Hayden Thorpe - Ness
Domino / GoodToGo
VÖ: 27.09.2024
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
Die Natur ruft zurück
Nein, nicht Nessie. Nicht Loch Ness. Leider auch nicht der Port of Ness, eine der schönsten Ecken der Äußeren Hebriden. Überhaupt gar nicht Schottland. Aber doch Geographie und Großbritannien. Dieses "Ness" hier aus dem Albumtitel betrifft das weniger bekannte Orford Ness in Suffolk, einen von Gott und der Welt verlassenen ehemaligen Militärstützpunkt. In den Kriegen, die das Europa des 20. Jahrhunderts prägten (zwei Weltkriege, Kalter Krieg), wurden dort Waffen entwickelt. Dann wuchs buchstäblich Gras darüber, denn der National Trust erwarb das verfallende Gelände in den 90er-Jahren und ließ es zu seinem Besseren verwildern. Wer weiß, vielleicht stromern dort neuerdings sogar Wild Beasts umher?
All dies inspirierte den Bestsellerautor Robert Macfarlane 2019 zu einem Buch, das Naturbeobachtungen, Poesie und Prosa freischwebend verband und in Zusammenarbeit mit dem ebenso freigeistigen Künstler Stanley Donwood entstand, der unter anderem durch seine Arbeiten an den Artworks von Thom Yorke und Radiohead bekannt wurde. Hayden Thorpe wiederum lernte Macfarlane auf einem Literaturfestival kennen, und es wurde die Idee einer Vertonung dieser Prosa geboren. Was kam da nun heraus, ein Stapel experimenteller Field Recordings vielleicht?
Nein, es ist dann doch eine Platte geworden, die sich durchaus harmonisch in die Diskografie des Ex-Wild-Beasts-Sängers einfügt und die sehr gut mit seinen beiden ersten Solowerken mithalten kann. Es gibt zwar tatsächlich Elemente der Ness-Landschaft in den Aufnahmen, aber ob sich neben Wasserplätschern und anderen atmosphärischen Kleinigkeiten nun wirklich Details wie auf Basstrommeln gelegte Samen oder aneinandergeriebene Disteln heraushören lassen, bleibt den Hörfähigkeiten der Empfänger*innen überlassen. Die Rezitation von Macfarlanes Texten unterscheidet dieses Album natürlich von seinen Vorgängern, ebenso die Zusammenarbeit mit dem Propellor Ensemble. Immer wieder spielt beispielsweise die Klarinette eine markante Rolle, Erinnerungen an Großtaten von These New Puritans werden geweckt.
Hier geht es jedoch weit weniger düster zu. Schon Thorpes immer noch makelloses Falsett bringt reichlich Wärme in die Stücke. Wenn man die Interludes und einige eher introspektive Stücke ausnimmt, verbleibt schließlich doch eine Menger klassischer Popmusik. Anders arrangiert und vielseitiger instrumentiert vielleicht, aber im Kern doch wieder sehr zugänglich. Voller wunderschöner Songs, darunter das mystische "Merman", das erstaunlich zupackende und am Ende elektronische und klassische Momente vereinende "He" oder die brillante Leadsingle "They", die gemeinsam mit dem danach folgenden und hell pulsierenden "V." an die tanzbareren Karrierephasen Thorpes anknüpft. Ja, man möchte am Ende direkt eine Reise nach Suffolk buchen.
Highlights
- Merman
- He
- They
- V.
Tracklist
- Merman
- WTF is that?
- In the green chapel
- It
- Gull
- He
- Hagstone
- She
- Song of the bomb
- They
- V.
- As
- Closer away
Gesamtspielzeit: 48:51 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
| User | Beitrag |
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saihttam Postings: 2887 Registriert seit 15.06.2013 |
2025-01-25 23:34:54 Uhr
Das Album ist mir wohl etwas zu sperrig, um mich vollends zu packen. :( |
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MickHead Postings: 10089 Registriert seit 21.01.2024 |
2025-01-21 17:14:00 Uhr
Erster neuer Song nach dem Album"Doom Orchid" https://www.youtube.com/watch?v=K-rLTTsU3lw |
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 30202 Registriert seit 08.01.2012 |
2024-10-07 20:14:10 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert. Meinungen? |
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Vive Postings: 1393 Registriert seit 26.11.2019 |
2024-08-27 05:39:35 Uhr
Moondust for my diamond fand ich tollWeiß nicht ob ich für das neue Album in Stimmung bin Da muss man ziemlich an Bord sein um es zu genießen Mal abwarten |
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saihttam Postings: 2887 Registriert seit 15.06.2013 |
2024-08-27 00:49:08 Uhr
Jawoll! Liebe den Typen, sowohl mit Wild Beasts als auch solo. Einzigartige Stimme und toller Songwriter! |
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Referenzen
Wild Beasts; One True Pairing; WhoMadeWho; Owen Pallett; Anohni; Perfume Genius; John Grant; Thom Yorke; Casper Clausen; Cut Copy; Zoot Woman; Friendly Fires; Twin Shadow; Kele; Broken Bells; Hot Chip; Alexis Taylor; Hercules And Love Affair; Yeasayer; Mika; LCD Soundsystem; The Knife; Planningtorock; All We Are; Bat For Lashes; Laura Mvula; These New Puritans; The Invisible; Django Django; Everything Everything; Glass Animals; Foals; Sohn; Shura; Ider; LoneLady; Robert MacFarlane; Stanley Donwood; Radiohead; Thom Yorke; Propellor Ensemble; Kerry Andrew
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