Album voller eingängiger Gute-Laune-Songs, die es problemlos mit dem Eurodance-Müll (Whigfield, Ace of Base) aufnehmen konnten, der zu dieser Zeit Mitteleuropa von Skandinavien aus überschwemmte.

Der nervenaufreibende Versuch, Amerika zu erobern, der Wechsel der Plattenfirma, Streit mit Drummer Gunnar Karlsson, der darauf die Band verließ und ein Baby von Stefan und seiner Freundin brachten es mit sich, daß es einige Jahre dauerte, bis Ende 1999 in ihrer Heimat Schweden "Yeah" erschien. Produzent ihres neusten Werkes ist der frühere Cars-Frontmann Ric Ocasek, der zuvor u.a. mit Weezer, Jonathan Richman und Guided By Voices zusammengearbeitet hatte. Aufgenommen wurde das Album in den legendären New Yorker "Electric Lady Studios", in denen schon Jimi Hendrix oder die Beastie Boys an ihren Werken herumbastelten. Die Gruppe hat sich also für einen Neubeginn entschieden. Dazu Pär: "Am Ende war Ric die bestmögliche Wahl für uns, da die Chemie von Anfang an stimmte, uns verbanden sofort diese ganz bestimmten Vorstellungen von ehrlichem Punk-Rock."

Die 14 Songs sind im Vergleich zum Vorgänger "Bagsy me" tatsächlich punkiger, trotzdem ist der typische Sound der Band, die richtige Mischung zwischen Rock und Synthesizer, immer noch präsent. Jedoch kann einem auch der Verdacht kommen, daß sie versuchen, auf der derzeitigen amerikanischen Funpunk-Welle mit Blink 182 und Konsorten mitzuschwimmen. Viele der schnellen Songs ähneln sich auch in einer gewissen Weise, richtige Knaller wie "Hit" oder der "You and me Song" stechen nicht heraus.

Allein die Balladen zeugen vom gewaltigen Potential der Band: "String song" (das einzige Stück, das nicht von Ric Ocasek produziert wurde) beispielsweise oder "Can't see me now", das an "This is a low" von Blurs "Parklife"-Album erinnert. Die ansteckend gute Laune und auch vor allem der typische Optimismus der Wannadies, der mich bei "Bagsy me" noch vollkommen mitgerissen hat, funktioniert hier nicht mehr richtig und wirkt an manchen Stellen regelrecht aufgesetzt. Die Fünf scheinen entweder melancholischer und reifer geworden zu sein oder wagen den Versuch, mit ihrer Musik doch noch richtig berühmt zu werden.

(Steffen Krautzig)

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Highlights

  • Don't like you (What the hell are we supposed to do)
  • String song
  • (You)

Tracklist

  1. I love myself
  2. Yeah
  3. No holiday
  4. Big fan
  5. Don't like you (What the hell are we supposed to do)
  6. String Song
  7. Can't see me now
  8. Kill you
  9. (You)
  10. Low enough
  11. Idiot boy
  12. Friend or foe
  13. Ball
  14. ...have another one

Gesamtspielzeit: 50:10 min.

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