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Fastmusic - I want to love, and I love

Fastmusic- I want to love, and I love

Fun In The Church / Zebralution
VÖ: 04.10.2024

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Wer bietet weniger?

"Musik wird störend oft empfunden, dieweil sie mit Geräusch verbunden" – so wird Wilhelm Busch gerne zitiert. Ob das stimmt, darüber gehen die Meinungen sicherlich auseinander. Eines hingegen steht fest: Weniger "störend" auf der Wilhelm-Busch-Skala als das neue Album von Fastmusic kann Musik wohl nicht sein, denn hier wird dem Minimalismus in einer Art und Weise gehuldigt, die man nur als höchst konsequent bezeichnen kann. Die Verweigerungshaltung, herumzudröhnen und großes Gewese zu veranstalten, geht in diesem Falle sogar so weit, dass es ziemlich schwierig ist, wirklich sachdienliche Hinweise zu erlangen, wer denn nun überhaupt hinter Fastmusic steckt. Gesichert ist, dass es sich um mindestens eine männliche Person aus Leipzig handelt, wesentlich mehr ist nicht herauszufinden, selbst das Plattenlabel gibt sich auf Anfrage zugeknöpft.

Der erste Track "Carousel" jedenfalls kann schon mal auf die falsche Fährte locken. Hier spielt eine Gitarre nach Art einer Kinderspieluhr immer wieder gebrochene Dreiklänge im wiegenden Sechsachteltakt, während eine zarte, hohe, zerbrechliche Stimme Textfetzen haucht. Sofort werden – sehr schöne – Assoziationen in Richtung Beth Gibbons wach, auch wenn hier (wie im Verlauf des Albums klar wird) ein Mann singt. Wie auch immer: Das hier ist enorm eindringlich, leise aber fesselnd, zieht schwer in den Bann. Vor allem, weil die Gitarrenfiguren sich stetig leicht verschieben und immer wieder kleine neue Nuancen hinzukommen. Es folgt – gewissermaßen als Trenner – ein kurzes Instrumentalstück, sodann kommt mit "Superman" sogleich ein neues, soghaftes Stück. Hier puckert eine einsame Beatbox, die gefühlt mindestens 40 Jahre alt ist, dazu gesellen sich im Verlauf des Stücks spröde Gitarrenlicks und eine sanft eiernde, schön analog-warme Orgel.

Und damit ist allerdings der klangliche Kosmos von Fastmusic im Grunde schon auserzählt. Die weiteren Stücke basieren auf ähnlichen Rezepten: simple, monomanische Gitarrenläufe, hier und da ein asthmatisch zischelnder Vintage-Drumcomputer, disparate und sparsam eingesetzte Keyboards und dazu dieser seltsam kühle, zuweilen fast ungerührt wirkende Gesang. Richtig laut wird's zu keiner Zeit – im Gegenteil: Mitten im Track "Pictures" gibt es zwischendurch auch einfach mal vier Takte Generalpause, bevor der Song sich mählich wieder aufschwingt.

Man kann das eintönig, ja langweilig finden. Es passiert auf rund 42 Minuten insgesamt ziemlich wenig. Es kann aber die Music von Fastmusic (was für ein irreführender Name, by the way!) auch sagenhaft entspannend und beruhigend wirken. Wer diese Scheibe als DJ in der Dorfdisco auflegt, der wird vermutlich mit Mistgabel und Güllepumpe vom Hof gejagt und mit einer lebenslangen Auftrittssperre belegt. Wer das Album hingegen nachts beim Autofahren im Nieselregen hört, idealerweise in das beißend-orangene Natriumdampflicht belgischer Autobahnen gehüllt, der wird hierfür mit Sicherheit keinen hypnotischeren, keinen passenderen Soundtrack finden können. Fastmusic bieten einen aufs absolute Grundgerüst reduzierten musikalischen Yenga-Turm: Wenn man nur irgendwo ein einziges Holzstück rauszieht, kracht alles zusammen.

(Jochen Reinecke)

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Highlights

  • Carousel
  • Superman
  • Pictures

Tracklist

  1. Carousel
  2. Instrumental 1
  3. Superman
  4. Wow
  5. Dancing in the sun
  6. Instrumental 2
  7. It's okay
  8. Funk in the kitchen (dream)
  9. Pictures
  10. Instrumental 3
  11. Mas de melon
  12. Place in the middle

Gesamtspielzeit: 42:10 min.

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User Beitrag

dogs on tape

Postings: 493

Registriert seit 14.06.2013

2026-01-03 20:04:54 Uhr
Neuer Song auf deutsch und auf Staatsakt.
https://www.byte.fm/blog/tracks-des-tages/zeitenwende-fastmusic-156008/
Young Marble Giants & The Durutti Column Vergleiche. Hört, hört.

myx

Postings: 6330

Registriert seit 16.10.2016

2025-03-22 21:50:13 Uhr
Dieses Album ist die Ruhe selbst, gefällt mir sehr gut. Da ist jemand ganz bei sich, und diese Entspanntheit überträgt sich auf den Hörer. Die tollen Songs wie "Pictures" oder "Wow" trägt man gerne länger mit sich herum. Vielen Dank nach Leipzig und liebe Grüsse!

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 30212

Registriert seit 08.01.2012

2024-10-07 20:11:48 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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