Samu Haber - Me free my way
Polydor / Universal
VÖ: 04.10.2024
Unsere Bewertung: 4/10
Eure Ø-Bewertung: 4/10
Aus der Zeit gefallen
Die alte Ära des Radiopop ist vorbei: Neben begnadeten Künstlerinnen wie Sabrina Carpenter oder Chappell Roan sieht etwa Katy Perry mittlerweile deutlich blass aus. Doch es gibt sie noch: Hits, die offenbar nur für die Heavy Rotation produziert wurden und als seichte Hintergrundbeschallung für Menschen dienen, die wenig Interesse an Musik haben. Nur, dass die Songs inzwischen mächtig aus der Zeit gefallen klingen. Mit genau diesem Output wurden Sunrise Avenue berühmt. Die finnische Band hat sich mit zwei Gitarren und lässigen Outfits in den 2000ern immer Rock-betont präsentiert. Der bekannteste Teil der Gruppe ist Frontmann Samu Haber, der in Deutschland längst zum TV-Gesicht geworden ist. Mit "Me free my way" veröffentlicht dieser sein erstes Soloalbum in englischer Sprache und scheint den deutschen Musikmarkt erneut erobern zu wollen. Ob ihm das gelingt, kommt vermutlich auf seine "The Voice of Germany"-Zuschauer an. Denn einen rein musikalischen Anreiz, das Album länger am Stück zu verfolgen, gibt es leider nicht.
Und das deutet sich schon im Opener und Titelsong "Me free my way" an. "I tried your way / I tried to change / But I need to go my own way baby", singt Haber zu sanften Gitarren-Akkorden in den ersten Sekunden des Albums. Der Inhalt ist klar, doch das Vokabular erschreckend generisch. Während dynamische Drums und dramatische Gitarren-Sounds ihr Bestes geben, um dem Song einen Hymnen-Charakter zu verleihen, schwebt Samu Habers angenehm-tiefer Gesang darüber. Seine Musik mit der von Sunrise Avenue zu vergleichen, wäre zu einfach. Als Stimme der Gruppe erinnert Haber automatisch immer an Hits wie "Fairytale gone bad". Aber – und auch das ist nicht ungewöhnlich – der Sänger bleibt musikalisch tatsächlich oft in der Nähe seiner alten Band. Etwa im ebenfalls Schlagzeug- und Gitarren-betonten "Hollywood heels".
Spannender wird es, wenn Haber sich Pop noch stärker annähert und elektronische Einflüsse zulässt. "Dancing with a broken heart" ist nicht nur Beat-basiert, sondern öffnet sich auch für hallende Synthie-Sounds. Die einzige wirklich nennenswerte Stärke des Albums bleibt allerdings Habers Stimme, die in allen Songs eine gewisse Wärme und Behaglichkeit vermittelt. Dass der Sänger sich darauf ausruht, ist offenbart gleichzeitig die größte Schwäche des Albums: Der Sound bleibt oft zu sicher, zu bekannt. Fast so, als würde Haber trotz großer Solo-Emanzipation immer wieder in altbekannte Muster verfallen. Während er bei "The Voice of Germany" frische Talente sucht, fehlt in seinem eigenen Werk genau dieser Mut, mal etwas Neues zu wagen. Alte Erfolge lassen sich nicht einfach in die Gegenwart retten – besonders nicht in einer Pop-Welt, die sich längst weiterentwickelt hat.
Highlights
- Dancing with a broken heart
Tracklist
- Me free my way
- Big guitars
- The vehicle
- Gimme your hand
- Hollywood heels
- Who do I
- You destroyed my life
- The elephant
- Easy answers
- That time of year
- Dancefloor
- Crazy
- Dancing with a broken heart
- Hideaway
- Seasons
Gesamtspielzeit: 48:45 min.
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2024-10-07 20:12:18 Uhr - Newsbeitrag
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Referenzen
Sunrise Avenue; Rea Garvey; Reamonn; Michael Patrick Kelly; Stanfour; The Rasmus; 3 Doors Down; The Last Goodnight; Thomas Godoj; Dub7even; The BossHoss; Maroon 5; Lifehouse; Wheatus; Daughtry; 5 Seconds Of Summer; Coldplay; The Goo Goo Dolls; Silbermond; Max Giesinger; Tim Bendzko; Revolverheld; Gregor Meyle; Tokio Hotel; Michael Schulte; Nico Santos; Lena; Stefanie Heinzmann
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- Samu Haber - Me free my way (1 Beiträge / Letzter am 07.10.2024 - 20:12 Uhr)



